Sarah Neelsen: Elfriede Jelineks Essays. Gattung. Bezüge. Singularität.

Disseration

Abstract

In dieser Dissertation wird das Werk der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek (Literaturnobelpreis 2004) von ihren Rändern her besprochen, ausgehend von den „kleinen Texten“, die sie seit 1967 neben ihren Stücken und Romanen verfasst hat. Als Gelegenheitstexte gründen sie auf einem eigenen ästhetischen Paradigma, das in der Dissertation in Hinsicht auf ihre besonderen ursprünglichen Veröffentlichungsbedingungen untersucht wird. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Auftragswerke, die an andere Medien als das Buch gebunden sind (Zeitschriften, Flyers, Programmhefte, Internet), die auf Grund ihrer Zerstreuung im öffentlichen Raum und rapiden Vergänglichkeit eine andere Rezeption implizieren. Die Texte werden auf dem Hintergrund der wichtigen Zäsuren Jelineks Werk im Allgemeinen sowie der österreichischen Literatur nach 1945 zunächst im Überblick präsentiert, indem das persönliche und berufliche Netzwerk der Autorin, sowie ihre Stellung innerhalb ihrer Generation rekonstruiert werden.
Drei Kapitel sind detaillierten Textanalysen gewidmet: zum einen wird gezeigt, wie sich allmählich eine Kernfrage herauskristallisiert hat, nämlich die Möglichkeit der weiblichen Kreativität; zum anderen werden drei grundlegende stilistische Merkmale beschrieben, die sich als Einkreisen, Paradoxon und Verflüssigung bezeichnen lassen; letztens geht es um die Interaktion zwischen Text und Leser, die sich vornehmlich durch Störung und Interferenz vollzieht und eine zeitlang dem Sinnverfall entgegengewirkt.
Zentrale Begriffe der Dissertation sind „Bezüge“ und „Singularität“, die sowohl das ästhetische wie politische Anliegen der jelinekschen Essayistik auf den Punkt bringen, und darüber hinaus auch für einen Teil des Genre im Allgemeinen typisch sind, wie die abschließende vergleichende Untersuchung mit einigen der wichtigsten historischen wie zeitgenössischen Beiträgen zur Essaytheorie belegt (Lukács, Adorno, Roland Barthes, Marielle Macé, Wolfgang Müller-Funk, Georg Stanitzek).

2.12.2013