Irina Sivolobova: Ding-Poetik in der österreichischen Gegenwartsliteratur

Disseration

Abstract

Mein Dissertationsprojekt ist der Ding-Poetik der österreichischen Gegenwartsliteratur gewidmet. Mein Herangehen gründet sich auf die Werke der Wissenschaftler, in denen „Ding“ als eine besondere Kategorie der österreichischen Nationalliteratur erfasst wird. Die Ding-Poetik wird in den zahlreichen Publikationen zu dem wesentlichen Merkmal der Werke von A. Stifter, F. Kafka und R.M. Rilke gezählt. Ding bei Stifter und Rilke hat einen philosophischen und erhabenen Sinn, und in Kafkas Werken eher einen erschreckender Charakter.
In diesem Dissertationsprojekt wird der Versuch unternommen, die Bedeutung der Kategorie des Dinges in der österreichischen Gegenwartsliteratur vor allem in Elfriede Jelineks Schaffen zu untersuchen.
Die ersten Forschungsergebnisse der Poetik der Dinge zeugen davon, dass in Jelineks Romanen der 1970er und 80er Jahre (Die Liebhaberinnen 1975, Die Ausgesperrten 1980, Die Klavierspielerin 1983) ein besonderer erzählerischer Code in der Sprache der Dinge verbalisiert wird. Hypothese meiner Dissertationsarbeit ist demnach, dass die Autorin durch diesen Code die wichtigsten ästhetischen Aufgaben, wie Mythendestruktion, Soziallkritik der Konsumgesellschaft und Androzentrismus, löst.
Viele Jelinek-Forscherinnen und -Forscher betonen, dass die Autorin den scharfen Realismus des Alltagslebens triviale Mythen gegenüberstellt, wobei die Frauen zu Automaten für die Kinder-und Männerpflege, Liebe und Kunst zu den objektivierten Konsumobjekten werden. Die Frau als Objekt wird zum Motiv in der zeitgenössischen Literatur, das die Genderproblematik ans Licht bringt (bei I. Bachmann, Ch. Wolf, B. Frischmuth, H. Müller). Die Untersuchung dieses Motivs ist eine der Aufgaben meines Dissertationsprojekts.

14.10.2016

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