Sarah Neelsen: Paratext und Paragone. Der Wettstreit der Künste im essayistischen Werk

Teilaspekt der Dissertation
(für den Nachwuchsworkshop 2016)

Das essayistische Werk Elfriede Jelineks überrascht und beeindruckt über seinen Umfang von mehreren hundert Texten hinaus durch seine sehr breite thematische Ausrichtung. Im Laufe der Jahrzehnte erweiterte sich der Themenbereich, zu dem sie von Zeitungen und Zeitschriften zu Wort gebeten wurde, immer mehr und überschritt die Grenzen der Literatur nicht nur hin zur Politik. Zu fast alle anderen Kunstformen verfasste sie Einführungen und Rezensionen. So schrieb sie zur Musik (Schubert, Olga Neuwirth), zum Film (Leni Riefenstahl, Werner Schroeter), zum Theater (Tabori, Johan Simons), zur Fotografie (Frédéric Brenner), zur bildenden Kunst (Bruno Gironcoli), zur Malerei (Jürgen Messensee, Florentina Pakosta) und zur Mode (Junya Watanabe). Obwohl ihre Texte eigentlich immer nur einzelne Künstler oder sogar einzelne Werke behandeln, unabhängig voneinander bei ihr in Auftrag gingen und vorwiegend unabhängig voneinander rezipiert werden, ergibt sich aus ihrer Sammlung ein deutlicher Vergleich der Künste ganz im Sinne des traditionsreichen Paragone.
Der Wettstreit der Künste entbrannte in Italien zu Zeiten der Renaissance, Dürer und Da Vinci nahmen daran teil, und auch Lessing leistete noch 1766 mit seinem Laokoon einen wesentlichen Beitrag dazu. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verebbte er allmählich und wer ihn im 20. Jahrhundert wiederaufgriff, der bezog sich auf ältere Kunstwerke. Warum greift also Elfriede Jelinek darauf zurück, und wie gelingt es ihr überhaupt, neure Kunstformen wie Fotografie und Mode in die Diskussion einzubringen? Nach welchen Kriterien erfolgt ihre Wertung und was besagen sie über ihre eigene Kunstpraxis?

28.9.2015

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