Katharina Heigl: „Es ist so oft versucht worden, ihnen Menschenfleisch abzugewöhnen, aber sie essen es halt gar zu gern.“ Zum Zusammenhang von Shoah- und Kannibalismus-Tabu in Elfriede Jelineks ‚Die Kinder der Toten‘

Bachelorarbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Shoah-Tabus anhand des Kannibalismus-Tabus in Elfriede Jelineks „Die Kinder der Toten“. Methodisch orientiert sie sich an Jessica Ortners Analyse des Romans, die sich Algirdas Greimas‘ Strukturaler Semantik bedient. Anders als bei Ortner wird hier jedoch dargelegt, dass Jelineks spezifische Schreibweise weniger einer Darstellungsproblematik der Shoah, als vielmehr einer Tabuisierung derselben geschuldet ist.

In einem einführenden Theorieteil wird zunächst der Tabubegriff im Hinblick auf seine kulturfunktionale Bedeutung und im Rückgriff auf Freuds „Totem und Tabu“ eingeführt, anschließend das spezifische Tabu des Kannibalismus unter besonderer Berücksichtigung der sprachlichen und literarischen Darstellungsverfahren näher beleuchtet und abschließend die verwendete Methodik erläutert.

Im dritten Teil der Arbeit wird gezeigt, dass die Repräsentation der Shoah als Metasemie eben jene als grundlegendes Tabu des Romans ausweist, welches aber gerade durch die spezifische Art der Darstellung intakt bleibt. Die konkrete Verknüpfung von Kannibalismus und Shoah erfolgt im nächsten Schritt der Analyse. An ausgewählten Textstellen wird nachgewiesen, dass die fortlaufende Tabuisierung der Shoah im gesellschaftlichen Diskurs sowohl auf Opfer- als auch auf Täter-Seite problematische Folgen hat. Dabei wird auch herausgearbeitet, wie Jelinek über das Kannibalismus-Motiv ihre Gedächtnispolitik zum Ausdruck bringt.

Bachelorarbeit Heigl

25.6.2018