Ann Schroeder: Das Dilemma der weiblichen Autorin. Elfriede Jelineks öffentliche und literarische Selbstinszenierung

Masterarbeit

Als Nobelpreisträgerin wurde sie ausgezeichnet, als „Nestbeschmutzerin“ in Österreich diffamiert. Ihre Werke, seien es Essays zu politischen Themen, Romane oder Theaterstücke, sind von einer derartigen Sprachradikalität geprägt, dass sie entweder als unlesbar verschrien oder als große Sprachkunst gelobt werden. Neben der umfangreichen Rezeption und den vielen wissenschaftlichen Analysen von Jelineks Werken wird auch immer häufiger ihre öffentliche Präsenz um Untersuchungsgegenstand. Jelineks äußere Erscheinung und ihr Modestil sowie ihre neurotischen Veranlagungen wurden schon des Öfteren, vor allem in kommerziellen Frauenzeitschriften und im Feuilleton, aber auch zunehmend in wissenschaftlichen Untersuchungen, thematisiert. Die soziologische, literatur- und kulturwissenschaftliche Funktion dieser Öffentlichkeitspräsenz als Ritual der Inszenierung bleibt jedoch häufig hinter einer reinen Deskription des Phänomens zurück.

Die vorliegende Untersuchung unterstellt Elfriede Jelinek nicht primär wirtschaftliche, kommerzielle Gründe ihrer Selbstinszenierung, sondern geht davon aus, dass Jelineks Inszenierung auch ein ‚Aufmerksammachen‘ auf hermeneutische Zugänge und Rezeptionsmuster weiblicher Autorschaft ist. Denn die ursprüngliche Idee, Parallelen zwischen Jelineks Selbstinszenierung und ihren Romanfiguren zu erarbeiten, scheiterte an der Erkenntnis, dass Jelinek genau diese Form der Rezeption und Interpretation durch ihre öffentliche Selbstinszenierung zwar fördert, aber nur um sie vorzuführen und zu kritisieren.

Die folgende Arbeit gibt einen Einblick in Jelineks Selbstpräsentation und arbeitet deren Funktionen heraus. Diese lassen sich vor allem als Reflexion der Bedingungen des eigenen weiblichen Schreibens und der Mechanismen des Literaturbetriebs verstehen und erfüllen damit diskursive Funktionen über die Paradigmen moderner weiblicher Autorschaft.

20.4.2017

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