Marlene Pichler: „frühling“ als Anti-Pornografie. Ein Gedicht von Elfriede Jelinek

Seminararbeit

Die vorliegende Arbeit unternimmt eine textnahe Analyse des Gedichts frühling. Es wird die Vielschichtigkeit des Gedichts aufgezeigt, indem Brüche, Neologismen und die Textstruktur untersucht werden. frühling deckt geschlechterbezogene Machtverhältnisse auf und behandelt insbesondere sexualisierte Gewalt. Hier liegt ein Fokus auf Märchen als intertextuelle Referenzen, die den Bedeutungsraum des Gedichts erweitern. Die zentrale These der Arbeit ist, dass frühling als Anti-Pornografie gedacht werden kann, was eine explizite Abgrenzung von einem und Subversion eines männlichen „Wert- und Normensystem“ bedeutet. Mit der Anwendung dieses Begriffs, der vor allem in den späten 80er Jahren laut wird, auf frühling aus den späten 60ern ist ein Diskurs eröffnet, in dem Jelineks Gedichte neu und abseits von Zuschreibungen der „Geschwätzigkeit“ und „Epigonalität“ (Spanlang 1992) in ihr Gesamtwerk einzuordnen sind.

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10.7.2019

Sabrina Weinzettl: „Das hat Gott getan!“ Gewalt im Namen Gottes? Elfriede Jelineks „Wut“

Masterarbeit

Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht die Frage nach dem Verhältnis von Gewalt und Religion in Elfriede Jelineks Theatertext Wut (2016). Der Fokus liegt dabei besonders auf den Kontexten und Intertexten, die von Jelinek in den Text eingebracht und die hinsichtlich der Verhandlung des Themas befragt werden. In Wut finden sich konkrete Bezugnahmen auf die Terroranschläge von Paris im Jahr 2015, die mit Wolfgang Hallets Methode der Kontextualisierung im Abgleich mit der Berichterstattung zu den Anschlägen analysiert werden. Ausgehend von diesen Bezügen nimmt die Arbeit das Verhältnis zwischen Menschen und ihren Göttern in den Blick, das in Wut als ein von Gewalt geprägtes erscheint. Dies zeigt sich im Text im Aufdecken des inhärenten Gewaltpotenzials religiöser Ermächtigungsstrategien. Die Mechanismen der Instrumentalisierung von Ideologien offenbaren sich in Wut aber auch außerhalb des religiösen Kontextes, nämlich in Strukturen und Hierarchien des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Im Aufrufen verschiedenster Gewalteskalationen, die von den Terroranschlägen in Paris, über den Genozid von Ruanda bis hin zum Holocaust reichen, zeichnet Wut Gewalt als ein die menschliche Kultur durchdringendes Phänomen. Die Gewaltthematik wird unter Heranziehung zweier zentraler Gewalttheorien, Johan Galtungs Überlegungen zur strukturellen Gewalt sowie René Girards Mimesis-Theorie, beleuchtet.

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4.7.2019

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Tomoko Fukuma: Die österreichisch-jüdische Gegenwartsliteratur. Die aktuelle Lage der jüdischen Kultur in Wien

Forschungsprojekt
(Stipendium Grant-in-Aid for Scientific Research, April 2019 – März 2020)

