Elfriede Jelinek kritisiert in ihren Werken häufig die mangelnde Aufarbeitung der österreichischen Geschichte – so auch in ihrem Theatertext Rechnitz (Der Würgeengel), in dem sie sich auf das Massaker an rund 200 jüdischen Zwangsarbeitern im März 1945 im Ort Rechnitz bezieht, das nach wie vor nicht adäquat aufgearbeitet ist. Jelinek verarbeitet die geschichtlichen Ereignisse und ihre mediale Vermittlung in Form eines Botenberichts. Die vorliegende Arbeit analysiert Rechnitz (Der Würgeengel) aus Perspektive der Hantologie, einem Forschungsfeld, das verschiedene Arten der Heimsuchung, unter anderem geschichtlicher Natur, analysierbar macht. Neben dem Aufbrechen einer linearen Zeitkonzeption sowie einem damit verbundenen unabgeschlossenen Geschichtsbegriff ist das Motiv der Verdrängung in Jelineks Text zentral. Die Analyse konzentriert sich daher auf drei sprachliche Verfahren, die von den Bot:innenfiguren angewandt werden, um die historischen Ereignisse zu verdrängen oder zu verharmlosen: erstens die Unzuverlässigkeit der Bot:innen durch die Verwendung vermittelter Perspektiven, zweitens die Entmenschlichung der Opfer des Massakers und die gleichzeitige Vermenschlichung der Geschichte selbst und drittens die Zurückweisung der Verantwortung durch die Bot:innen. Trotz dieser Verdrängungsverfahren werden die historischen Ereignisse jedoch sichtbar gemacht, etwa durch Wiederholungen oder das explizite Ausstellen der Sprache der Täter:innen. Aus diesem Grund argumentiere ich in der vorliegenden Arbeit, dass dieses Emporkommen der Geschichte als Form der Heimsuchung gelesen werden kann.
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Lena Friedrich: Die Beiden: Eine Qualitative Inhaltsanalyse von Jelineks Fassungen (2000 & 2025) ihres Werks „Das Lebewohl“
Die vorliegende Seminararbeit untersucht Elfriede Jelineks Theatertext „Das Lebewohl“ als ein offenes, revisionsfähiges Werk, das in engem Zusammenhang mit konkreten politischen Umbrüchen in Österreich steht. Ausgangspunkt bildet die ursprüngliche Fassung von 2000, die unmittelbar auf den Rückzug Jörg Haiders aus der Bundespolitik reagiert und dessen rhetorische Selbstinszenierung in einer sprachlich übersteigerten Monologstruktur reflektiert. In späteren Überarbeitungen, insbesondere in der Neufassung „DAS LEBEWOHL – nein: DIE ANKUNFT“ (2025), transformiert Jelinek den Text weiter und verschiebt dessen semantische Ausrichtung vom Abschied hin zur Idee einer fortdauernden politischen Präsenz.
Vor diesem Hintergrund analysiert die Arbeit die Textrevision als literarische Strategie, die politische Entwicklungen nicht nur begleitet, sondern ästhetisch kommentiert. Im Zentrum steht ein systematischer Parallelvergleich der Fassungen von 2000 und 2025, wobei die Zwischenfassung „Das Kommen“ als wichtige, jedoch nicht im Fokus stehende Transformationsstufe berücksichtigt wird.
Die leitende Forschungsfrage lautet, wie Jelinek die ursprünglichen Textstrukturen in der Neufassung verändert und inwiefern diese Transformation als Kommentar zum Wandel rechtspopulistischer Diskurse in Österreich gelesen werden kann. Methodisch basiert die Untersuchung auf einer qualitativen, textnahen Inhaltsanalyse, die sich auf ausgewählte Passagen konzentriert und insbesondere rhetorische Verfahren wie Sprecherpositionen, Pronomengebrauch, Wiederholungsstrukturen sowie semantische Verschiebungen untersucht. Ergänzend werden politische Kontexte der Jahre 1999/2000 und 2024/25 herangezogen, um die literarischen Transformationen im Spannungsfeld zwischen Haider und Kickl zu verorten.
