Mengdan Cheng: Metamorphosen der Frauen. Zum Krank-Sein und Untot-Sein in Elfriede Jelineks Theaterstück „Krankheit oder Moderne Frauen“

Als eine der weltweit bedeutendsten Dramatikerinnen hat Elfriede Jelinek in dem Essay Ich will kein Theater (1989) ihre Theaterästhetik erläutert: „Es ist eine gewisse Lebensfeindlichkeit, die mich zum Theater gebracht hat. Den Wunsch, Leben zu erzeugen auf dem Theater, der fast alle Schriftsteller angezogen hat, lehne ich ab. Ich will genau das Engegengesetzte: Unbelebtes erzeugen. Ich will dem Theater das Leben austreiben. Ich will kein Theater.“1
Aus der Lebensfeindlichkeit stellt Jelinek das Unbelebte auf, nämlich das Untote. Das Untote als ein Dazwischensein erscheint unlebendig und unsterblich. Vom Zombiemotiv in „DER FREMDE! störenfried der ruhe eines Sommerabends der ruhe eines friedhofs“ (1969), der Popanze in „Der Tod und das Mädchen I (Schneewittchen)“ bis zu dem sich im Todesreich befindenden Schatten in „Schatten (Eurydike sagt)“ (2012) steht das Untote immer im Vordergrund ihres Schreibens und stellt sich als verschiedene Gestalten dar. Im Jahre 1987 hat Elfriede Jelinek das Theaterstück „Krankheit oder Moderne Frauen“ veröffentlicht. In diesem geht es vor allem um die beiden weiblichen Figuren, Emily und Carmilla, als Figuration des Untoten, des den Tod voraussetzenden Nachlebenden, nämlich als Vampirinnen. Der Großteil der bisherigen Sekundärliteratur, in der „Krankheit oder Moderne Frauen“ im Zentrum steht, legt den Fokus vor allem auf das weibliche Untote. Auch in der folgenden Analyse von Mengdan Cheng wird das Untot-Sein von weiblichen Figuren thematisiert. Dabei geht es jedoch vor allem um die Unumstößlichkeit der dichotomischen patriarchalischen Gesellschaftsordnung, das Untot-Sein als Parodie der Schöpfung sowie das Doppelgeschöpf als Parodie auf Mythologie.

1 Roeder, Anke (Hg.): Autorinnen: Herausforderungen an das Theater. Frankfurt am Main: suhrkamp 1989, S. 153.

PDF-Download des Beitrags

← Zurück

Vielen Dank für deine Antwort. ✨