Nicolai Busch: Wut als Text-Kontext Phänomen. Am Beispiel von Elfriede Jelineks Wut (2015)

Masterarbeit

Konzept der Masterarbeit

In ihrem Theatertext Wut widmet sich Elfriede Jelinek 2015 erstmals intensiv jener Emotion, die ihrem Œuvre als produktive Grundstimmung längst eingeschrieben ist. Verfasst in den Wochen nach den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris im Januar 2015, bewegt sich der Text in unterschiedlichsten Diskursräumen internationaler Raserei. Sprachfetzen sprechwütiger Bürger, digitaler Hetzer, Völkermörder aus Ruanda, rechter Ideologen, islamistischer Terroristen und antiker Götter hat die Autorin ihrem kulturellen Erregungsspeicher entrissen und neu angeordnet.

Vor dem Hintergrund aktueller Emotionsforschung erörtert das Projekt die Emotion ›Wut‹ zunächst als Diskursphänomen und entwickelt anschließend eine Text-Kontext-Theorie zur Analyse ihrer Repräsentationsformen im literarischen Text. Die Art und Weise, wie Jelineks Wut die Kontingenz der Emotion, ihre Unmittelbarkeit, ihre Bildhaftigkeit und ihre religiöse Mythenhaftigkeit dekonstruiert, offenbart sich dem Projekt als selbstreflexive Verhandlung der Möglichkeiten und Grenzen einer literarischen Darstellung von Emotion. Unter der postmodernen Folie Frederic Jamesons erscheint Jelineks ›Wut‹ als ästhetisch und kulturell gleichgeschaltes Phänomen unserer Zeit.

18.5.2018
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