Die Analyse zeigt, dass Jelinek zentrale Muster populistischer Rhetorik, etwa die Selbstinszenierung des Sprechers, kollektive Identitätskonstruktionen und Opfer-Täter- Inversionen, in beiden Fassungen aufgreift, jedoch unterschiedlich akzentuiert. Während die Fassung von 2000 stark auf die charismatische Ich-Zentrierung einer Führerfigur fokussiert, verschiebt die Neufassung den Schwerpunkt hin zu einer strukturellen, systembezogenen Rhetorik und einer Semantik der fortgesetzten Machtbehauptung.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Jelineks Textrevision als literarisches Verfahren fungiert, das politische Sprachmuster über Zeit hinweg sichtbar macht und kritisch reflektiert. „Das Lebewohl“ erscheint somit nicht als abgeschlossener Text, sondern als dynamisches Werkgefüge, in dem sich der Wandel rechtspopulistischer Diskurse exemplarisch nachvollziehen lässt.
Jakob Buurman: Das Heimliche und Unheimliche in Burgtheater (1982) und Heimkehr (1941)
Die Uraufführung von Burgtheater (1982) löste eine ‚dreifache Kränkung‘ der österreichischen Nachkriegsidentität aus. Betroffen waren die Nationalhelden Paula Wessely und Attila Hörbiger, das Burgtheater als kulturelle Institution und damit verbunden die österreichische Opferthese. Während Paula Wessely als österreichische Ikone in Schutz genommen wurde, wurde Elfriede Jelinek als heimatschädliche ‚Nestbeschmutzerin‘ diffamiert. Die vorliegende Arbeit untersucht angesichts dieses Spannungsfelds das Verhältnis von Heimlichem und Unheimlichem in Elfriede Jelineks Theaterstück Burgtheater vor dessen intertextuellen Folie des NS-Propagandafilms Heimkehr (1941) mit Paula Wessely. Im Zentrum steht die These, dass Jelinek die in Heimkehr etablierten Muster des ‚Heimlichen‘ aufgreift und sie in Burgtheater in ihr unheimliches Gegenteil verkehrt, um die verdrängte und überwunden geglaubte nationalsozialistische Vergangenheit als Fundament der Gegenwart bloßzulegen.
Unter der Zuhilfenahme vierer zentraler Analysekategorien (Kastrationsangst, Doppelgängertum, Animismus und Wiederholung des Gleichartigen) aus Sigmund Freuds Aufsatz Das Unheimliche (1919) werden sowohl Film als auch Theaterstück analysiert. Heimkehr eröffnet sich unter diesem Zugriff als ein besonders ‚heimischer‘ Film: Kastrationserfahrungen affirmieren die Bindung an die deutsche Heimat, Inszenierung und Spielweise verschmelzen Figur, Darstellerin und Privatperson in eine scheinbar natürliche Einheit, auf Basis des Animismus werden Nation und Territorium naturgegeben gedacht und in Wiederholungen wird eine vermeintlich natürliche Heimat beschworen.
Jelineks Burgtheater kehrt diese Kategorien in ihr unheimliches Pendant um: Die Kastrationsangst wird als existenzielle Bedrohung des nationalen Selbstverständnisses erfahren, die Figuren zerfallen in polyphon-doppelgängerische Sprachflächen, der animistische deutsche Boden wird ins Fäkale gekehrt und in Wortneuschöpfungen, die an die Wiederholung bekannter Worte erinnern, tritt ihr gewalttätiger Charakter hervor.
Indem Jelinek die ‚heimischen‘ Muster des Films unheimlich macht, stellt sie die Grundlage des österreichischen Nachkriegsselbstverständnisses in Frage. Der Skandal um Burgtheater erweist sich aus dieser Perspektive als Reaktion auf eine unheimliche Wiederkehr des Verdrängten.
