Stefanie Kaplan: „Und das Wort ist Fleisch geworden“ – Katholizismus im Werk von Elfriede Jelinek

Seminararbeit

Wie viele österreichische AutorInnen ist auch Elfriede Jelinek vom Katholizismus geprägt worden. Diese Prägung findet ihren Ausdruck auch im Werk der Autorin. Jelinek verarbeitet in ihren Texten Zitate und Motive aus Bibeltexten, Gebeten und liturgischen Texten, sie nimmt Bezug auf Dogmen, Rituale und Kunstwerke des Katholizismus und thematisiert die Machtstrukturen der römisch-katholischen Hierarchie. Der Bezug auf die zentrale Botschaft des Katholizismus, der Fleischwerdung des Wortes, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk der Nobelpreisträgerin. Die Fleischwerdung des Wortes leitet sich aus dem Johannesevangelium ab: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater voll Gnade und Wahrheit.“(Joh 1,14). Die Fleischwerdung des Wortes meint im Katholizismus die Menschwerdung des Sohn Gottes, durch die sich die göttliche Offenbarung, das Wort Gottes, erfüllt. Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes.
Dieses Motiv wird exemplarisch herangezogen um Jelineks Beschäftigung mit dem Katholizismus zu untersuchen. Ziel dieser Arbeit ist es, Jelineks intertextuelle Verarbeitung des Motivs der Fleischwerdung des Wortes in den Texten Die süße Sprache, Das Wort als Fleisch verkleidet und Neid zu analysieren.
Im Hinblick auf Jelineks Bezugnahme auf den Katholizismus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte zu Hans Ulrich Gumbrechts Begriff der Präsenzkultur, denn Jelineks dekonstruktive Textstrategien stellen einen permanenten Angriff auf den inhärenten Sinn des Wortes im Katholizismus als Präsenzkultur dar. Die Textanalyse beschäftigt sich daher vor allem mit folgenden Fragestellungen: Wie geht Jelinek mit dem Wortlaut des Zitats aus dem Johannesevangelium um? Welche Veränderungen nimmt Jelinek am ursprünglichen Textmaterial vor? Welche Verfahrensweisen kommen dabei zur Anwendung? In welchen Kontexten wird die Fleischwerdung des Wortes thematisiert und weiter geschrieben? Da die Texte in einem Zeitraum von beinahe 25 Jahren erschienen sind soll abschließend die Entwicklung und Vernetzung der Kontexte, in denen die Fleischwerdung des Wortes in den drei Texten thematisiert wird, untersucht werden. Dabei sollen auch Bezüge zu anderen Werken Jelineks deutlich gemacht werden.

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