Kolar Christoph: Der Botenbericht als filmische Darstellungsform zu Vermittlung der Shoah anhand von Elfriede Jelineks Text „Rechnitz der Würgeengel“

Wie kann man die Shoah und andere NS-Verbrechen filmisch darstellen? Mit welchen filmischen Mitteln werden Erinnerungen, Geschichtserzählungen und Bilddokumente repräsentiert? Wie lässt sich überhaupt Immaterielles wie Erinnerung visualisieren? Diese Forschungsfrage beschäftigt mich seit langem und mündete in meiner 2022 verfassten Dissertation „Darstellungsformen von NS-Verbrechen im Kontext des österreichischen Films“ (Kolar 2022), wo die Untersuchung der Eignung des filmischen Botenberichts eine zentrale Rolle spielt und auf welche dieser Beitrag aufbaut.

Gerade die Fortschreibung des Botenberichts im Werk von Elfriede Jelinek scheint diesbezüglich fruchtbar zu sein. Dazu habe ich den von Elfriede Jelinek im Text „Rechnitz (der Würgeengel)“ (Jelinek 2008) verwendeten Botenbericht untersucht und als filmische Darstellungsform in meinen 2014 realisierten gleichnamigen Film angewendet. In dem Film berichten Boten über ein Massaker, das kurz vor Kriegsende im burgenländischen Ort Rechnitz an jüdischen Zwangsarbeitern verübt wurde. Entgegen der etablierten filmischen Methode, Szenen von Schauspieler*innen als Re-Enactments zu inszenieren und damit Authentizität vorzugeben, behauptet der Bote im filmischen Botenbericht nicht, dabei gewesen zu sein. Er ist und bleibt distanter Übermittler, distantes Medium und ist sich dessen auch bewusst.

Ich habe für meinen Film „Rechnitz (Der Würgeengel)“ (Kolar 2014) den Botenbericht und damit eine distanzierte Formensprache gewählt, um nicht einzelne Individuen in den Fokus zu nehmen, sondern den Einzelnen als Stellvertreter für die Opfer und Täter der Shoah. Das gleichnamige Stück „Rechnitz (Der Würgeengel)“ (Jelinek 2008) habe ich für meine filmische Bearbeitung unter anderen deshalb gewählt, da es geschichts- und gesellschaftspolitisch die Zeit der Tat während des Nationalsozialismus wie auch die Nachkriegszeit mit der damit verbundenen Aufarbeitung bis hin zur Gegenwart thematisiert.

Jelinek verwendete für ihr Stück Interviewpassagen aus dem Film Totschweigen (Heinrich/Erne 1994) und verarbeitete diese in ihrem Text. Damit findet ein Medienwechsel statt, vom Film zum Text und in meiner Bearbeitung wieder zurück zum Film. Die Protagonisten fungierten in meiner Bearbeitung des Stückes von Elfriede Jelinek als Boten, um über das NS-Verbrechen in Rechnitz zu berichten. Bei meiner filmischen Arbeit war es mir wichtig, eine Brücke in die Gegenwart zu bauen und auf soziale, historische und politische Verhältnisse und der damit verbundenen Verstrickungen einzugehen. Durch diese Analyse wird das Kontinuum von Vergangenheit und Gegenwart aufgezeigt. Weiters war es für mich essenziell, so weit wie möglich jegliche Ästhetisierung zu vermeiden. So habe ich beispielsweise auf den Einsatz von Musik und von Effektgeräuschen gänzlich verzichtet. (Kolar 2022: 149ff.)

Mein Beitrag befindet sich in einem interdisziplinären Spannungsfeld zwischen Kunst, künstlerischer Forschung und Film- und Medienwissenschaft. Meine Dissertation und bisherigen Forschungsbeiträge dienen mir als Basis um im Rahmen des Workshops „Elfriede Jelinek: Wissenschaft – Kunst – Demokratie“ meine theoretischen und künstlerischen Überlegungen weiterzuentwickeln.

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Bibliografie

Benjamin, Walter (2007): Über den Begriff der Geschichte, in Erzählen, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Ebbrecht-Hartmann, Tobias (2011): Geschichtsbilder im medialen Gedächtnis, Bielefeld: Transcript.

Ebbrecht-Hartmann, Tobias (2018): Filmische Historiographien, in: Brombach, Ilka/ Kaiser, Tina (Hg.): Über Christian Petzold, Berlin: Vorwerk 8, 170-188.

Erne, Eduard (1993): Gespräch zwischen Peter Wagner und Eduard Erne zum Film Totschweigen, online unter: http://www.peterwagner.at/topmenu/arbeiten/werkliste-kommentare-reden-offene-briefe/gespraech-ueber-den-film-totschweigen/ (letzter Zugriff: 08.08.2018).

Janke, Pia/ Kovacs, Teresa/ Schenkermayr, Christian (Hg.) (2010): Die endlose Unschuldigkeit, Elfriede Jelineks Rechnitz (Der Würgeengel), Wien: Praesens.

