Janka Vida: ‚Gspaßiges‘ Verschweigen in Elfriede Jelineks „Burgtheater“. Posse mit Gesang. Komik als diskursive und performative Gewaltform

Elfriede Jelineks Theatertext Burgtheater. Posse mit Gesang wurde erstmals 1982 in der Zeitschrift manuskripte veröffentlicht und 1985 in Bonn uraufgeführt.[1] Erst nach einem vierzigjährigen Aufführungsverbot wurde der Text schließlich auch am Wiener Burgtheater zur Aufführung gebracht.

Burgtheater thematisiert im Zuge der österreichischen Vergangenheitsverdrängung des Nationalsozialismus die opportunistische Mittäterschaft österreichischer KünstlerInnen während des Nationalsozialismus sowie deren Mitwirkung an heimatidyllisierenden Filmen in der Nachkriegszeit.[2] Unter dem Deckmantel der österreichischen Opferthese wurden bis in die 1980er Jahre nationalsozialistische Verbrechen verdrängt und erst durch künstlerische Interventionsarbeit, mitunter von Elfriede Jelinek, gelang es, den sogenannten ‚Opfermythos‘ zu dekonstruieren.[3]

Die vorliegende Seminararbeit untersucht, durch welche sprachlichen Mittel sich Komik in Jelineks Burgtheater als performative und diskursive Form sprachlicher Gewalt entlarvt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, inwiefern das Verschweigen opportunistischer KünstlerInnen als MittäterInnen des Nationalsozialismus durch komische Strategien vollzogen wird.

Die bisherige Jelinek-Forschung zu Burgtheater hat bereits zahlreiche Analysen zu subversiven Strategien der Komik, zur satirischen Kunstsprache, zum Mythos des Schlüsseldramas sowie zur Skandalisierungsgeschichte des Stücks vorgelegt.[4]

Die vorliegende Arbeit ergänzt diese Forschung durch eine literaturwissenschaftlich-sprachanalytische Perspektive, indem eine Sprachgewaltanalyse des Allegorischen Zwischenspiels durchgeführt wird. Anhand von rekurrierenden Metaphern  wird versucht die Verdrängungsform des Verschweigens herauszuarbeiten. Im Zentrum der Analyse stehen die Figuren Käthe, Istvan, Schorsch, Resi und der Alpenkönig. Durch die Verschränkung von Komik und Gewalt wird eine spezifische Form des Verschweigens freigelegt, die als ‚gspaßiges Verschweigen‘ gefasst wird.

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[1] Vgl. Sabrina Weinzettl: Die 1980er Jahre in Österreich. Chronik der Ereignisse. In: (Hg.)  Wien: Praesens-Verlag. 2018, S. 32.

[2] Vgl. Sylvia Paulischin-Hovdar: Der Opfermythos bei Elfriede Jelinek: Eine historiografische Untersuchung. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag. 2017.

[3] Vgl. Pia Janke und Elfriede Jelinek: „Diese falsche und verlogene Unschuldigkeit Österreichs ist wirklich immer mein Thema gewesen“. Elfriede Jelinek im Gespräch. In: Innerhofer, Roland u. a. (Hg.): Austrian Studies: Literaturen und Kulturen: eine Einführung. Wien: Praesens Verlag 2020.

[4] Anmerkung: Die bisherige Forschung ist umfangreich; exemplarisch seien hier: Pia Janke/Teresa Kovacs/ Christian Schenkermayr/Bettina Chybiorz (2018), Evelyn Annuß: (2005), Uta Degner (2022) u.v.m. genannt.