Anna Brandewiede: Doppelter Vampirismus. Die Kommensurabilität eines weiblichen Autors in Elfriede Jelineks „Krankheit oder moderne Frauen“

In Jelineks Theatertext Krankheit oder moderne Frauen. Wie ein Stück spielen weibliche Vampire eine tragende Rolle: Von den vier Figuren, die dort auftreten, sind zwei, Emily und Carmilla weiblich konnotiert. Emily ist eine lesbische Vampirin. Ihr Name ist eine Hommage an Emily Brontë. Der Name Carmillas, der anderen weiblichen Figur, erinnert indessen an den lesbischen Vampir aus Sheridan Le Fanus gleichnamigen Roman.

Die vorliegende Arbeit geht davon aus, dass der Text anhand des Vampirismus die (Selbst-)Repräsentation von Weiblichkeit inszeniert. Es wird zu zeigen sein, dass der Vampirismus hier einher mit dem von Jelinek diagnostizierten Zwischenleben weiblicher Autoren, die niemals ganz da und niemals ganz weg seien. Dies verbindet sich mit dem Vampir, wenn er als Formel eines Typs betrachtet wird, dessen Funktionieren darin besteht, dass man ihm nicht hinter sein Geheimnis kommt. Dieser Rest, der nicht in der Repräsentation „des Weiblichen“ aufgeht, ist mittelst Eva Meyers Semiotik des Weiblichen herauszuarbeiten, die Derridas Dekonstruktion mit Kybernetik nach Gotthard Günther verknüpft. So kann das dem hier untersuchten Text eigene Ringen nach Repräsentation der Unmöglichkeit „weiblicher“ (Selbst-)Repräsentation anhand der Figur des Vampirs nachverfolgt werden.

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