Verena Meis: Es ist Schreiben und aus! Schreibszenen zwischen „Papierverbanntheit“ und „Papierverliebtheit“ bei Elfriede Jelinek

Habilitation (Konzept)
(für den Nachwuchsworkshop 2014)

So wie in ihren ersten Roman wir sind lockvögel baby! eigenmächtig eingegriffen werden soll – in der vorangestellten „gebrauchsanweisung“ heißt es, „sie sollen die untertitel auswechseln“ – so könnte auch Elfriede Jelineks Grußbotschaft anlässlich „125 Jahre Burgtheater“ Es ist Sprechen und aus eigenmächtig in „Es ist Schreiben und aus“ verändert werden: Als selbsternannte „Schreibtischtäterin“ und „Verfechterin der Zweidimensionalität“ bleibt Elfriede Jelinek der Kulturtechnik „Schrift“ verhaftet. In ihrem Theatertext Das Schweigen – einer Persiflage auf Thomas Bernhards Prosatext Beton – übernimmt die Schrift, die „nie entsteht, indem aber unaufhörlich von ihr die Rede ist“, jedoch nur augenscheinlich „die Vormacht über [das] Sprechen“, indem sie „[e]in leerer Papiersack“ bleibt und lediglich eine Schrift über eine nicht entstehende Schrift entsteht.
Elfriede Jelineks Materialästhetik korreliert zwischen „Papierverliebtheit“ und „öde[r] Fläche“, zwischen Flüchtigkeit und Stetigkeit: „Es bleibt Schrift. Es bleibt die wunderbare folgenlose Schrift, der man folgen kann oder auch nicht. Meiner bitte nicht folgen, bleiben Sie zurück! Treten Sie mir nicht zu nahe! Schrift kann hetzen und toben und bohren, aber sie kann nicht töten, und sie kann nicht getötet werden“, heißt es in ihrer Rede Das Wort, als Fleisch verkleidet. Das Habilitationsvorhaben fokussiert Elfriede Jelineks Paradoxien der Schrift und des Schreibens in ihrer Materialität, ihrer Prozesshaftigkeit und Theatralität.

24.6.2014„

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