Jelinek, Elfriede, Rechnitz (Der Würgeengel) (2008): Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Theater Verlag.

Jelinek, Elfriede (2010): Elfriede Jelinek im Gespräch, in: Janke, Pia/ Kovacs, Teresa/Schenkermayr, Christian (Hg.): Die endlose Unschuldigkeit, Elfriede Jelineks Rechnitz (Der Würgeengel), Wien: Praesens, 17-23.

Jelinek, Elfriede (2010): Kulturmontag Spezial zum Thema Rechnitz, ORF 2, ausgestrahlt am 13.5.2010

Jiranek, Johanna (2009): Die Sprache betritt die Bühne, in Manoschek Walter (Hg.): Der Fall Rechnitz, Wien: Braumüller, 149-163.

Kolar, Christoph (2022): Darstellungsformen von NS-Verbrechen im Kontext des österreichischen Films, Wien: Dissertation Akademie der bildenden Künste.

Kracauer, Siegfried (1985): Theorie des Films, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Krämer, Sibylle (2008): Medium, Bote, Übertragung: Kleine Metaphysik der Medialität, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Krämer, Sybille (2011): Der Bote als Topos, in: medias in res, von der Heiden, Anna/Heilman, Till A./ Tuschling, Anna (Hg.), Bielefeld: Transcript, 53-67.

Lochte, Julia (2008): Redeschwall und Schweigemauer, Berlin: Der Theaterverlag, 162.

Lochte, Julia, (2010): Totschweigen oder die Kunst des Berichtens, in: Janke, Pia/Kovacs, Teresa/ Schenkermayr, Christian (Hg.): Die endlose Unschuldigkeit, Elfriede Jelineks Rechnitz (Der Würgeengel), Wien: Praesens, 411-425.

Mathä, Johannes (2011): Fortschreibung des antiken Botenberichts in Elfriede Jelineks „Rechnitz (der Würgeengel), Wien: Diplomarbeit Universität Wien.

Filme

Buñuel, Luis, (1962): Der Würgeengel (Originaltitel: El ángel exterminador), Mexiko: Gustavo Alatriste.

Erne, Eduard/ Heinrich, Margareta (1994): Totschweigen, Österreich: Hoanzl.

Kolar, Christoph (2014): Rechnitz (Der Würgeengel), Österreich: Christoph Kolar.

Jakob Buurman: Abscheuliche Klavierspielerin. Musik abseits des Elfenbeinturms

Das Schreiben Elfriede Jelineks ist ein janusköpfiges. Ihre Texte erschüttern in einem Moment das stabil geglaubte Fundament gesellschaftlicher Strukturen und weisen in einem anderen auf die freigelegten Grundfesten dieser Systeme als umso wichtigere Verhandlungsräume hin. Im Zentrum dieses Spannungsfeldes aus Dekonstruktion und asymmetrischer Validierung steht ihr Roman Die Klavierspielerin. Das vorliegende Paper untersucht, wie Jelinek darin die Kategorien Wissenschaft, Kunst und Demokratie einer Belastungsprobe unterzieht, indem sie den Ekel als Werkzeug nutzt, um die darin verborgenen Machtstrukturen freizulegen und neue Formen des Sagbaren zu erschließen.

Methodisch verschränkt die Untersuchung Julia Kristevas Theorie der Abjektion mit Michel Foucaults Sexualitätsdispositiv. In der Figur der Erika Kohut vermag es Jelinek sowohl Erikas Einbindung in etablierte Machtstrukturen des bürgerlichen und akademisch-künstlerischen Lebens wie auch ihre Affinität zum Abstoßenden, Abscheulichen, Ekelhaften als subversive Gewalt zu vereinen. In ihrer Rolle als Klavierlehrerin richtet sie als Manifestation einer sich elitär und wissenschaftlich gebenden Hochkultur über ihre SchülerInnen. Im Privaten ist es dagegen sie selbst, die von der Mutter diszipliniert wird und deren sexuelles Begehren streng überwacht wird. Als Ausweg aus ihrer diffizilen Verstrickung in diese traditionellen Hierachien versucht Erika, im Abjekten über sich zu herrschen und sucht doch zugleich die Beherrschung. In dem Oszillieren Erikas zwischen Objekt und Abjekt macht Jelinek die Gewalt sichtbar, die von der Normalitität, die von Wissenschaft, Kunst und Demokratie ausgehen.

Der Ekel äußert sich innerhalb des Romans in Erikas blutigen Selbstverletzungen, ihrer Faszination für Sekrete und der Aufsuchung heterotopisch-maskulin codierter Orte der Lust. Jelinek gibt dem Austretenden, Ausgetretenen und Herausgetretenen eine Sprache und fokussiert gerade jenen Punkt, an dem die Stabilität des Ordentlichen zur Gewalt am Außerordentlichen wird. Das Abjekte ist bei Jelinek dabei mehr als reiner Schockeffekt: Wo die demokratische Gesellschaft die freie Entfaltung des Individuums angesiedelt glaubt, enthüllt Jelinek durch die Darstellung des Abscheulichen die verdrängte Gewalt dahinter. Die Grenzen zwischen Herrschaft und Beherrschtwerden verschmelzen hier zu einem Körper – einem Januskopf.

