Asako Fukuoka: Erzählen der unerlebten Katastrophen. Übersetzen als literarisches Modell bei Elfriede Jelinek und Autoren der ›zweiten Generation‹

Teilaspekt des Forschungsprojekts
(für den Nachwuchsworkshop 2016)

Unter mehreren Zäsuren wie 1989/90 sowie 2000 fanden in der Gegenwartsliteratur verschiedene Generationswechsel statt. Da „gilt die Nachkriegsliteraturgeschichte als abgeschlossen“ (Corina Caduff und Ulrike Vedder [Hg.]: Chiffre 2000 – Neue Paradigmen der Gegenwartsliteratur 2005, S. 9), wobei „sich die Frage nach den adäquaten Ausdrucksmitteln und der ,richtigen‘ Darstellung für die zweite und dritte Generation“ (Inge Stephan und Alexandra Tacke [hg.] Nachbilder des Holocaust. 2007, S. 8) stellt. Hinsichtlich dessen zielt mein Projekt darauf ab, anhand von Texten Elfriede Jelineks und anderer österreichischer AutorInnen wie u.a. Ransmayr, Methoden der literarischen Darstellung der jüngeren Generation zu erörtern, wobei sich verschiedene Modelle herauskristallisieren sollen.
Das geplante Referat beim Workshop will anhand zweier Theatertexte, nämlich Rechnitz (Der Würgeengel) (2009) und Kein Licht (2011), Jelineks Verfahren von Transmedialität und Zitat untersuchen. Die Auseinandersetzung mit zeitlich resp. geografisch entfernten und demzufolge selbst unerlebten Katastrophen gilt als einer der zentralen Aspekte von Jelineks Literatur. Die oben genannten Texte, in denen das Massaker von Rechnitz 1945 sowie das Reaktorunglück in Fukushima 2011 thematisiert sind, erweisen sich als exemplarische Beispiele für diese Verfahren, was sich anhand signifikanter literarischer Methoden belegen lässt.
Von besonderer Bedeutung erscheint hierfür Jelineks Umgang mit Transmedialität und Zitatverfahren: Sowohl bei Rechnitz als auch bei Kein Licht sind Bezüge auf Film und (Presse-)Fotografie und zugleich auch intertextuelle Bezüge zu betrachten, wobei man diese beiden Methoden, also Transmedialität und Zitierverfahren, durch ein Prinzip von Zusammensein einander fremder Aussagen, Logiken und Stimmen charakterisieren kann.
Ich analysiere diese beiden Verfahren, indem ich mich auf Sibylle Krämers Mediumsmodell der „Übersetzung“ berufe, wobei die Tätigkeit nicht auf „Aussagegehalt verschiedener Sprachen“, sondern auf „Differenz in ihren ›Arten des Meinens‹ gerichtet (Medium, Bote, Übertragung – Kleine Metaphysik der Medialität 2008, S. 191) sei. Mittels dieser Untersuchung wird argumentiert, dass Jelineks Verfahren die fremden Momente ›übersetzend‹ aufgreifen und somit abseits beliebiger Abstandsbewältigung eine literarische Darstellungsart unerlebter Katastrophen ermöglichen.

8.10.2015

Informationen zu Asako Fukuoka