Cornelia Wech: Pushing at Boundaries and Challenging Normativity in the Writing of Elfriede Jelinek, Elisabeth Reichart and Charlotte Roche

Dissertation

Abstract

Diese Dissertation beschäftigt sich mit Normativität im Werk der deutschsprachigen Autorinnen Elfriede Jelinek, Elisabeth Reichart und Charlotte Roche. Obwohl die drei Autorinnen nicht nur unterschiedlichen Generationen angehören, sondern auch verschiedenen professionellen und künstlerischen Hintergründen entstammen, eint ihr Werk die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau und weiblicher Identität in unserer Gesellschaft. Gerade weil sich Jelinek, Reichart und Roche auf unterschiedliche Weise mit der Verbindung zwischen Identität, Sprachgebrauch und Machtstrukturen beschäftigen, verspricht eine komparative Analyse ihrer Werke zu veranschaulichen, wie normatives Denken auf verschiedenen Wegen aufgebrochen werden kann.
Theoretische Grundlage der Dissertation ist die Annahme, dass Gender, Sexualität und Identität keineswegs essentialistische, natürliche Kategorien sind, sondern performativ hergestellt werden und dabei einer ganzen Reihe von sozialen, kulturellen und politischen Normen unterliegen. Nach Judith Butler werden Gendernormen performativ durch sprachliche und körperliche Akte reproduziert, was bedeutet, dass diese wiederum durch genau diese Akte destabilisiert werden können. Verstehen wir Literatur und den einzelnen Text selbst als performatives Medium, kann gezeigt werden, wie literarische Werke Gendernormen sichtbar machen und kritisieren.
Unter der Berücksichtigung von Performativitäts- und Performancetheorie werden daher einerseits ausgewählte Texte der drei Autorinnen analysiert, die sich sowohl thematisch mit gender- und geschlechtsspezifischen Fragen auseinandersetzen, als auch ästhetische Konventionen aufbrechen. Das passiert beispielsweise im Überschreiten von narrativen Grenzen oder in der Schwierigkeit, sie einem bestimmten Genre zuzuordnen. Andererseits wird auf die unterschiedlichen Kontexte der Publikationen und deren Rezeption in Medien und Wissenschaft eingegangen, um nachzuvollziehen, wie die Texte selbst als kulturelle Äußerungen die Realität, in der sie produziert wurden, reflektieren. Hinterfragt wird hierbei zudem, inwieweit sich die Autorinnen in ihrem Werk mit feministischen, psychoanalytischen und literarischen Theorien und Traditionen auseinandersetzen bzw. sich davon distanzieren.
Es wird davon ausgegangen, dass Texte nicht nur den Kontext, in dem sie produziert wurden, reflektieren, sondern auf unterschiedliche Weise Einfluss auf die Leser/innen haben. Ziel dieser Dissertation ist daher, sichtbar zu machen, wie die Werke Jelineks, Reicharts und Roches Normen nicht nur aufzeigen und kritisieren, sondern eine Art Intervention darstellen, die den Leser/innen Raum für Reflektion und Hinterfragen der Normen in ihrer eigenen Realität geben.

19.2.2018

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