Jelineks Kritik an der hohen Kunst, an der kalten Wissenschaft und der formal herrschenden Demokratie mündet nicht in vollständiger Ablehnung; vielmehr nutzt sie den Ekel, um den Kern und die Macht dieser Instanzen freizulegen. Eine Kunst, die

‚Natürlichkeit‘ dekonstruiert, eine Wissenschaft, die nicht festschreibt, sondern öffnet, und eine Demokratie, die Individualität und Selbstwirksamkeit ermöglicht, werden durch Jelineks Verfahren denkbar, erstrebenswert und sie werden schließlich ‚sagbar‘, indem Jelinek das Abjekte als verdrängten Teil des Diskurses ernstnimmt und aufnimmt.

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Bibliografie

Foucault, Michel: Analytik der Macht. Hg. v. Daniel Defert und François Ewald. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2005 (= stw, 1759).

Frietsch, Ute: Geschlecht als Tabu. In: Janke, Pia (Hg.): JELINEK[JAHR]BUCH. Elfriede Jelinek-Forschungszentrum 2014-2015. Wien: Praesens Verlag 2015, S. 159–167.

Kristeva, Julia: Powers of Horror. An Essay on Abjection. New York: Columbia University Press 2024.

Wright, Elizabeth: Eine Ästhetik des Ekels. Elfriede Jelineks Roman »Die Klavierspielerin«. In: TEXT + KRITIK 117 (1993), S. 51–59.

Yantong Liu: Die Klimakatastrophe als diskursiver Schauplatz. Sprachordnungen und Deuthungshoheit in Elfriede Jelineks „Sonne/Luft/Asche“

Elfriede Jelineks Klima-Trilogie Sonne/Luft/Asche thematisiert die Klimakatastrophe als allgegenwärtigen Zustand und als Konflikt um Sprache, Wahrnehmung und Deutungshoheit. Der Beitrag geht von der These aus, dass Jelinek die Katastrophe nicht einfach abbildet, sondern konkurrierende Redeweisen freilegt, in denen diese Krise benannt, verharmlost, verwaltet oder aufgeschoben wird. Im Zentrum des Beitrags steht die Frage, wie Sprache die Sichtbarkeit, Verantwortungszuschreibung und Wahrnehmung der Klimakatastrophe organisiert. Die Klimakatastrophe wird somit zu einem diskursiven Schauplatz, auf dem wissenschaftliche, philosophische, politische, mediale und ökonomische Redeweisen um Geltung ringen.

Im Fokus stehen zunächst jene Redeweisen, in denen die gegenwärtige Klimakrise verhandelt wird. Begriffe wie „Nachhaltigkeit“, „Bio“ oder „CO2-Ausgleich“ sowie technologische Heilsversprechen treten im Text als semantisch aufgeladene Formen auf, die die bestehende Logik von Verwertung, Konsum und Kontrolle fortschreiben. Es wird gezeigt, dass die Klimakrise durch scheinbar vernünftige und lösungsorientierte Redeweisen verharmlost werden kann. Entscheidend ist daher nicht nur, was über das Klima gesagt wird, sondern auch, welche Begriffe gesellschaftlich verfügbar sind, um die Krise überhaupt wahrnehmbar zu machen, und in welchen Sprachordnungen sie bereits entschärft erscheint. Auf diese Weise legt Jelinek offen, dass die Sprache der Rettung oft gerade jene Verhältnisse stabilisiert, die zur Katastrophe beitragen.

Darüber hinaus rückt die politische Dimension des Klimadiskurses in den Blick. Wissenschaftliches und technikphilosophisches Wissen erscheinen in der Trilogie nicht als neutrale Erkenntnisinstanzen. Vielmehr greifen Diagnose und Heilsversprechen ineinander und erzeugen ambivalente Effekte: Warnung und Beschwichtigung sowie Erkenntnis und neue Illusionen. Vor diesem Hintergrund werden Formen desökologischen Protests häufig als irrational oder störend markiert, während technokratische und ökonomische Problemlösungsrhetoriken als sachlich und alternativlos gelten. Jelinek macht diese Asymmetrie sichtbar, indem sie aufzeigt, welche Stimmen als legitim gelten, welche ausgeschlossen werden und welche Verantwortlichkeiten im Modus scheinbarer Sachlichkeit unsichtbar bleiben.

