Jinsong Chen: From Wagner to Brecht: An Aesthetic Analysis of Elfriede Jelinek´s „Rein Gold“

Elfriede Jelinek’s stage-essay Rein Gold, a contribution to the 200th anniversary of Wagner’s birth, has been brought onto stage twice by the German director Nicolas Stemann: first as a six-hour improvised scenic reading in Prinzregententheater München in 2012 and then as a music theater at the Berliner Staatsoper (in Schillertheater) two years later. In both its literary and theatrical form, Rein Gold communicates strong political and aesthetic affinities with Richard Wagner and Bertolt Brecht. In this paper I will examine Brechtian and Wagnerian references within a postdramatic context and argue that the ultimate goal of both writer and director, while applying Brechtian techniques as a means to dislocate Wagner’s familiar theme and voice of the Ring, is to make them totally “EPIC.”

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19. September 2018

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Bastian Zwölfer: Elfriede Jelinek und der „scharfe jüdische Witz“. Über das Zerlachen des kapitalistischen Unsinns in dem Theatertext „Die Kontrakte des Kaufmanns. Eine Wirtschaftskomödie“

Diplomarbeit

In dieser Arbeit geht es um den „scharfen jüdischen Witz“ und den „jüdischen Tonfall“ dieses Witzes in den literarischen „Textflächen“ von Elfriede Jelinek, welcher anhand des Theaterstücks Die Kontrakte des Kaufmanns gezeigt werden soll. Da es zu diesem Thema noch keine umfangreiche Forschung gibt, soll primär von einigen Interviews ausgegangen und mithilfe der Aussagen der Autorin diesem Witz nachgeforscht werden. Die Interviews selbst werden dabei als eine eigene literarische Gattung angesehen; als eine spezifische Form der jelinekschen Textflächen.
Es wurde bewusst keine Rücksicht auf das Erscheinungsjahr der Interviews gelegt, um zu zeigen, dass der jüdische Witz sowie ihr „übersteigerter Moralismus“ eine konstante Bedeutung zu haben scheinen.
Da sich Jelinek in diesen Interviews oft auf den „jüdischen Witz“ beruft, soll dieser also den Schwerpunkt der Arbeit einnehmen und dann in der Wirtschaftskomödie gezeigt und erklärt werden. Neben den öfteren Hinweisen auf diesen Witz, fällt aber in den Interviews noch Jelineks ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit auf, der hier als die Kehrseite ihrer „scharfen“, „kastrierenden“ Komik angesehen wird. Die Grundüberlegung in diesem Zusammenhang war, dass Jelineks Hass auf die gelebte „Pseudo-Humanität“ (in Österreich) ein enormer Anspruch, eine Sehnsucht nach „wahrer“ Gerechtigkeit innewohnt, die als das Fundament ihrer „atheistisch-religiösen“ Haltung angesehen werden kann. Dies ist auch der Grund, weswegen Jelinek die Alltagsmythen des Kapitalismus „kastriert“ beziehungsweise „zerlacht“. Getragen wird die ganze Arbeit von den Gedanken Paul Feyerabends, der mit seiner „pluralistischen Methodologie“ eine gute Herangehensweise für die Auseinandersetzung mit dem Thema bietet. Des Weiteren wird mit den Überlegungen von Erich Fromm und Michel Foucault gearbeitet.

27.8.2018

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Wafaa Said Zoueid: Über die Écriture feminine am Beispiel von Elfriede Jelineks Romanen „Lust“ (1989), „Gier“ (2000) und „Neid“ (2008). Eine dekonstruktivistische Textanalyse

Dissertation

Abstract

Die gepl
ante Dissertation bearbeitet die Romane der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek Lust (1989), Gier (2000) und Neid (2008) anhand der Theorien der Vertreterinnen der Écriture féminine, Hélène Cixous, Luce Irigaray und Julia Kristeva.
Von Kritikern, aufgrund ihrer Titel als „Todsündenromane“ bezeichnet, werden diese drei Romane als Teil eines Zyklus betrachtet, die die biblischen sieben Todsünden thematisieren. Die Hauptfiguren in den Romanen sind mit besonderen Charaktereigenschaften gekennzeichnet, die als Ursachen von Todsünden zu betrachten sind, hier also Lust, Gier und Neid.
Die vorgeschlagene Arbeit geht der Frage nach, inwiefern die bearbeiteten Romane von Elfriede Jelinek die Ansichten und Konzepte der Literaturtheorie Écriture féminine widerspiegeln. Diese Konzepte sind das weibliche Begehren, die weibliche und die männliche Ökonomie, Subjektivität und Gesellschaft, die Dialektik von Körper, Sprache und Gesellschaft, sowie auch Identität und Selbstidentifikation.
Mit einer einzigartigen Sprache versucht Elfriede Jelinek die patriarchalische Gesellschaft und die starke Macht der ungerechten sozialen Ordnung darzustellen. Ihre Sprache spielt eine besondere Rolle bei der Enthüllung der sozialen Umstände der modernen Zeit und der Darstellung der Unterdrückung der Frau.  Daher werden die Romane anhand der Methode der Dekonstruktion analysiert.

