Brigitte Stocker: Elfriede Jelineks intertextuelle Bezüge zum Werk von Paul Celan

Teilaspekt der Habilitation
(für den Nachwuchsworkshop 2016)

Mein Habilitationsvorhaben beschäftigt sich mit referentiellen Schreibverfahren in satirischen Texten. Ausgewählte Werke, die entweder als Satiren klassifiziert werden oder starke satirische Elemente aufweisen, werden auf ihre Referentialität hin untersucht; Traditionslinien polemischen Denkens sollen dabei nachverfolgt werden. Im Fokus stehen dabei besonders die Werke von Elfriede Jelinek und Karl Kraus, die auf ihre Zitattechnik hin untersucht werden. Ein Teilaspekt der Arbeit widmet sich jenen Texten Jelineks, in denen Bezüge auf das Werk von Paul Celan festgestellt werden können. Zitate und Allusionen, die Jelinek aus Texten von Celan verwendet, sollen nicht nur aufgespürt und aufgelistet, sondern vor allem auf ihre Funktionalität im Text hin analysiert werden. Relevant für diesen Teilaspekt meines Forschungsvorhabens sind im Speziellen Jelineks Texte Die Kinder der Toten und Die Ausgesperrten, die Bezüge auf Celans berühmtestes Gedicht Todesfuge aufweisen und vor allem das Werk In den Alpen mit seinen Referenzen auf Celans Gespräch im Gebirg.
Es soll untersucht werden, wie die fremden Textsegmente und auch die stilistischen Allusionen dem ursprünglichen Zusammenhang entnommen und in einen neuen Kontext gebettet werden, wodurch sich ein Dialog mit den anderen, (fremden) Textsegmenten ergibt.
Wie schon bei den Referenzen auf das satirische Oeuvre von Karl Kraus ist auch im Fall der Bezüge auf Celan eine Traditionslinie kritischen (jüdischen) Denkens wahrnehmbar, die hier zusätzlich noch Österreichs Verstrickung in den Holocaust und den danach geschaffenen Opfermythos kritisch reflektiert.

8.10.2015

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