Uta Degner: Die Erfindung des Unmöglichen. Zur Logik ästhetischer Innovation in deutschsprachiger Prosa des 20. Jahrhunderts (Kafka, Brecht, Jelinek)

Habilitation (Konzept)

Ziel des Projekts ist die Rekonstruktion ästhetischer Innovationslogiken in deutschsprachigen Prosatexten des 20. Jahrhunderts. Anhand dreier Fallstudien – Franz Kafka, Bertolt Brecht und Elfriede Jelinek – sollen die „Erzeugungsformeln“ (P. Bourdieu) der künstlerischen Produktion detailliert analysiert und im Kontext des zeitgenössischen literarischen Feldes verortet werden.
Als methodische Basis dient die vom französischen Soziologen Pierre Bourdieu entwickelte Kultursoziologie, welche es erlaubt, die Eigendynamik künstlerischer Praxis mit dem Status Quo des literarischen Feldes in Beziehung zu setzen. Ihrzufolge ist Innovativität nicht aus sich selbst heraus zu bestimmen, sondern immer nur im relationalen Verhältnis zur Gesamtheit je zeitgleich existierender ästhetischer Positionen. Der dadurch konstituierte ‚Raum des Möglichen‘ stellt die Folie dar, vor und auf der literarische Erfindungen sich allererst konturieren und gegen die sie sich– intentional oder nicht – richten, um sie zu überwinden, um selbst eigene ‚Regeln der Kunst‘ zu definieren und durchzusetzen.
Die behandelten Prosatexte werden genauen „close readings“ unterworfen, um eine möglichst präzise Beschreibung der ästhetischen Verfahrensweisen zu leisten; aber auch außertextuelle Formen autorschaftlicher ‚posture‘ (J. Meizoz) – wie öffentliche Auftritte, Präsenz in den Medien u.ä. – spielen bei der Bestimmung der autorschaftlichen Positionierungen ebenso eine Rolle wie die soziale Feldposition der Akteure.
Am Ende des Projekts soll ein genaueres Verständnis von den Möglichkeitsbedingungen der ästhetischen Spielräume deutschsprachiger Prosatexte im 20. Jahrhundert stehen.

13.12.2013

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