Franz Hintereder-Emde: Schneewittchen in der Literatur des 20. Jahrhunderts

Aufsatz

Abstract

Anlässlich des 200-jährigen Erscheinungsjubiläums der Kinder- und Hausmärchen von den Gebrüdern Grimm im Jahr 2012 fand insbesondere Schneewittchen vermehrte Aufmerksamkeit. Im Rahmen eines Projekts zum Thema Hohe und niedere Literatur habe ich mich mit unterschiedlichen Verfilmungen davon beschäftigt. Schneewittchen wurde aber auch in der Literatur bereits früher mehrfach adaptiert.
In meinem Projekt Schneewittchen in der Literatur des 20. Jahrhunderts beschäftige mich mit den unabhängig voneinander entstandenen Schneewittchen-Bearbeitungen folgender Autoren: mit Robert Walser (1878-1956), mit dem Amerikaner Donald Barthelme (1931-1989), mit der amerikanischen Lyrikerin Ann Sexton (1928-1974) und schließlich mit Elfriede Jelinek (1946-).
Ausgangspunkt ist das Dramolett Schneewittchen von Robert Walser, das 1901 in der Zeitschrift die Insel erschienen ist. Hier wird ein reflektierend-argumentierendes Schneewittchen gezeigt, das den Verlauf des Märchens aus der Bahn wirft. Das Novum besteht darin, der stereotypen Prinzessinnenfigur psychische und reflexive Züge zu verleihen. In meinem Projekt, das von meiner Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Yamaguchi gefördert wird, will ich untersuchen, wie die Schneewittchen-Figur im jeweiligen Zeitkontext, vom postmodernen Anti-Märchen Barthelmes über „confessional poetry“ von Ann Sexton bis hin zu Jelineks Gender- und Machtdiskurs in ihren Prinzessinnendramen interpretiert wird.
Geplant ist eine Publikation in japanischer Sprache in der Zeitschrift Hikakubungaku/Journal of Comparative Literature und in deutscher Sprache in der japanischen Zeitschrift Neue Beiträge zur Germanistik.

3.4.2018

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