6.8.2018

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Jinsong Chen: Betrug an Mozart Alteritätsdiskurs und Dekonstruktion der Gender-Perspektive in „Raststätte oder Sie machens alle“ (1979)

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

In Form der klassischen Komödie verweist Elfriede Jelineks Theaterstück Raststätte oder Sie machens alle mit parodierenden Elementen auf Mozarts Opera buffa Così fan tutte (Libretto von Da Ponte). Das Stück handelt von zwei Frauen, die mit fremden Männern ein tierisches, sexuelles Abenteuer erleben wollen. Das Treffen mit ihren als Elch und Bär verkleideten Ehemännern auf der dreckigen Toilette der Autobahnraststätte als einem Ort, der die Zivilisation symbolisiert, enttäuscht die beiden jedoch.
In Mozarts Oper verkleiden sich zwei italienische Männer als ausländische Adelige, um ihre Bräute auf ihre Treue zu testen. Ihre Andersheit als ethnische Fremde wird von der ausländischen Verkleidung sowie der Änderung ihrer Namen reflektiert. In Raststätte übernimmt Jelinek die Idee der Entfremdung des Individuums, lässt aber die Männer ihr eigenes Anderes als tierische Gestalt repräsentieren. Dabei konstruiert die Autorin eine Dichotomie von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, um das innere animalische Selbst/ICH der Menschen zu entlarven und die verfremdete Menschheit zu kritisieren. Außerdem ändern sich in Raststätte die Position und die damit verbundenen Rollen der Geschlechter. Im Gegensatz zu Mozarts Frauenfeindlichkeit sind die Frauen bei Jelinek Subjekte ihrer eigenen Lust anstatt erotische Objekte der Männer, während die Männer als entfremdete Subjekte zu den Objekten des aktiven Begehrens ihrer Frauen werden.
Dem Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit liegt vor allem Jelineks Beschäftigung mit Mozart in Bezug auf Fremdenfeindlichkeit und künstlerische Ausgrenzungstendenzen zugrunde, womit sich die Autorin in ihrem kurzen Essay Neujahr (2006) intensiv auseinandersetzt. Mittels eines metatheatralischen Codes versuche ich herauszufinden, wie Jelinek mit der subversiven Sprache, einer feministischen Perspektive sowie komischen Elementen über Mozart in die Gegenwart weist, um ihre politischen, philosophischen und künstlerischen Standpunkte auszudrücken. Dabei steht nicht nur der aus der veränderten Gender-Perspektive entstehende Alteritätsdiskurs im Kontext der Postmoderne im Mittelpunkt, sondern es wird die über den Weg der Sprachkunst/Künstlichkeit vermittelte Xenophobie – Angst vor sich Selbst und Angst vor der Fremdheit –in der österreichischen zeitgenössischen Kultur diskutiert.

24.7.2018
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Xiaohu Sieghard JIANG: Mother-Daughter Relationship in Elfriede Jelinek’s „Die Klavierspielerin“ and Eileen Chang’s „The Golden Cangue“

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

In literature, the female is traditionally depicted as victims suppressed by patriarchal hegemony. However, Elfriede Jelinek’s novel Die Klavierspielerin (1983) and Eileen Chang’s Chinese novella The Golden Cangue (金锁记, 1943) focus on how daughters become victims of their mothers. Though with totally different national and cultural backgrounds, the former in Vienna and the latter in Shanghai, both works depict the despair of daughters whose lives are destroyed by the extreme manipulation of mothers. Nevertheless, while Die Klavierspielerin investigates the mother-daughter tension from the perspective of the daughter’s distorted mindset, The Golden Cangue sheds more lights on the psychological turmoil of the mother. At a more fundamental level, the daughter’s tragedy in Die Klavierspielerin originates from absolutism implemented here by the mother, which is divergent from the traditional representative of father. By contrast, The Golden Cangue attributes tragedies of both mother and daughter to the evil nature of humankind and the vulnerability of women in a Chinese society that was still haunted by feudalism.

3.7.2018
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Sabrina Weinzettl: „wir erschaffen uns eigens selbst“ Zur Alteritätskonstruktion und -dekonstruktion in Jelineks „Wut“

Teilaspekt des Forschungsprojekts
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

