Naemi Latzer: Polyphone Textflächen aus der theatralen Perspektive der Darstellerin

Künstlerische Bachelorarbeit

Die vorliegende Arbeit ist das künstlerische Begleitschreiben zum praktischen Teil der Bachelorprüfung einer Schauspielstudentin, die sich mit der Inszenierung des vierten Kapitels aus Elfriede Jelineks Winterreise: Ein Theaterstück auseinandersetzt. Dabei zeigt es die Schwierigkeiten und Herausforderungen, zugleich aber auch Möglichkeiten in der Arbeit mit polyphonen Textflächen.
Jelineks Theaterästhetik ist als Geschichte zunehmender Überschreitung der konventionellen Dramenkonstituenten zu beobachten und unterscheidet sich offensichtlich von klassischer Dramatik. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass Jelineks jüngste Theatertexte hauptsächlich oder gänzlich aus Textflächen bestehen, welche von den als allgemein dramatische Struktur vorgesehenen Kriterien abweichen. Auf Rollenangaben und Bestimmungen von Ort, Zeit und Handlung wird verzichtet und die Sprache in den Mittelpunkt gestellt.
Während eine Schauspielerin oder ein Schauspieler im klassischen Drama die Verkörperung einer Person zur Aufgabe hat, will Jelinek keine psychologisch agierenden Darstellungen von Menschen, die eine Geschichte mit sich bringen, ein psychologisches Innenleben besitzen und im Zuge des Theaterstückes eine Entwicklung durchmachen, sondern Schauspielende als reine Projektionsflächen für die Sprache. Doch wie wird eine Schauspielerin oder ein Schauspieler zu einem von einer Handlung losgelösten Sprachkörper? Kann und wie kann man eine polyphone Textfläche spielen? Wie nähert man sich diesem Textgeflecht?

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20.10.2017

Arati Kumari: In search of an “other” theater with Elfriede Jelinek

Dissertation

Abstract

Jelinek’s theater is a product of the complexity of the present (Gegenwart), which emerges out of human progress in different spheres of knowledge in the vast span of time and space of human history. While drawing from different sources (literature, philosophy, history, news, fiction, discourses, other mediums (like television, radio) etc.), Jelinek makes diverse rhizome, and this research work aims to work around those tubers, which link different territories to each other. This research work, which looks at Jelinek’s theater work, as a “complex whole”, is premised on the idea that Jelinek’s theater works are rhizomatic in nature. If written in a rhizomatic fashion, the writings, as they come into the contact of “other” territory, for instance, Jelinek’s theater texts, as they join the field of performance art, they make more rhizomes and hence expand the territory of a particular theater text as well as the piece of performance, which is based on the particular theater text, further. There is where an “other” aesthetic emerges and this emergence of ‘other’ aesthetics is not one time phenomenon, a new aesthetic emerges each time, the text and the performance field join each other. In other words, the deterritorialization of the territories of the literature and the theater is to be achieved in the “other” theater that Jelinek proposes. This research work aims to study the process of this “deterritorialization” in four chapters:
I. Understanding Performance, its Aesthetics and its Emergence Properties: In the first part of the proposed research work, the focus will be in understanding the theories which can be supportive towards exploration of Elfriede Jelinek’s concept of “other” theater.
II. Reading Theater in Jelinek’s Plays: This chapter will takes into account those tubers from the rhizome that Jelinek’s work creates that appear to be carrying properties for the emergence of other ways of doing theater.
III. Engagement with Elfriede Jelinek’s Texts on Theater: This chapter engages itself with Jelinek’s texts on theater and attempts to conceptualize the theater aesthetic that emerge out of her texts.
IV. Analysis of the performance of the Über Tiere and Begierde und Fahrerlaubnis : First, there will be a reading of the two theater texts, Über Tiere and Begierde und Fahrerlaubnis, which will follow with the analysis of the, performance of the texts, Über Tiere under the direction of Nicolas Stemann in 2007 in Berlin and Begierde und Fahrerlaubnis under the direction of Ulrike Ottinger in 1986 in Graz.