Das vorliegende Forschungsprojekt, mit dem ich mich seit 2017 mit der Unterstützung von JSPS befasse, zielt darauf ab, die Entwicklung der österreichisch-jüdischen Kultur in Wien von den 1980er Jahren bis zur Gegenwart, insbesondere auf literarischem Feld, zu erfassen. Seit den 80er Jahren, wo Österreich anlässlich der Waldheim-Affäre endlich den Blick auf die eigene nationalsozialistische Vergangenheit als Mittäter des Verbrechens richtete, fingen die österreichischen AutorInnen jüdischer Herkunft an, die Kritik an Österreichs Verdrängung der NS-Zeit zu üben und zugleich die tiefe Reflexion auf die eigene Identität in den literarischen Werken darzustellen. Dazu zählen unter anderem AutorInnen wie Robert Schindel (1944-), Robert Menasse (1954-), Doron Rabinovici (1961-) und Elfriede Jelinek (1946-).
Das zentrale Thema und die Töne des Werkes dieser AutorInnen sind zwar ihrer Biographie und der Einstellung zum Judentum gemäß ganz vielfältig, aber ihren Texten liegt die gemeinsame Intention zugrunde, das stereotype oberflächliche Schema zwischen Täter und Opfer, KZ-Überlebenden und deren Kindergeneration sowie Juden und Nichtjuden einmal zu dekonstruieren und erneut den wahren Sachverhalt mittels innovativer literarischer Form zu präsentieren; es ist z.B. Robert Schindels Werken gelungen, durch die zahlreichen fiktiven aber schonungslosen Gespräche zwischen den Romanfiguren das fixierte Verhältnis zu verfremden. Bei Jelinek fällt die ganz komplizierte Intertextualität auf, durch die der Prätext in einen anderen Kontext transportiert und dessen verborgene Aspekte erschlossen werden.
Es ist geplant, bei meiner Forschung das Wesen, das im engen Zusammenhang mit der äußerlichen politischen sowie gesellschaftlichen Ereignissen stehen muss, durch die Textanalyse herauszufinden und die weitere Entfaltung ihrer Poetik zu verfolgen.
Außer den literarischen Werken will ich auch die Filme von Ruth Beckermann, das Theater Nestroyhof HAMAKOM am Nestroyplatz und die Aktivitäten der „Israelitischen Kultusgemeinde Wien“ als einen wichtigen Bestandteil der gegenwärtigen jüdischen Kulturszene behandeln. Ich plane, den Teil dieser Forschung als wissenschaftliche Abhandlungen in deutscher Sprache und das ganze als Buch in japanischer Sprache zu veröffentlichen.

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Artur Sartori Kon: Plädoyer für ein seichtes Theater: Elfriede Jelineks oberflächliche Theatertexte

Dissertation

In dieser Dissertation werden die Werke der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek untersucht, nämlich ihre Theatertexte, die in Brasilien noch einzuführen sind. Die von Hans-Thies Lehmann als Hauptreferenz zum Begriff des „Postdramatischen Theaters“ zitierten Stücke dieser Autorin erfordern eine besonders produktive Diskussion über die mögliche Bedeutung des Stückschreibens in einer Zeit, in der es so aussieht, als ob das Theater sich autonom gegenüber dem Text gemacht hat. Dass Jelinek aber immer noch für das Theater schreibt, und zwar ein seltenes Bewusstsein dieses geschichtlichen Zusammenhangs dabei zeigt, macht sie zu einer privilegierten Gesprächspartnerin bei den Diskussionen über gegenwärtige Theaterästhetik.

Es wird ein Ansprechen vorgeschlagen, das es in der dialektischen Linie von Theodor Adorno, Peter Szondi, Christoph Menke und dem zuvor genannten Lehmann begünstigt, eine historische Beziehung zwischen Form und Inhalt zu etablieren. Solche Perspektive führt zu einer Analyse, die in vier Kapiteln geteilt wird.

Zunächst geht es um das Verhältnis zwischen Genre und Gender (ins Portugiesisch können beide Wörter als „gênero“ übersetzt werden), mit Referenz auf die Idee der Performativität des Geschlechts nach Judith Butler. Dafür beschäftigt sich das Kapitel mit den ersten Stücken Jelineks (Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften, Clara S. und Krankheit, oder Moderne Frauen) sowie dem Prinzessinnen-Zyklus Der Tod und das Mädchen I – V und dem Sekundärdrama FaustIn and Out.