Schließlich gilt besondere Aufmerksamkeit Jelineks ästhetischer Form. Durch Fragmentierung, syntaktische Instabilität, semantische Drift und rhythmische Atemnot wird die Sprache selbst zum Ort der Katastrophe. Die formale Desintegration fungiert dabei als Wahrnehmungsform, in der Desorientierung, Überforderung und der Verlust begrifflicher Sicherheit erfahrbar werden. Gerade weil Jelineks Sprache diese Erfahrung weder glättet noch ordnet, entzieht sie sich jenen Redeweisen, die die Klimakatastrophe als beherrschbar oder verwaltbar erscheinen lassen. Darin liegt ihre künstlerische Intervention: Sonne/Luft/Asche formuliert weder eine neue Meistererzählung noch eine alternative Lösungssprache für die Klimakrise. Stattdessen unterbricht und zersetzt der Text jene Sprachordnungen, die Verantwortung verschieben, Natur funktionalisieren und Zukunft auf Verwaltung oder Konsum reduzieren. Auf diese Weise eröffnet Jelineks Schreiben einen kritischen Wahrnehmungsraum, in dem dominante Sprachordnungen der Klimakatastrophe sichtbar und fragwürdig werden.

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Bibliografie:

Horn, Eva: Klima. Eine Wahrnehmungsgeschichte. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2024.

Lücke, Bärbel: Archiv und Apokalypse. Essays zu neueren Theatertexten von Elfriede Jelinek. Wien: Praesens Verlag, 2025.

Jelinek, Elfriede: Sonne / Luft. In: Theater heute 02/2023 (Das Stück).

Jelinek, Elfriede: Asche, online verfügbar unter: https://www.elfriedejelinek.com/sonne-luft-asche/ (= Elfriede Jelineks Webseite, Rubriken: 2024) (zuletzt abgerufen am: 05.12.2025)

Péter Munkácsi: „Das Leben stottert im trunkenen Mut. Das Gesetz aber spricht mit nüchternem Sinn.“ Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ aus der interdisziplinären Perspektive von Recht und Literatur

Wir sind das größte Problem, das sie haben, wir sollen zur Hölle gehen, wir sollen nicht unbehelligt hier leben dürfen. Für uns kein Grund, hier zu bleiben, kein Grund, hier zu wohnen, und daher auch keine Grundrechte für uns. Allerdings auch keine Grundbesitzabgaben. Kein Grund, kein Grundgesetz, keine Bürger – kein Bürgerrecht und keine Gleichheit, für niemanden, für uns schon gar nicht, wir verlieren die Rechte zuallererst, die Rechte will es so. Sie säumen nicht, da strenge Not sie zwingt oder was sie halt antreibt, uns auszutreiben.“[1]

Elfriede Jelineks dramatisch kraftvolle Zeilen aus „Die Schutzbefohlenen” haben mich dazu inspiriert, ihr Werk aus einer interdisziplinären Perspektive zwischen Recht und Literatur zu untersuchen. Während die Migrations- und Asylpolitik, insbesondere das Management von Landesgrenzen, das Wirtschaftswachstum und die Einhaltung des Völkerrechts und der Menschenrechte, ist von zentraler Bedeutung für die innere Sicherheit der EU. Die Anti-Migrations-Rhetorik und der Vormarsch des populistischen Nationalismus in Europa lassen sich in der Politik und im Rechtssystem Polens, der Slowakei und Italiens deutlich erkennen. Bedauerlicherweise trifft diese Feststellung auf das von Viktor Orbán proklamierte „illiberal-demokratische“ Ungarn, das Land, aus dem ich stamme, in noch viel stärkerem Maße zu. Die Europäische Kommission hat im Jahr 2024 den Pakt zu Migration und Asyl verabschiedet, um die Migration auf würdige und nachhaltige Weise zu steuern. Im selben Jahr überarbeitete Elfriede Jelinek ihren 2013 verfassten Text „Die Schutzbefohlenen“, aus dem ich das obige Zitat entnommen habe. Jelineks Werk und dessen deutschsprachige Theaterinszenierungen gelten als eklatantes Beispiel für eine kosmopolitischere Annäherung an das Thema der Situation der Flüchtlinge.

Mit der Hilfe dieses Workshop-Projekts möchte ich Jelineks Werk unter dem Aspekt das Recht und Literatur in den Fokus rücken und präsentieren. Die Forschungen zum Thema „Recht und Literatur“ sind Teil sogenannter interdisziplinärer Ansätze, die – im Vergleich zum spezifischen Begriffsapparat und den Analyseverfahren der „autonomen Rechtswissenschaft“ – versuchen, solche Begriffe, Inhalte, Methoden und Erkenntnisse von Wissenschaftsbereichen und Wissensformen heranzuziehen, die in Bezug auf jeden einzelnen dieser Bereiche selbst sehr vielfältig sind.[2]

Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Wiederaufnahme meines im Herbst 2025 unterbrochenen Promotionsverfahrens, in dessen Rahmen ich an der Fakultät für Staats- und Rechtswissenschaften der ELTE in Budapest an einer Dissertation mit dem Arbeitstitel: „Intellekt – Genius. Die Vorgeschichte von Recht und Literatur in der ungarischen Rechtsphilosophie der Zwischenkriegszeit“ arbeite.

