Monika Hofmann: „Der Mann schaut auf das Nichts, er schaut auf den reinen Mangel“

Seminararbeit

Elfriede Jelinek stellt in ihren Werken, ähnlich wie Richard von Krafft- Ebing in seiner Psychopathia sexualis, anhand der männlichen Sexualität einen Katalog weiblicher Perversionen auf. Sie tut dies aber nicht aus einer Perspektive direkter Weltbeschreibung, sondern in einer Beobachtung zweiter Ordnung: Was von der Psychiatrie, vom männlichen Blick der Wissenschaft auf die Frau, als Inkarnation von fehlgeleiteter Sexualität gesehen wurde. Jelinek stellt nicht „die weiblichen Perversionen“ dar, sondern die Diskurse, die darüber existieren. Das psychiatrische Dispositiv ist dabei als schon kritisiertes mitzudenken. Das Klassifikatorische, die Kategorisierung der Wirklichkeit als solche, steht bei Jelinek stets im Fokus der Kritik. Die These wird in der vorliegenden Arbeit auf ein einzelnes Werk eingeschränkt und exemplarisch an der Klavierspielerin aufgezeigt.
Jelinek spielt in ihren Werken bewusst mit den Möglichkeiten „heisse“ versus „kalte“ Lektüre und entlarvt dabei die von Männern betriebene Wissenschaft über den Körper und die Psyche der Frau als performative Machtausübung. Sie verflechtet diese beiden Lesarten in ihren Texten so eng miteinander, dass die Lesenden unweigerlich von einer kalten Lektüre in eine heisse gezogen werden oder umgekehrt. Mit diesem Vorgehen wird auf einer zweiten Ebene auch der wissenschaftliche Diskurs kritisiert, der „heisse“ Themen mit einem (scheinbar) kalten Blick fokussiert. Nach der Positionierung in der sowohl jungen als auch kontroversen Jelinek-Forschung, wird in einem ersten Schritt anhand feministischer und dekonstruktivistischer Arbeiten und Theorien die diskursive Wirkung solcher „wissenschaftlicher“ Deklarationen von Männern über Frauen aufgezeigt. Dabei werden hauptsächlich Blicke des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts auf die Frau thematisiert. Ferner zeigt sich, inwiefern die misogyne und selbstgefällige „Erforschung des Wesens Frau“ in Jelineks Text verarbeitet und gleichzeitig auch kritisiert wird.

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