Das zweite Kapitel untersucht die Chortexte Wolken.Heim. und Die Schutzbefohlenen, um das Problem vom Status der Figuren und Subjekten im Theatertext zu diskutieren in Verbindung mit der Frage von Identität und Fremdheit, Individuum und Kollektiv in der heutigen europäischen Politik.

Im dritten Teil wird die Möglichkeit eines „postdramatischen Realismus“ formuliert, durch eine Analyse der Stücke Die Kontrakte des Kaufmanns und Ulrike Maria Stuart. Dadurch werden wichtige Themen für das Werk Jelineks diskutiert, nämlich die Transformationen des gegenwärtigen Kapitalismus und das Scheitern der radikal antikapitalistischen Linken.

Zuletzt wird am Beispiel der Stücke Rechnitz (Der Würgeengel), Kein Licht und Am Königsweg ein metatheatralischer Aspekt der jelinekschen Texte herausgearbeitet. In ihren poetischen Antworten auf verschiedene Katastrophen – das Massaker von Rechnitz, der Nuklearunfall von Fukushima und der Wahlsieg Donald Trumps – stößt Jelinek auf die Ohnmacht der Theaterarbeit, das heißt, auf ihre eigenen Machtlosigkeit. Das Tragische wird aber in ihren Texten mit einer komischen Seite konfrontiert, und aus der Dialektik von beiden ergibt sich eine kraftvolle und originale Theaterästhetik.

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Tatjana Griessler: Verschlingen, Verputzen, Versteckerln und Vergessen. Gesellschaftskritik auf sprachlicher Ebene in Nestroys „Häuptling Abendwind“ und Jelineks „Präsident Abendwind“

Master-Seminararbeit

Bei der Lektüre von Johann Nestroys Häuptling Abendwind und Elfriede Jelineks Adaption Präsident Abendwind fiel von Anfang an die in beiden Werken intensiv präsente Gesellschaftskritik ins Auge. In diesem Zusammenhang beeindruckte insbesondere die Eindringlichkeit, mit der die kritisierten Missstände in beiden Stücken deutlich gemacht werden wie auch der Aspekt, dass sich die Kritik an den beanstandeten Verhältnissen größtenteils auf sprachlicher Ebene manifestiert. In diesem Zusammenhang stellte sich die Frage, durch welche sprachlichen, aber auch sprachkomischen Verfahren Elfriede Jelinek und Johann Nestroy – welche beide für ihre Sprachkritik bekannt sind – diese Intensität der Wirkung hervorrufen.
Die vorliegende Arbeit setzt sich aus diesem Grund zum Ziel, einerseits Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Themen von Gesellschaftskritik in den beiden Stücken Häuptling Abendwind und Präsident Abendwind zu untersuchen. Darüber hinaus soll in einer detaillierten sprachlichen Analyse geklärt werden, welche sprachlichen und auch sprachkomischen Verfahren Jelinek und Nestroy in ihren Stücken einsetzen, um ihre gesellschaftskritischen Anliegen sinnfällig zu machen. Zudem soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich die sprachlichen Verfahren, welche Johann Nestroy und Elfriede Jelinek für die Gesellschaftskritik nutzen, gleichen bzw. unterscheiden.
Zu diesem Zweck soll zunächst untersucht werden, welche gemeinsamen Elemente sich ganz allgemein in den Werken Jelineks und Nestroys ausmachen lassen. Nach einer kurzen Erläuterung der Entstehungsgeschichten der beiden Stücke und einer bündigen Darstellung des jeweiligen Inhalts wird sich die vorliegende Arbeit der ausführlichen Analyse der in beiden Stücken eingesetzten sprachlichen Mittel widmen, wobei insbesondere darauf Wert gelegt werden wird, durch welche Mittel der Effekt einer besonderen Eindringlichkeit der Darstellung erreicht wird.

6.6.2019

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Susanne Teutsch / Ramón Mañes: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, afinidades.