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[1] https://www.elfriedejelinek.com/die-schutzbefohlenen/

[2] McCrudden, Christopher: Legal research and the social sciences In: The Law Quarterly Review.  122. Oct. (2006.) p.632-650.; The Oxford handbook of empirical legal research. Oxford; New York: Oxford University Press, 2012. xv, 1094 p. Baron, Jane B.: Law, Literature, and the Problems of Interdisciplinarity. Essay. In: Yale Law Journal , Vol. 108, Issue 5 (March 1999), pp. 1059-1086.Vick, Douglas W. :Interdisciplinary and the Discipline of Law. In: Journal of Law and Society, Vol. 31, Issue 2 (June 2004), pp. 163-193.

Noh Seung Ju: Forms of Affect and the Body of Utterance. A Compositional and Artistic Research Inquiry through the Political Aesthetics of Elfriede Jelinek

The problem of right-wing populism and extremist politics does not lie only in the content of particular claims or ideologies. More fundamentally, it is a question of how collective affect is organized: how certain sensations, tones, rhythms, modes of utterance, and bodily attitudes are circulated, repeated, and intensified through technical media. Elfriede Jelinek’s texts are especially sensitive to these mechanisms of anti-democratic affective organization. Through propagandistic language, repetition, excess, choral utterance, and the accumulation of violent rhetoric, she reveals that anti-democracy is not merely a political position, but a mode of organizing sensation, embodiment, language, and mediation.

Starting from this problem, the present project investigates, from the perspective of composition and artistic research, how right-wing populism organizes affect within contemporary digital media environments. In particular, it takes as points of departure the recurring political tones, inflections, breathing patterns, speech speeds, rhythms, and bodily implied modes of speaking that emerge in short-form videos, online speech, forum posts, and comment cultures. The aim is not simply to reproduce or content-wise criticize the speech of particular political actors. Rather, the project focuses on the conditions that make such utterances possible: specific ways of using the body, gestures of speech, and the conceptual and medial systems that support them.

As a composer and artistic researcher, I am less interested in sound as such than in the conditions under which sound emerges. Whether instrumental or vocal, sound is always produced through the body. Yet the body never exists as a purely material basis. It is always already organized by social, conceptual, and technical norms, and these norms shape movement, utterance, and ultimately sound itself. In this sense, the project approaches sound not as a surface result, but as part of a material loop connecting body, concept, medium, and sonic formation. More precisely, the work seeks to compositionally dismantle and reconfigure the body of utterance and the conceptual principles that sustain the affects of right-wing populism.

Methodologically, the project does not aim to imitate political speech directly, but to extract and transform the formal conditions that make it effective. To this end, it takes as analytic material vocal inflection, rhythmic contour, breathing patterns, tension and release, commanding or persuasive tones, and structures of repetition amplified by digital media. These materials are then translated into new compositional structures through instrumental gesture, vocal performance, electronics, processes of repetition and accumulation, and bodily movement. In this process, composition becomes not merely expressive, but a critical practice that exposes and displaces the sensory principles through which political affect is produced.

The project seeks to extend Jelinek’s political aesthetics beyond textual interpretation by engaging it through musicality, performativity, and the corporeality of utterance. In doing so, it explores acoustically how anti-democratic language and affect are formed through bodies and media, while also experimenting with other possibilities of listening and other organizations of sensation. As an ongoing artistic research project, it is intended to be further developed through the workshop’s mentoring and discussions, especially with regard to the relationship between utterance, body, and sound, and its connection to Jelinek’s critical legacy.

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Bibliography

Jelinek, Elfriede. Am Königsweg. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2017.

Mouffe, Chantal. For a Left Populism. London: Verso, 2018.

Butler, Judith. Notes Toward a Performative Theory of Assembly. Cambridge, MA: Harvard University Press, 2015.

Cox, Christoph. Sonic Flux: Sound, Art, and Metaphysics. Chicago: University of Chicago Press, 2018.

Lydia Haider: mein und aber / Anus ohne Schließmuskel / oder: Zu gehen auf dem Weg der Gerechtigkeit / > eine logische Oper – ein logisches Opfer <

Ein Übermaß an Bildern, ein Über an Sprach, ein Über an Sprachbildern, verdichtet zur Unerträglichkeit, solch sich in der aktuellen Welt ergießt über und auf den Mensch, der sich nicht (mehr) weiß – das ist dieser Text. Was ist, dreht sich um und tut das in einer unnachvollziehbaren Schimpftirade entgegen dessen, was eben passiert (Faschistische Wende), und in der nicht mehr klar ist, wer hier überhaupt gemeint ist und wer spricht. Es geht um jeden und dennoch um nichts im Angesicht des („moralischen“) Untergangs: Faschisten, Bildungsbürger*innen, Sprachnazis, wohlfeile Denkschweine, Widerständige, Linksintellektuelle, Gläubige, egal. Es geht allein um den Duktus: Wie Wespen im Herbst, die unbedingt noch stechen wollen, bevor sie sterben. So wie die gegenwärtigen Zustände des Weltgeschehens ebenso Verhaltensweisen von Menschen hervorbringen, die einem solch irrationalen Stechverhalten im Angesicht eines drohenden Kollaps oder Untergangs gleichen. Und am Ende wird klar: Wir alle sind die, die im Moment Grenzen überschreiten, auf allen Ebenen. Der Faschismus ist (bald) da und wir alle sind dieser und in diesem.

