Stefan Krammer: Ein virtueller Sündenfall. Oder: Jelinek für die Schule

Elfriede Jelinek hat – ob sie es nun will oder nicht – längst Eingang in den Deutschunterricht gefunden. In den gängigen Literaturgeschichten für die Schule ist sie mit ihren Texten vertreten, zum einen als Vorzeigedame für Frauenliteratur im besten Sinne (Schacherreiter 2005a, S. 366-370; Rainer 2005, S. 184f; Killinger 2002, S. 288-291), zum anderen als Dramatikerin in der Tradition eines politisch-aufklärerischen Theaters (Schacherreiter 2005b, S. 58-68; Rainer 2005, S. 496-498; Killinger 2002, S. 288-291). Weiterlesen

Karin Hochradl: Reflexionen über Elfriede Jelineks „Neid“

Aspekte einer werkimmanenten sowie
grundsätzlichen Disponierung eines musikalischen Diskurses

Elfriede Jelineks erster Abschnitt ihres neuen Romans Neid entspricht einer kontinuierlichen, bipolar konzipierten Annäherung an den Themenkomplex Musik, indem anfänglich primär kommerzielle Faktoren sowie zeitgeistige Aspekte thematisiert und schließlich pädagogisch-didaktische, mitunter autobiographisch konnotierte Inhalte integriert werden. Weiterlesen

Irene Suchy: Am Ende komponiert sie

Jetzt gibt es den Roman für sie – die Geigenlehrerin. Ein Roman der Nichtswürdigkeit. Es durfte ihr Roman nicht werden. Sie kommt im Titel nicht vor.
Sie ist nicht einmal Geigenspielerin geworden, geschweige denn Geigerin, nur Geigenlehrerin. Es ist der Roman der Nachfolgerin, der Wasserträgerin, der Hüterin und Weitergebenden, die nicht hinzufügen darf, die das Vorhandene auf niedrigem Niveau verwalten soll, nicht verenden lassen soll, der man das Unterrichten, aber nicht das aktive Reproduzieren zutraut. Weiterlesen

Ute Nyssen: Zu NEID, Geschenk von Elfriede Jelinek

Die Lektüre von NEID setzt bei mir als Rezipientin eine gewisse Spontaneität frei, den Wunsch, naiv und unzensiert meine Reaktionen aufzuschreiben. Aber dann arbeitet doch schnell wieder die Schere im Kopf, die lebenslange kritische Lektüreschulung; und übrigens, obwohl der gutgelaunte Text der Autorin E.J. auf den ersten Blick Spontaneität ausstrahlt und vor allem initiiert, regiert auch dort selbstverständlich die Schere (trotz Internet), die lebenslange Schreibschulung nämlich. Weiterlesen

Christiane Zintzen: Arbeit am Alibi

Die Autorin stellt einen Text ins Netz und wirft ein Netz darüber: Das ist ein PRIVATROMAN. Blickt durch die Maschen am WWW-Draht und deklariert: Hier beginnt der Zoo der Wörter, Sätze und Gestalten: No trespassing. Nicht füttern und nicht berühren! Noli me tangere, denn die Genannten sind sämtlich Fleisch von meinem Fleisch, Geist von meinem Geist. Blümlein Rührmichnichtan,Touch-me-not, Mimosa pudica. Weiterlesen

Bärbe Lücke: (Nicht-)Erzählen im „Wurmloch“ der Zeit

Zu Elfriede Jelineks Internet-Roman Neid

„Wissen Sie, daß ich mit den Sieben Todsünden aufgewachsen bin? Invidia zum Beispiel, der Neid. Da war dieser Tisch. Aber eine änliche Figur war sogar auf mein Tellerchen gemalt, und ich aß vom Neid und aß und aß. Bis heute. Dabei war das Bild eine Fälschung.[…] Mit der Kopie einer Kopie, so fing alles an. Ist das nicht komisch?“ Weiterlesen

Claudia Dürr u. Tasos Zembylas: Sichtbares und sichtbar Machbares

Zu einigen Möglichkeiten des Mediums Internet für die Literatur

Ohne zu wissen, welche Absichten und Erwartungen Elfriede Jelinek mit der kapitelweisen Veröffentlichung ihres Romans Neid auf ihrer Homepage hegt und wie sich die Interaktion zwischen Autorin und LeserInnen in den nächsten Wochen entwickeln wird, möchten wir antizipativ einige Aspekte und Fragen betreffend des Publikationsmediums Internet diskutieren. Weiterlesen

Hans Jürgen Rabko: Die letzten Tage der Menschheit

Es wird jetzt so viel über diesen Todesmarsch geklagt, nein, wird es nicht, kennen Sie den schon? […] Da waren 150 österr. Gemeinden samt Gemeindeämtern, wo die Gemeinde auf den Punkt gebracht wird, auch heute noch, und dort blieben Erschossene und vor Erschöpfung Verstorbene erst mal zurück, aber es blieben immer noch welche übrig, also was tun? (Neid 1,19) Weiterlesen

Sead Muhamedagic: Denkfragment

Bevor ich Elfriede Jelinek als Leser und später auch als Übersetzer begegnete, hörte ich oft ihre Stellungnahmen im Radio und las Interviews, in denen sie alle möglichen Themen des aktuellen Alltags eigenartig kommentierte. Obgleich sie sich dabei relativ einfach ausdrückte, konnte ich schon auf Grund der Pointierung feststellen, daß auch in solchen Situationen eine Literatin am Werk ist. Im Herbst 1995 kaufte ich mir ihren damals erst unlängst erschienenen Roman Die Kinder der Toten. Über ihre früheren Werke war ich zwar gut informiert, aber als Leser befand ich mich in einem echten Neuland. Weiterlesen