Kuaige Qi: Dekonstruktion des Mythos. Forschung zu Elfriede Jelineks literarischen Intentionen

Disseration

Abstract

Elfriede Jelinek ist mittlerweile zu einer der wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen geworden. Trotz der ausgewiesenen Leistung liegen, abgesehen von einzelnen Aufsätzen zu ihren einzelnen Texten, in der chinesischen literaturwissenschaftlichen Fachwelt bislang zu Jelinek und ihrem Werk keine umfassenden Untersuchungen vor. So hat die Diessertation auf dem Nullpunkt der Jelinek’schen Forschung in China eingesetzt. Ausgehend von der poetischen Tradition und dem kulturellen Ursprung hat die Arbeit die Entwickung ihrer literarischen Intention ergründet und die Hauptthemen und kulturellen Inhalte ihres Schreibens erforscht und dargelegt.
Die Abeit ist in drei Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel wird zunächst die Schriftstellerin vorgestellt: Das medienwirksame Phänomen Jelinek wird hinterfragt, ihre ästhetischen Ansichten werden im Kontext der Moderne untersucht, und Jelinek wird als eine politische Autorin mit feministischen Gedanken ausgewiesen, deren Anliegen eine Ideologiekritik im marxistischen Sinn ist. Abschließend biete ich einen Überblick über die Rezeption von Jelinek sowohl in der chinesischen Fachwelt als auch in der allgemeinen chinesischen Leserschaft.
Im zweiten Kapitel stehen die literarische und kulturelle Tradition und die Jelinek’sche Rezeption der Mythos-Theorie von Roland Barthes im Mittelpunkt. Es wird ihren im österreichischen Kulturraum verhafteten literarischen Wurzeln nachgegangen. Dabei wird herausgestellt, dass sie die Betonung, Reflexion und Kritik der Sprache auf der österreichischen Literaturtradition aufbaut. Dies führt dazu, dass ihr Schreiben und ihre künstlerische Entwickung ganz im Zeichen eines Misstrauens gegen jene vorgefertigte Sprache stehen. Die Rekurrenz auf das ideologiekritsiche Werk Mythen des Alltags von Roland Barthes ist signifikant für Jelineks Demythologisierungsarbeit, die sie mit ihren Texten betreibt. Diese Arbeitsweise fußt auf den Demythologisierungsgedanken von Barthes, von dem sie wichtige Impulse erhalten hat.
Der dritte Kapitel ist der konkreten Analyse von Die Liebhaberinnen, Die Ausgesperrten und Die Klavierspielerin – gewidmet. Darin wird untersucht, wie die Schriftstellerin die vorgefertigten Mythen dekonstruiert und welche tiefen kulturellen Inhalte die Texte beinhalten. Die Autorin zerreißt den Schleier der Mythen und präsentiert sie als politisch-ideologische Konstruktion, hinter denen Macht, Gewalt und Gewinnsucht stecken. Sie versucht unablässig, Liebe, Familie, Frau, Musik, Sex usw. als Mythen der bürglichen Ideologie aufzudecken.
Jelinek vermittelt ein dunkles Bild gesellschaftlichen Lebens, aber sie ist keine Pessimistin, denn das Ziel ihrer Demythologisierungsarbeit steht im Dienste der Aufklärung, damit sich die Leser von „der Absurdität und zwingenden Macht der sozialen Klischees“ befreien und die Autonomie und freie Entfaltung gewinnen können. Mit dem Ziel dieser Bewusstmachung lagert sie in ihren Texten zur Bekämpfung und Dekonstruktion der Mythen „die natürlichen Stimmen und Gegenstimmen“, die die mythenbildenden Diskurse unserer Medien, von der Reklame bis zur Philosophie, simulieren.

29.10.2013

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