Moritz Kai Andreas: Die Schwierigkeit der Ironie angesichts „der Verdopplung der Welt“. Elfriede Jelineks „reinGOLD. ein bühnenessay“
Elfriede Jelineks Schreiben gilt als subversives, mithin politisches und engagiertes Schreiben. Doch wie kann in gesellschaftlichen Verhältnissen engagiert geschrieben werden, in denen jede Möglichkeit eines Widerspruchs gegen diese destruiert scheint? In Verhältnissen also, gegen die der Wunsch nach Veränderung ohnmächtig wie hoffnungslos anrennt und damit selbst widersprüchlich wird. Jelineks Schreiben ist sich diesem Scheitern bewusst und versucht nicht, es zu überwinden, indem es sich diesem abstrakt-moralisierend entgegensetzt. Vielmehr verfährt es dadurch, dass es dieses Scheitern durch die Form des Textkunstwerks vermittelt und damit selbstreflexiv thematisiert und inszeniert. Durch dieses Ausstellen des Widerspruchs zwischen Anspruch und Wirklichkeit gründet das Schreiben in einem „ironischen Trotzdem“ (Sebastian Weirauch). Ironie kann mit Sokrates als eine Form begriffen werden, in der die „Verdopplung der Welt“ (T. W. Adorno), und das heißt Ideologie, wiederum verdoppelt und so gespiegelt wird. Dahingehend ist Ironie eine negative, kritische Form, dass sie immanent verfährt. Der subjektive Ausdruck der (ideologischen) Verdopplung: die sich in den Phrasen und dem Bescheidwissen selbstaussprechenden Verhältnisse sind ihr Gegenstand und Material. In dessen Montage soll die Wahrnehmung der LeserInnen irritiert werden. Die Verhältnisse sind aber nicht nur Gegenstand, sondern auch die Bedingung der Ironie beziehungsweise des Wahrnehmungshintergrundes der Ironikerin selbst, die – wie jede/r Kritiker/in – nicht über die Verhältnisse, die sie verändern will, hinaus ist. Indem die Sprache sowohl Gegenstand als auch Bedingung der Ironie ist, ist diese schwierig. Und es ist diese Schwierigkeit des subversiven Schreibens, die selbst schwierig wird: Die ironische Inszenierung des Widerspruchs zwischen Anspruch und Wirklichkeit droht selbst noch einmal schwierig zu werden. Darin droht sie nicht mehr nur selbstreflexiv-irritierender Prozess zu sein, sondern in Identifikation, und das heißt Wiederholung zu kippen. Gradmesser des identifikatorischen Moments ist dabei die Rezeption, die die engagierte Intention partiell fetischisiert und dahingehend das Verhältnis von Material und Gehalt beschneidet. Exemplarisch liegt die so skizzierte Schwierigkeit in reinGOLD. ein bühnenessay (2013) vor. Hier wird die Schwierigkeit des Schreibens, und das heißt der Zusammenhang von Politik und Kunst in die Konstellation zweier Intertexte gebracht: Richard Wagner und Karl Marx, Ring und Kapital treten in einen Dialog. Dieser entfaltet sich zwischen der Revolution von 1848 und dem Horizont der Krise von 2008ff, die als Bühne fungiert. So trifft der Zusammenhang von Politik und Kunst auf den von Krise und Kritik.
Andreas Marksteiner: Die symbolische Vergewaltigung der Gottesmutter Maria – Eine Analyse der Sexualisierung christlicher Symbole und Motive in Elfriede Jelineks Roman „Lust“ (1989)
Bachelorarbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Elfriede Jelineks Roman Lust (1989) im Hinblick auf christlich-religiöse Motive, insbesondere im Zusammenhang mit sexueller Gewalt innerhalb der Institution der Ehe. Obwohl der Text bislang vornehmlich als feministische Auseinandersetzung mit männlicher Macht und weiblicher Unterdrückung rezipiert wurde, lässt auch dieses Werk eine Lesart zu, welche den Jelineks Gesamtwerk durchziehenden religionskritischen Diskurs in den Vordergrund rückt.
Ziel der Arbeit war es, mithilfe einer möglichst textnahen Analyse sprachlicher Mittel und intertextueller Referenzen aufzuzeigen, inwiefern Jelinek gängige Geschlechterbilder und in der Religion verankerte Symboliken aus ihrem eigentlichen Sinnzusammenhang löst und dekonstruiert. Ausgangspunkt ist die Betrachtung der Ehe als von der christlich-katholischen Gesellschaft gestützte Struktur, die im Roman als Rahmen für Gewalt und Erniedrigung fungiert. Im Fokus stehen in der Folge die Metapher des Lichts sowie der Begriff der Transsubstantiation, die im Text in einen dezidiert sexualisierten Kontext überführt werden.
Eine Analyse des Textes zeigt, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau innerhalb der Ehe wird auf ein simples Herr-Knecht-Verhältnis reduziert wird. Jelinek unterläuft gezielt christliche Sinnbilder und liturgische Terminologie, um patriarchale Machtmechanismen offenzulegen. Darüber hinaus lässt sich die im Roman entfaltete Dreieckskonstellation von Mann, Frau und Kind als Spiegelbild der in der christlichen Heilsgeschichte verankerten Triade von Gott, der Jungfrau Maria und Jesus Christus interpretieren. Die so im Kern des Romans stehende Gottesmutter als Opfer sexueller Gewalt sowie als stillschweigende Mittäterin offenbart eine radikale Kritik am Frauenbild der katholischen Kirche.