17.7.2017

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Patricia Heide: Die Rhetorik des postdramatischen Raumes

Seminararbeit

Ob geographische Gegebenheiten, urbane oder ländliche Settings, topologische Kulissen, kulturelle Raumvorstellungen, familiäre und öffentliche Räume, ob Literaturräume oder performative Raumkonzepte – Jelineks Die Schutzbefohlenen bietet ein breites Spektrum an multiperspektivischen Raumkonstruktionen und an unterschiedlichen raumtheoretischen Zugängen. Wer hat Zutritt zu einem bestimmten Raum und wem wird dieser verwehrt? Unterliegen Räume und damit einhergehend auch die dort lebenden und existenten Figuren kulturellen Attributionen, gesellschaftlichen Hierarchien und Zuschreibungen? Elfriede Jelinek diskutiert diese Fragen in ihrem postdramatischen ‚Flüchtlingswerk‘ Die Schutzbefohlenen kontrovers und lässt so Aspekte der Mobilität bzw. Immobilität, der Grenzakzeptanz bzw. Grenzüberschreitung, der Inklusions- und der Exklusionsprozesse sowie Aspekte der xenophoben Stimmen und Gruppierungen relevant werden. Sie konstruiert dabei sowohl architektonische, abstrakte als auch exklusive Räume und vernetzt sie geschickt miteinander, sodass Jelinek eine eigene postdramatische Raumkonzeption entwirft, die in Analogie zu den Raumtheorien Hans-Thies Lehmanns und Erika Fischer-Lichtes betrachtet werden kann. Die Arbeit stellt zunächst deren postdramtische Raumkonzepte vor, bevor Analysen des Raumes in Die Schutzbefohlenen hinsichtlich der Architektur, der Abstraktion, der Exklusivität sowie der Intertextualität angestellt werden.

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1.6.2017

Kathrin Schaber: Haider scheibchenweise oder: Den Trümmern auf der Spur

Bachelorarbeit

Die vorliegende Arbeit fokussiert auf die verschiedenen Teilaspekten, die Jelinek bei
der Sektion der fiktiven Haiderfigur im Lebewohl zum Vorschein bringt. Die Vorlage
des Kärntner Politikers wird dabei als Mythologem für die Mythenkomplexe im
Zusammenhang einerseits mit Heimat und andererseits mit Sexualität gesehen. Ziel
dieser Arbeit ist es, als eine Art Vergrößerungsglas auf den Mythenkadaver Haider
zu blicken und dabei freizulegen, welche Teilebenen Jelinek im Zuge ihrer
dekonstruktivistischen Vorgangsweise im Lebewohl bespielt und welche Strategien
dabei zum Einsatz gelangen. Dabei wird insbesondere Jelineks Verfahren der
Entmythologisierung, das auf Roland Barthes zurückgeht 1), vordergründig betrachtet.
Im Zusammenhang mit den Teilaspekten des Mythos Sexualität setzt sich Jelinek im
Lebewohl mit Aspekten der Verführung auseinander, die sie auf unterschiedliche
Weise an realgeschichtliche Personen und Ereignisse anbindet, um ihren Ersatz-
Haider als Abziehbild eines homophilen Casanovas zu destruieren. Daneben
konstruiert Jelinek (Zerr-)Bilder der Versuchung, die sie letztlich in den Dienst
sexueller bzw. geschlechtlicher Ambivalenz stellt.
Jelinek bemüht im Lebewohl ebenso die Schnittstelle zum Mythenkomplex Heimat
und entlarvt den Monologsprecher als (Un-)Schuldslamm im Wolfspelz. Der
homoerotischen Komponente setzt sie einen ordentlichen Verfechter (r)echter Werte
entgegen und deformiert den Mythos Haider schließlich als reumütigen Heuchler im
Büßerhemd.

1) Vgl. Sander, Margarete: Textherstellungsverfahren bei Elfriede Jelinek. Das Beispiel „Totenauberg„. Würzburg: Königshausen und Neumann 1996. S. 14.

12.5.2017

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Svenja Leymann: Kritik der Vielen. Perspektivenwechsel und dekonstruktive Berichterstattung in Elfriede Jelineks „Rechnitz (Der Würgeengel)“

Bachelorarbeit

In ihrem Theatertext Rechnitz (Der Würgeengel) erschafft Elfriede Jelinek ein diverses Gemenge an Botenfiguren, welche sich in ihren Sprechrollen rapide abwechseln. Die einzelnen Stimmen lassen sich dabei kaum noch unterscheiden und fließen an vielen Stellen zu konträren und widersprüchlichen Aussagen zusammen, sodass weder die Sprecherinstanzen, noch die jeweiligen Perspektiven einer einheitlichen Ordnung unterworfen zu sein scheinen. Somit entsteht in der Ganzheit ein Theatertext, in welchem die literarische Verarbeitung der Geschehnisse des Massakers von Rechnitz im März 1945 offenbar aus verschiedensten Blickwinkeln erwirkt werden sollte.