Der geplante Beitrag für den Nachwuchsworkshop 2018 widmet sich der Frage, nach der Konstruktion und Dekonstruktion von Alterität in Elfriede Jelineks Theatertext Wut.
Mit ihren polyphonen, intertextuell-konzipierten Textflächen hat Jelinek eine Form gefunden, Konstruktionen von Eigenem und Anderem nicht nur auszustellen, sondern sie, durch Verweigerung von eindeutigen Zuschreibungen, zu unterwandern und zu dekonstruieren. In Wut, einem Theatertext, den Jelinek unter den Eindrücken der Anfang 2015 in Paris verübten Terroranschläge geschrieben hat, befasst sich Jelinek mit unterschiedlichen Phänomen des Fanatismus, der in seiner Extremform, die Vernichtung des Anderen zum Ziel hat, und fragt nach den Ursachen für die daraus resultierenden Gewalt-Eskalationen. Im Wir der Textfläche verbinden sich Stimmen religiöser Fanatiker, rechtsextremer Mobs, Hassposter und Wutbürger zu einem gewaltbereiten Chor, wobei die fließenden, assoziativen Übergänge eine eindeutige Festlegung nicht zulassen.
In meiner These gehe ich davon aus, dass durch die im Text vorgenommene Verschränkung (scheinbar) gegensätzlicher Ideologien wie jene islamistischer Terroristen, der nationalistischen Rechten in Europa sowie der Nationalsozialisten, die Parallelen in den ausgrenzenden Mechanismen aufgezeigt werden und so die Reproduktion einfacher Wir/die Anderen bzw. Täter-/Opfer-Zuschreibungen verweigert wird. Die Konstruktion und Ausgrenzung von Anderem wird als grundsätzliches Phänomen gesellschaftlichen Zusammenlebens entlarvt.
In meinem Beitrag möchte ich einerseits untersuchen, wie Jelinek ausgrenzende Mechanismen über Sprache darstellt: dafür soll das sprechende Wir genauer in den Blick genommen werden. Das Pronomen wir hat – mit Bezug auf Emile Benvenistes Überlegungen – sowohl inklusiven als auch exklusiven Charakter, verweist es doch zugleich auf die dem wir zugehörige Gemeinschaft als auch auf alljene, die dieser nicht angehören. Die Dichotomie Innen/Außen bzw. Eigenes/Fremdes ist dem Pronomen bereits eingeschrieben. Um dann schließlich die Parallelen in den Ausschlussstrategien der in Wut herbeizitierten Wir-Ideologien zu beschreiben, werde ich René Girards Mimesis-Theorie heranziehen; in seiner Analyse von Gewaltphänomenen versteht Girard konkurrierende Gegenspieler als Doppelgänger.

3.7.2018
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Sebastian Weirauch: Mimikry des Fremden: Elfriede Jelineks Werk aus der Perspektive der literarischen Rhetorik

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

Die Rezeption von Elfriede Jelineks Werk wird von einem selbst bei wohlwollenden Lesern immer wieder aufkommende Lektürewiderstand begleitet. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass das auf Aufklärung zielende Schreiben der Autorin nicht nur eine „politische[] Sprachanalyse“ (Janke 2002: 7) darstellt, sondern mit einer subversiven Rhetorik operiert, die sich ambivalenter ästhetischer Mittel bedient. Zu diesen Mitteln zählen u. a. ironische Täuschungsmanöver, mediale Unverständlichkeit und sprachliche Überwältigung. Zentral für Jelineks mit dem ironischen Konzept der „Ichlosigkeit“ (Jelinek/Treude/Hopfgartner 2000: 23) operierende Rhetorik ist die fortlaufende Mimikry fremden Sprechens und die provokante Identifikation u. a. mit antisemitischen Topoi (Begriffe wie „Parasitärdrama“, Rachefantasie in KdT).
In meinem Aufsatz rekonstruiere ich Jelineks Schreiben und die darin vollzogene Mimikry des Fremden unter Rückgriff auf die literarische Rhetorik (vgl. Traninger 2013) sowie auf phänomenologische Forschungen (vgl. Avanessian 2010; Despoix/Fetscher 2001). Ich zeichne nach, dass Jelinek in ihren Texten Ambivalenzen erzeugt, indem sie eine ständig verschwischende Mehrfachadressierung von Opfern und Komplizen vornimmt (vgl. Despoix/Fetscher 2001: 200). Im Zentrum steht dabei die „persona“ (Traninger 2013: 200) der Ironikerin, deren ichlose Mimikry des Fremden ein durchgängiges Merkmal von Jelineks Texten darstellt. Diese Ironikerin spricht in der Situation eines permanenten „Double-bind“-Dilemmas (Fueß 1983: 19), das sie auf die Leser zu übertragen versucht.
Im Anschluss an meine Überlegungen stelle ich heraus, dass Jelineks Werk als eine produktiv gemachte Aporie lesbar ist: Einerseits dient die ichlose Ironie als Konzept der Aufklärung, andererseits unterwandert sie dieses Vorhaben durch ihre manipulativen und ambivalenten Eigenschaften (vgl. Damiani 2014). Im Hinblick auf Jelineks Entwicklung als Autorin lassen sich zudem verschiedene Strategien ausmachen, um mit dieser Aporie umzugehen – etwa durch einen Metadiskus (z. B. in bukolit.hörroman oder später in Die Kinder der Toten) oder durch den vermeintlichen Bruch mit der eigenen Rhetorik (z.B. in Winterreise. Ein Theaterstück).

3.7.2018
Informationen zu Sebastian Weirauch