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Anran Xu: Collective Performing of Democracy in „The Vienna Trials“

This thesis takes The Vienna Trials (later renamed The Vienna Congress), a key project of the Wiener Festwochen, as a case study in relational aesthetics and political performance. Through its careful staging—solemn venues, celebrity performers, and extended exchanges of dense information—it produced a highly active and open form of audience participation. Rather than a conventional two-hour theater evening, the Trials unfolded over three consecutive days, two to three weekends per year, thus fundamentally reshaping theatrical temporality.

Drawing on auto-ethnographic recollection, video documentation, and dramaturgical materials, I argue that the event was not only a theatrical simulation of democratic practices but also a collective performance of democracy itself—and, at times, of its failures. The spectators’ presence, fatigue, attention shifts, and negotiations with the format turned the audience into co-performers. The theater space thus expanded beyond the stage, generating an unusual density of interaction that blurred the line between performer and spectator.

Equally, the economic structure of the project—low ticket prices stretched over exceptionally long performance durations—deliberately challenged the commodification and entertainment-orientation of contemporary theater. Instead, it created temporary, localized “micro-utopias” where empathy and laughter coexisted with scrutiny, critique, and endurance. The tension between the dramaturgical team’s intended effects and the actual audience experience are central to my analysis, revealing achieved, failed, and unexpectedly realized theatrical outcomes.

Rather than focusing solely on the invited speakers (politicians, activists, intellectuals), I propose to interpret the Trials as performative democracy emerging from the audience’s collective imagination of justice and fairness. Unlike politicians, who often arrived with strategic agendas, spectators spent entire weekends together simply out of interest in presence and engagement. Without their embodied attention—sitting, watching, being recorded in the official livestream—the most dramatic speeches risked collapsinginto mere spectacle. Ultimately, the seriousness and impact of the performance were evaluated and co-produced by the audience’s unconscious performances.

The thesis will consist of a close reading of the opening session of The Vienna Trials: Attacks on Democracy (2024). Drawing on primary materials such as video documentations, transcripts of proceedings compiled by the author, and ethnological notes, the study further integrates contextual sources including interviews with dramaturgs and scholars as well as audience testimonies. Secondary literature encompasses research on courtroom drama, theories of realism, relational aesthetics, and the intersections of theater and politics, while engaging only marginally, if at all, with Milo Rau’s published writings.

The study will be framed through four key concepts frequently referenced in scholarship on Rau and related works—Realism, Tribunal, Pre-enactment, and Utopia. Clarifying these terms in specific cases will help situate The Vienna Trials within broader traditions of political theater, from Greek tragedy to Brechtian realism, while also highlighting its engagement with contemporary relational aesthetics, where human interaction itself becomes the artistic medium. The analysis focuses on dramaturgical strategies such as opening statements, cross-examinations, and verdicts, exploring how these formal elements shape audience reception and influence perceptions of justice, legitimacy, and democracy. Situating The Vienna Trials within the broader lineage of performative legal interventions and political theater, the thesis ultimately seeks to articulate its distinctive contribution to contemporary debates on democracy in the arts.

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Bibliography

Arendt, Hannah. The Human Condition . Chicago: University of Chicago Press, 1958.

Climenhaga, Lily M. (Re)Creation Processes: Milo Rau and the International Institute of Political Murder . Bielefeld: transcript Verlag, 2019.

Dahl, Robert A. Democracy and Its Critics . New Haven: Yale University Press, 1989.

International Institute of Political Murder. “About IIPM.” Accessed May 2026. letzter Zugriff am 15. März 2026, https://international-institute.de/en/about-iipm-2/.

Wiener Festwochen. 2024. “Anschläge auf die Demokratie.” Wiener Festwochen. letzter Zugriff am 15. März 2026, https://www.festwochen.at/anschlaege-auf-die-demokratie.

Anita Scheuermann: Heimatgesang. Gewalt, Sprache und demokratische Aushandlungsprozesse in literarisch-filmischer Montage

Das Projekt Heimatgesang ist als künstlerisch-wissenschaftliches Vorhaben an der Schnittstelle von Literatur, Film und sozialwissenschaftlicher Gewaltforschung angesiedelt. Im Zentrum steht ein Romanprojekt, das durch einen dreiminütigen Fotofilm ergänzt wird. Beide Formate basieren einer biografischen Feldforschung zu Familie und Österreich. In Form von narrativen Interviews mit Frauen unterschiedlicher Generationen sowie Fotos und Videos zu zeithistorischen Orten wird die Verschränkung von familiären Gewaltverhältnissen, gesellschaftlichen Strukturen und deren sprachlich-symbolischer Rahmung untersucht.

Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich männliche Gewalt in familialen Kontexten über Generationen hinweg in Körper, Erinnerung und Sprache einschreibt und welche Rolle gesellschaftliche Institutionen und Diskurse dabei spielen. Der Roman erzählt die Rückkehr einer Protagonistin (Anna) in ihre Herkunftsregion (Oberösterreich) und ihre Auseinandersetzung mit der Gewaltgeschichte ihrer Familie, insbesondere den Gewalterfahrungen der Frauen durch Väter und Ehemänner. In Gesprächen mit Mutter und Großmutter tritt ein Spannungsfeld zwischen Offenlegung, Loyalität gegenüber gewalttätigen Männern sowie verschiedene Formen weiblichen Vergessens (Assmann 2016) zutage, das auf strukturelle Bedingungen von Geschlecht, Herkunft und nationaler Selbstbeschreibung verweist (Bourdieu 2005).

Formal wird dieses Erkenntnisinteresse durch eine Montage ästhetischer und dokumentarischer Verfahren umgesetzt. Der begleitende Fotofilm arbeitet mit der Verschränkung von privaten Bildräumen, historischen Medienbildern und rechtlichen Texten. Fotografien aus den 1980er- Jahren – insbesondere aus der Zeit vor der strafrechtlichen Anerkennung von Vergewaltigung in der Ehe – werden mit politischen Reden, Zitaten feministischer Literatinnen und juristischen Formulierungen (u. a. § 44 ABGB) kombiniert. Durch gezielte Schnitttechniken (Hard Cuts, Überblendungen, Match Cuts) wird ein Spannungsfeld zwischen Intimität, männlicher Gewalt und institutioneller Rahmung sichtbar gemacht. Sprache erscheint dabei nicht als neutrales Medium, sondern als Träger ideologischer Ordnungen, die Gewalt legitimieren, verschleiern oder herausfordern. Der Fotofilm fungiert dabei als ästhetische Verdichtung und analytische Zuspitzung der im Roman entwickelten Fragestellungen

Das Projekt steht in einem expliziten Dialog mit dem Werk von Elfriede Jelinek, insbesondere mit dem Roman Die Liebhaberinnen. Während Jelinek in der Figur der Paula die Verstrickung von weiblicher Biografie, Ehe und ökonomischer Abhängigkeit in den 1970er-Jahren analysiert, lässt sich Heimatgesang als eine Fortschreibung dieser Konstellation lesen: Im Fokus steht eine nachfolgende Generation, die Hauptfigur Anna, die als „Paulas Tochter“ die sedimentierten Gewaltverhältnisse, Sprachmuster und gesellschaftlichen Erwartungen erbt und zugleich zu durchbrechen versucht. Diese genealogische Perspektive erlaubt es, Kontinuitäten und Transformationen geschlechtsspezifischer Gewalt im Kontext gesellschaftlicher und rechtlicher Veränderungen sichtbar zu machen.

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten um die Erosion demokratischer Verbindlichkeiten versteht das Projekt Gewalt gegen Frauen nicht allein als individuelles oder familiäres Problem,sondern als demokratiepolitische Herausforderung. Es fragt danach, welche Rolle künstlerische und wissenschaftliche Verfahren dabei spielen können, Gewaltverhältnisse sowie Anerkennungs- und Erinnerungskulturen sichtbar zu machen, dominante Sprach- und Bildordnungen zu irritieren und alternative Formen des Wissens und Erinnerns zu eröffnen.

In diesem Sinne begreift sich Heimatgesang als Beitrag zu einer künstlerischen Forschung, die ästhetische Praxis und sozialwissenschaftliche Erkenntnis miteinander verschränkt, um neue Perspektiven auf das Verhältnis von Wissenschaft, Kunst und Demokratie zu entwickeln.

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Bibliografie

Aleida Assmann (2016): Formen des Vergessens. Göttingen: Wallstein.

Pierre Bourdieu (2005): Die männliche Herrschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Elfriede Jelinek (1975): Die Liebhaberinnen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Naomi Zora Saupe: Ästhetisiert euch

Ästhetisiert euch ist ein, der sich mit der politischen Wirkmacht von Ästhetik im Kontext rechter Propaganda auseinandersetzt und diese historisch wie gegenwärtig verschränkt. Ausgangspunkt ist die Rückbindung an die Physiognomik im Nationalsozialismus, in der das Gesicht zum ideologischen Träger erklärt und zur Projektionsfläche rassistischer Zuschreibungen wurde. Diese gewaltsame Codierung von Sichtbarkeit bildet den historischen Resonanzraum für eine zeitgenössische Untersuchung ästhetischer Indoktrination. Ästhetik als Karikatur einer vermeintlichen Mündigkeit, die verschleiert wie wir soziale Rollen fremdmaskieren und damit präreflexiv Propaganda bejahen.