Doris Prachinger: Elfriede Jelineks Österreichbild im Wandel
Masterseminararbeit
In der vorliegenden Arbeit geht es um das Österreichbild bei der Autorin Elfriede Jelinek in den folgenden vier ihrer kurzen essayistischen Texte, von denen jeder aus einem anderen Jahrzehnt stammt, sodass sie einen Zeitraum von den 1990ern bis zu den 2020ern abdecken:
- Die Österreicher als Herren der Toten (1992) / Wir Herren der Toten (1995)
- Österreich. Ein deutsches Märchen (2002)
- Oh, du mein Österreich! Da bist du ja wieder! (2018)
- Der Atem-Automat (2024)
Österreich ist in jedem dieser Texte ein Thema und für Jelineks Auseinandersetzung mit Österreich ist stets die Politik des Staates zentral, insbesondere die FPÖ mit ihrem Rechtspopulismus. Jelineks Auseinandersetzung mit der FPÖ führt zu einem kritischen Begriff von Österreich: Das ist die These für diese Arbeit und sie kann nach einer Analyse der Texte belegt werden, denn in jedem der vier Texte zu Österreich wird die rechtspopulistische Politik der FPÖ als ein schlechter Einfluss auf die österreichische Gesellschaft thematisiert.
Über die Texte hinweg findet eine Auseinandersetzung mit den Strategien der FPÖ statt. Im Zentrum des ältesten Textes steht Othering, im folgenden Text ist der Umgang mit Macht ein wichtiges Thema, im danach verfassten Text geht es um konkrete Beschlüsse einer Regierung mit FPÖ-Beteiligung und Beeinflussung der öffentlichen Meinung und der zuletzt erschienene Text ist schließlich eine Bearbeitung des typischen Narrativkomplexes, mit dem unter anderem die FPÖ ihre Wählerschaft ködert.
Im Laufe der Jahrzehnte reagiert Jelinek in ihren Beobachtungen zu Österreich auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Diese Arbeit verfolgt demnach die Forschungsfrage: „Welche Entwicklung nimmt Jelineks Auseinandersetzung mit Österreich?“
Theresa Spielmann: Posthumous Dramaturgies: Modes of Eco-Grief and Queer Death in Performance (Arbeitstitel)
Dissertation
Abstract (Deutsche Version)
Dieses Projekt untersucht die Präsenz des Posthumen in Ökotheater und die Bewegung in Theater und Performance hin zu posthumen Dramaturgien. Dieser Wandel geht auf die Entwicklung des postdramatischen Theaters (Lehmann, 2006) und später posthumanistischer Bewegungen (Stalpaert et al.) zurück und ist eine Reaktion auf ökologische Krisen und sich abzeichnende Enden wie Massenaussterben, kulturelle Enden, planetarischen Tod, Trauer und die Endlichkeit der Menschheit. Aufstrebende Felder wie Extinction Studies (Rose et al., 2017), Critical Life Studies (Weinstein und Colebrook, 2017) und Queer Death Studies (Radomska et al., 2019) unterstreichen diesen Trend hin zu Enden. Innerhalb dieser Bereiche konzentriert sich diese Forschung auf das Fortbestehen des Todes und begreift das Posthume als jenes, was aus dem Tod hervorgeht und sowohl das Lebenden als auch das Tote belebt. Das Projekt untersuch anhand von Arbeiten der Theater- und Performancekünstlerinnen Melissandre Varin, Sara Manente, Silke Huysmans und Hannes Dereere und Elfriede Jelinek (Asche), wie Künstlerinnen, motiviert durch (ökologische) Krisen, dramaturgische Methoden und Trauerformen entwickeln, die menschlichen Exzeptionalismus und die Binärität von Leben/Tod und Natur/Kultur in Frage stellen.
Abstract (English Version)
This project explores the presence of the posthumous in eco-theatre and the movement in theatre and performance towards posthumous dramaturgies. Stemming from the development of postdramatic theatre (Lehmann, 2006) and later posthumanist movements (Stalpaert et al., 2021), this shift responds to ecological crises and emerging ends such as mass extinction, cultural endings, planetary death, grief, and the finitude of humanity. Emerging fields such as extinction studies (Rose et al., 2017) critical life studies (Weinstein and Colebrook, 2017) and queer death studies (Radomska et al., 2019) highlight this trend towards endings. Within the wider field of ends this research focuses on the ongoingness of and after death, grasping the posthumous as that which emerges death and animates both the living and the dead. The project will investigate, through analysing works by theatre and performance artists Melissandre Varin, Sara Manente, Silke Huysmans and Hannes Dereere and, Elfriede Jelinek (Asche), how artist, motivated by (ecological) crises, develop dramaturgical methods and modes of grieving that challenge human exceptionalism, life/death and nature/culture binaries.