In der vorliegenden Bachelorarbeit soll versucht werden, durch die Analyse der verwendeten Sprecherinstanzen und Perspektivenwechsel zu belegen, dass dieses Vorgehen von Jelinek als Mittel dekonstruktiver Berichterstattung verwendet wurde, mithilfe welcher die Autorin Kritik an einer subjektiven Geschichtsschreibung üben möchte. Hierzu erfolgt eine zentrierte Konzentration auf die Instanzen „Täterschaft“, „sekundäre Zeugenschaft“, „Medien und Berichterstattung“ sowie „abwesende Opferstimmen“. Diese werden in den Kontext der dekonstruktiven Berichterstattung gestellt und es soll aufgezeigt werden, dass mit deren Verwendung (I) die Divergenz moralischer Instanzen aufgezeigt, (II) Kritik am Anspruch „wahre Geschichtsschreibung“ geübt sowie (III) die Zerstörung einer linearen Zeitauffassung erwirkt werden soll.

12.5.2017

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Karolin Baumann: Das gleichzeitige Ungleichzeitige. Verfahren der Geschichtsdekonstruktion in Elfriede Jelineks Botenbericht „Rechnitz (Der Würgeengel)“

Seminararbeit

„Ohne die Geschichte gäbe es die Boten nicht. Ohne Boten, ohne ihr unaufhörliches Sprechen, […] gäbe es die Geschichte nicht.“ 1) In ihrem postdramatischen Botenbericht Rechnitz (Der Würgeengel), 2008 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt, tritt eben jenes dekonstruktivistische Geschichtskonzept Elfriede Jelineks abermals deutlich zutage: Sprache und Sprechen fungieren gleichermaßen als Konstrukteure und Destruenten von Vergangenheit und Erinnerung. Anhand dieses Ausgangspunktes fokussiert die vorliegende Arbeit die These, dass die Autorin die zu Wort kommenden Botinnen und Boten in ihrem Theatertext als Prototypen eines dekonstruktiven Zwischenraums konzipiert. Die reflektierte Fortschreibung einerseits und ironisierte Modifikation der Strategien des antiken Botenberichts andererseits werden dabei zum allegorischen Thema des Textes: Stimmen aus dem Heute und Damals, kalibriert durch die Botenrede, werden als Verweis auf die Unmöglichkeit des angemessenen Sprechens über Kriegsverbrechen und Völkermord variiert. Aus diesen Sprechweisen resultiert nicht nur die Infragestellung von Handlungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der berichtenden Botinnen und Boten, sondern auch die Auflösung eines klassisch-dramatischen Zeitkontinuums und die Verwischung dichotomer Kategorien wie Wahrheit und Lüge, Tugend und Boshaftigkeit, Moral und Verbrechen. Das polyphone Stimmgeflecht aus Täter-, Zeugen- und Nachgeborenenpositionen sowie die Parallelisierung mannigfacher Diskurse aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lassen ein alternatives, resignatives Konzept von Historizität entstehen.

1) Jelinek, Elfriede: Gesprochen und beglaubigt. Dankesrede zur Verleihung des Mülheimer Dramatikerpreises 2009. In: Janke, Pia / Kovacs, Teresa / Schenkermayr, Christian (Hg.): „Die endlose Unschuldigkeit“: Elfriede Jelineks Rechnitz (Der Würgeengel). Wien: Praesens 2010 (= Diskurse.Kontexte.Impulse. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums. Bd. 6), S. 453–455, hier S. 453.

20.4.2017

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Florian Heilinger: Kannibalismus als Motiv und Metapher in „Präsident Abendwind“ von Elfriede Jelinek

Bachelorarbeit

Anthropophagie, also der Verzehr von menschlichem Fleisch, stellt seit Menschengedenken einen der unsäglichsten Tabubrüche abendländischer Gesellschaften dar. Diente der Vorwurf der „Menschenfresserei“ üblicherweise zur Abgrenzung der eigenen, „zivilisierten“ und damit überlegenen Gesellschaft gegenüber den „Wilden“, so kann hinter solch einem bloßen Distanzierungsversuch oftmals noch weit mehr verortet werden. Wenn sich Elfriede Jelinek nun in ihrem Theaterstück aus dem Jahr 1988 in Sachen Handlungsverlauf und Sprachduktus durchaus bemerkenswert an die Vorlage Häuptling Abendwind von Johann Nestroy anlehnt und bereits bei Nestroy das Motiv des Kannibalen und die mit ihm verbundene Verwendung als Metapher nicht zufällig gewählt war, so treibt Jelinek dieses Spiel nochmals auf die Spitze. So offenbaren sich, unter der Prämisse einer historisch-kontextualisierten Betrachtungsweise, unter der „Hülle“ des Kannibalen in Präsident Abendwind und seiner einfältig-polemisierenden Wesensart scharfe Kritik an vorherrschender Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, Wert- und Moralvorstellungen bezogen auf ebenjene und nicht zuletzt auch ein überaus deutliches Unbehagen gegenüber dem Ausgang einer zeitnah zum Erscheinen des Stücks erfolgten Österreichischen Bundespräsidentschaftswahl.

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20.4.2017