Con mi ponencia quisiera utilizar el poema mourez parmi la voix terrible de l’Amour! (verlaine) como enlace entre Jelinek y tres artistas austriacas para, por un lado contextualizar los poemas temporal y temáticamente así como, por otro lado, demostrar la labor intertextual e intermedial del proceso creativo de Jelinek.
En primer lugar me gustaría comenzar con lo que hasta ahora se ha dicho sobre los poemas de Jelinek. La autora es hoy en día más conocida por su obra épica y dramática. Sin embargo, las poesías representan su entrada en la escena literaria a finales de los años 1960. En el ensayo Schreiben müssen („Tener que escribir“) (2003) recuerda Jelinek a Otto Breicha [con motivo de su fallecimiento] – que por aquel entonces era el director de la Sociedad Austriaca Literaria [Österreichischen Gesellschaft für Literatur] –:

Le envié [a Breicha] un paquetito de poemas. Yo, aún desorientada y dando bandazos entre las posibilidades del lenguaje, así y todo había leído lírica expresionista e intentaba imitarla, sobre todo a August Stramm. Breicha supo enseguida detectar esto con esa mirada irónica y burlona suya que sobresalía por encima de la montura de sus gafas. En cualquier caso, debió de ver algo más que Stramm, Ehrenstein y Lasker-Schüler en mis insignificantes poemas (algo que, siendo sincera, yo misma todavía hoy no encuentro. A parte de imitaciones, no veo nada más).

Aunque en esta cita Jelinek menosprecia su obra lírica y la reduce a una burda imitación, al mismo tiempo está declarando el sistema de trabajo que distingue fundamentalmente su obra. Y es que Jelinek parte de la imitación para crear sus juegos inter-textuales, con los que de manera muy variada y original conecta textos, estilos, autoras y autores unos con otros.

21.11.2019

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Alemán: Susanne Teutsch: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, Verwandschaften.

Susanne Teutsch: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, Verwandtschaften.

In meinem Vortrag möchte ich anhand des Gedichts mourez parmi la voix terrible de l’Amour! (verlaine) Bezüge zwischen Jelinek und drei anderen österreichischen Künstlerinnen herstellen, um einerseits die Gedichte zeitlich und thematisch zu kontextualisieren, und andererseits Jelineks intertextuelle und transmediale Arbeitsverfahren zu demonstrieren.
Und ich möchte mit dem beginnen, was bisher über Jelineks Gedichte gesagt worden ist. Obwohl sie heute vor allem für ihr episches und dramatisches Werk bekannt ist, sind ihre Gedichte in den späten 1960er Jahren Jelineks Eintritt in die österreichische Literaturszene. In dem Essay Schreiben müssen (2003) schreibt sie über den damaligen Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Literatur Otto Breicha:

ich hatte ihm [Breicha] einen kleinen Packen Gedichte geschickt, noch total orientierungslos herumtaumelnd in den Möglichkeiten der Sprache, na, immerhin hatte ich expressionistische Lyrik gelesen und versucht, sie nachzuahmen, vor allem August Stramm, das hat mir der Breicha auch gleich nachgewiesen, mit ironisch-amüsiertem Blick über den Brillenrand, aber außer Stramm, Ehrenstein und der Lasker-Schüler muß er wohl noch etwas anderes in meinen armseligen Gedichten gesehen haben (etwas, das ich heute in ihnen nicht sehe, ehrlich gesagt, außer Nachahmungen sehe ich überhaupt nichts in ihnen).

Obwohl Jelinek ihr Werk in diesem Zitat so geringschätzig kommentiert und es auf reine „Nachahmung“ reduziert, benennt sie damit das Verfahren, das ihre Arbeitsweise grundsätzlich kennzeichnet. Die Nachahmung – das Imitieren und Kopieren – entwickelt sie zum intertextuellen Spiel, in dem sie auf vielfältige und originelle Weise Bezüge zu andere Texten, AutorInnen und Formen herstellt.

21.11.2018

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Spanisch: Susanne Teutsch / Ramón Mañes: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, afinidades.