17.1.2025
Informationen zu Theresa Spielmann
Jakob Ilakovac: Drama der Untoten/Untote Dramatik
Die Arbeit widmet sich dem Stück Krankheit oder Moderne Frauen, um dieses auf Elemente zu untersuchen, die im postdramatischen Traditionszusammenhang stehen. Das Ziel ist es, festmachen zu können, welche dieser Elemente sich radikalisieren. Dafür werden zwei weitere Stücke – namentlich handelt es sich dabei um Burgtheater und Wolken.Heim – herangezogen, die als Vergleiche fungieren werden. Um Postdramatik in ihrem Wesen zu erfassen, wird dabei insbesondere mit Hans-Thies Lehmanns wegweisender Schrift Postdramatisches Theater gearbeitet.
Patrycja Bogdańska: Ein Raum, der zur Leinwand der Innerlichkeit wird
Der Artikel konzentriert sich auf der Frage, wie es Frauen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten, gelungen ist, in ihrer Literatur zu Wort zu kommen. Der Beitrag stellt den Versuch dar, die von Autorinnen geschaffene Schreibmethode näherzubringen – die Methode, die ihnen die Möglichkeit verschaffte, das eigene „Ich“ zu offenbaren und sich aus dem Schweigen zu befreien. Es wird eine Analyse durchgeführt, die sich auf die Rolle von „Schreibräumen“ und Alltagsgegenständen im weiblichen Schreiben konzentriert – mit besonderem Schwerpunkt auf die metaphorische Wand, die der Schlüssel zum Verständnis ausgewählter Frauentexte zu sein scheint. Einen wichtigen Punkt dieser Analyse bildet die philosophische Auseinandersetzung mit der Philosophie der Gegenstände, die von Vilém Flusser und von Gaston Bachelard konzipiert wurde.
Merle Proll: Gewalt und Geschlecht in Elfriede Jelineks „Burgtheater“
„Burgtheater“ ist ein Vieles, ein Skandalstück, ein Identitätsstück, ein Volksstück und damals wie heute höchst politisch. Die Veröffentlichung 1982 setzte eine regelrechte negative Aufladung des Namens der Autorin Elfriede Jelinek in Gang, die letztendlich in der Betitelung der „Nestbeschmutzerin“ mündete. Mit nur zwei Inszenierungen endete die Aufführungsreihe, bis heute ist das Theaterstück von Jelinek selbst gesperrt.
In „Burgtheater“ befasst sich Jelinek mit der nicht Aufgearbeiteten Geschichte des zweiten Weltkriegs in Österreich und liefert einen Fingerzeig auf die daraus resultierenden immer noch vorhandenen nationalsozialistischen Ideologien in der zeitgenössischen Gesellschaft. Mit Rückgriff auf österreichische Traditionen wie Nestroy und Raimund kritisiert sie anhand einer bekannten Burgtheater-Schauspielerinnenfamilie den vorherrschen Theaterkult der Menschenbildnerinnen und die Involviertet von Schauspieler*innen während der NS-Zeit, die unter dem Deckmantel der Kunst nach dem Krieg weiter arbeiteten, ohne dabei jemals zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.
Dafür montiert Jelinek Zitate aus Biografien, literarischen Werken und besonders Filmen der Kriegs- und Nachkriegszeit. Hinter jedem Satz im Stück verbürgt sich ein Abgrund. Jelinek liefert Beweise einer anhaltenden Durchzogenheit von NS-Propaganda und stellt sie im Visuellen und Sprachlichen bloß.
Unter der dauerhaften Präsenz von körperlicher und sprachlicher Gewalt, die eine Brutalität zeitloser Zeit darstellen soll, wird sich in dieser Arbeit besonders auf den Zusammenhang von Gewalt und dem weiblichen Geschlecht konzentriert. Dass Jelineks Werk durchzogen ist von feministischen Ansätzen, ist allgemein bekannt. Wie sich diese allerdings in Form von gewalttätigen Frauen äußern kann, wird in dieser Arbeit diskutiert. Hinzu kommt eine Analyse von einem Bild der Frau, das im Damals, Heute und Dazwischen von struktureller Gewalt durchsetzt ist.
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