Sabrina Weinzettl: „Aber die Frau ist ein Nichts“ – Über die Unmöglichkeit des weiblichen Subjekts in Elfriede Jelineks „Schatten (Eurydike sagt)“

Seminararbeit

„Ich bin nicht mehr da, ich bin.“ 1) – so schließt Eurydikes Rede, bevor sie endgültig in die Schattenwelt verschwindet. Es ist dieser Satz, der das Verschwinden einer weiblichen Existenz, die niemals möglich war, besiegelt. Nach dem Biss der Schlange findet Eurydike in der Schattenwelt, im „Keinort“ 2), endgültig das Schicksal, das ihr schon zu Lebzeiten zugedacht war: Sie wird zu einem Nichts, zu einem körperlosen Schatten, der sich zwar von seinen an den Körper geknüpften Objektabhängigkeiten zum Sänger befreien kann, dem die Subjektwerdung aber dennoch unmöglich bleibt. In dem Theatertext Schatten (Eurydike sagt) schafft Elfriede Jelinek einen Gegenentwurf zum männlich-besetzten Orpheus-Diskurs und verleiht Eurydike eine Stimme.
Die vorliegende Arbeit untersucht unter Einbeziehung von Elfriede Jelineks feministischen Positionen, Sigmund Freuds Sexualtheorie und Judith Butlers Das Unbehagen der Geschlechter, die in Schatten verhandelten Beziehungen zwischen Subjekt und Objekt, die eine Subjektwerdung des weiblichen Ich negieren.

Fußnoten
1) Jelinek, Elfriede: Schatten (Eurydike sagt). In: Theater heute 10/2012 (Beilage), S. 3-18, hier S. 18.
2) Jirku, Brigitte E.: „Ich bin“ – Schatten und Schattenreich als Unorte. Zu Elfriede Jelineks „Schatten (Eurydike sagt)“. In: Jelinek[Jahr]Buch. Elfriede Jelinek-Forschungszentrum 2013. Hrsg. v. Pia Janke unter der Mitarbeit von Teresa Kovacs, Stefanie Kaplan und Christian Schenkermayr. Wien: Praesens Verlag 2013, S. 58-71, hier S. 59.

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4.4.2016