Das Projekt knüpft an meine theoretische Auseinandersetzung mit der Fremdmaskierung jüdischer Identitäten an, wie sie im Sinne von Rudolf Münz’ Konzept des „Lebenstheaters“ verstanden werden kann: Identität erscheint hier als performativer Akt unter Zwang, als Anpassung an eine feindliche Blickordnung. In Verbindung mit Judith Butlers Überlegungen zur Subjektivierung durch Wiederholung und Norm sowie Hannah Arendts Analyse der Funktionsweisen rechter Propaganda entsteht ein Spannungsfeld, in dem das Theaterstück operiert: zwischen äußerer Zuschreibung, innerer Aneignung und der Unmöglichkeit, sich diesen Mechanismen vollständig zu entziehen.

Ästhetik materialisiert sich in einer Überpräsenz codierter Gesichter. Die Darstellung nicht objektiver, sondern sozial-performativer Masken, die sich fortwährend verschieben, überlagern und gegenseitig imitieren, wird zum Vergrößerungsglas der Gegenwart. In ihr verdichtet sich eine Epoche unaufhörlicher Visualisierungen, die den Anspruch erheben, Wahrheit nicht nur abzubilden, sondern selbst zu verkörpern. Identität als Gesicht erscheint wie ein Nebellicht, flüchtig, als vermeintliche Wahrheit, zugleich desorientierend und bewegt sich durch einen dichten Smog aus subversiv durchzogenen Bildern und Zeichen. Was sichtbar wird, ist kein stabiles Selbst, sondern eine Serie von Einschreibungen: normierte, deformierte, angeeignete Gesichter, die zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss oszillieren.Die Inszenierung macht erfahrbar, wie sich Propaganda nicht nur über Sprache, sondern über ästhetische Wiederholung und visuelle Codierung in Körper einschreibt. Indoktrination erscheint hier als ein Prozess, der sich über das Sichtbare vollzieht. Über das, was als „normal“, „schön“ oder „richtig“ gilt. Gleichzeitig zeigt sich, wie diese Codes zirkulieren und angeeignet werden: als ein „soziales Milieu-Cosplay“, in dem politische Ästhetiken über Lager hinweg übernommen werden, ohne ihre ideologischen Ursprünge offenzulegen. Der Ursprung wird verfremdet, die Form bleibt wirksam.

Im Zentrum steht dabei eine unauflösbare Ambivalenz: Das Gesicht, das angepasst wird, bleibt zugleich das eigene. Die Maske ist nicht abnehmbar, weil sie zur zweiten Haut geworden ist. Das Subjekt erkennt sich im Feindbild wieder, das es reproduziert.

“Your face is not german! My ancestor are shamefully proven to be german.. Why? Because they joined… But your face doesnt look german, you have to fix your nose, this is not a nose from the leading world.”

Dieses Zitat aus meiner eigenen Auslandserfahrung aus Schulzeiten in Thailand fungiert als Störmoment und Verdichtung zugleich: Es legt die Gewalt der physiognomischen Zuschreibung offen und verweist auf ihre fortdauernde Wirksamkeit. Ästhetisiert euch versteht sich als theatrale Versuchsanordnung, die sichtbar macht, wie sich Ideologie in Gesichter einschreibt und wie schwer es ist, ihr zu entkommen, wenn sie zur Form geworden ist.

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Bibliographische Angaben:

Münz, Rudolf. (1998). Theater und Theatralität. Stuttgart: Metzler.

Butler, J. (1990). Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity. Routledge.

Arendt, H. (1973). The origins of totalitarianism. New York, NY: Harcourt, Brace & Company.

Anna Brandewiede: Doppelter Vampirismus. Die Kommensurabilität eines weiblichen Autors in Elfriede Jelineks „Krankheit oder moderne Frauen“

In Jelineks Theatertext Krankheit oder moderne Frauen. Wie ein Stück spielen weibliche Vampire eine tragende Rolle: Von den vier Figuren, die dort auftreten, sind zwei, Emily und Carmilla weiblich konnotiert. Emily ist eine lesbische Vampirin. Ihr Name ist eine Hommage an Emily Brontë. Der Name Carmillas, der anderen weiblichen Figur, erinnert indessen an den lesbischen Vampir aus Sheridan Le Fanus gleichnamigen Roman.

Die vorliegende Arbeit geht davon aus, dass der Text anhand des Vampirismus die (Selbst-)Repräsentation von Weiblichkeit inszeniert. Es wird zu zeigen sein, dass der Vampirismus hier einher mit dem von Jelinek diagnostizierten Zwischenleben weiblicher Autoren, die niemals ganz da und niemals ganz weg seien. Dies verbindet sich mit dem Vampir, wenn er als Formel eines Typs betrachtet wird, dessen Funktionieren darin besteht, dass man ihm nicht hinter sein Geheimnis kommt. Dieser Rest, der nicht in der Repräsentation „des Weiblichen“ aufgeht, ist mittelst Eva Meyers Semiotik des Weiblichen herauszuarbeiten, die Derridas Dekonstruktion mit Kybernetik nach Gotthard Günther verknüpft. So kann das dem hier untersuchten Text eigene Ringen nach Repräsentation der Unmöglichkeit „weiblicher“ (Selbst-)Repräsentation anhand der Figur des Vampirs nachverfolgt werden.

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