Natalia Fuhry: Sprechen gegen Xenophobie? Über die Grenzen von Sprache zur Überwindung von Fremdenfeindlichkeit in Elfriede Jelineks „Rechnitz (Der Würgeengel)“

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

Inwieweit können Reue und die Anerkennung von Schuld eine gesellschaftliche Veränderung hervorrufen? Ist das Sprechen ein wirksames Mittel, um aus der Vergangenheit zu lernen?Die Demaskierung und Aufarbeitung des Antisemitismus‘ der Nazi-Zeit – die grausamste Folge von Fremdenfeindlichkeit im 20. Jahrhundert – ist ein wiederkehrender Topos in den Texten Elfriede Jelineks. Rechnitz (Der Würgeengel) von 2008 war ihr künstlerischer Beitrag zum im Jahr zuvor aufgekommenen Diskurs, der die Täter der Mordnacht in den Fokus rückte. Jelineks Theatertext stellt jedoch keine neuen Thesen zu den Verantwortlichen am Massaker auf, sondern verbindet Gerüchte, Fakten sowie Stimmen aus der Gesellschaft miteinander und macht die Sprache der Täter zum Ausstellungsstück. Boten berichten über die Mordnacht und brechen als repräsentative Zeugeninstanzen das Schweigen der Mörder. Sie holen die Taten aus dem Verborgenen in die Gegenwart und erweitern damit nicht nur aktiv den Kreis der Mitwissenden, sondern konfrontieren die Leserschaft bzw. die Zuschauer mit dem Massaker, wodurch ein reinigendes Potential im Sinne der Katharsis entsteht. Durch die vor allem im Theater unausweichliche Präsenz des Verdrängten und damit der Beförderung dessen aus dem Unbewussten ins Bewusstsein, eröffnet sich ein Reflexionsraum, der sowohl Reue evozieren als auch von therapeutischer Wirkung sein kann. Das Durchbrechen des Schweigens scheint ein heilender Weg, der zwar nicht mehr die Täter, aber doch die kollektive Seele der Nachfolgegenerationen reinigt bzw. heilt.
In meinem Vortrag wird zu zeigen sein, dass Jelineks Theatertext Momente der Katharsis produziert, diese jedoch im selben Zuge zerstört und damit die kontroverse Diskussion über den Begriff der Katharsis fortsetzt. In Rechnitz (Der Würgeengel) wird die reinigende Wirkung des Sprechens als Heuchelei entlarvt. Mit welchen vor allem sprachlichen Mitteln der Text diese Dekonstruktion vollzieht, soll der Analyseschwerpunkt meines Vortrages sein.

2.7.2018
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Janik Hauser: Zschäpe. Eine überschreibende Rezeption rechtsnationalistischer Terrorakte durch Elfriede Jelinek (AT)

Forschungsprojekt
(für Nachwuchsworkshop 2018)

Wer ist dieses schweigende Mädchen, von dem Es / Elfriede Jelinek in dem Theatertext Das schweigende Mädchen spricht? Man könnte meinen: die Terroristin B. Zschäpe. Dann könnte man sich weiter fragen: Die Zschäpe aus den durch den Verteidiger verlesenen Selbstdarstellungen, die von Fotos, die aus der Meinungsspalte der großen Zeitungen, die, die im Endeffekt auf den Brettern stehen soll, die die Welt bedeuten oder ein polyphoner Abgesang auf die Kommensurabilität all jener?
Die Inszenierung Johan Simons ’an den Münchner Kammerspielen fokussiert sich auf einige ikonische Momente der ikonoklastischen (Paulchen Panther steht hier gleichberechtigt neben den durch das SZ-Magazin angefertigten Protokollen (d.i. die ironische Zementierung eines Kanons?)) Sprechflut aus dem Schweigenden Mädchen. Es scheint die Autorin die Referentialität der Bekennertexte und -Videos zu interessieren, welche wiederum durch die Theatermacher als Anker in einem wilden Gewässer aus Deutungsprovokation und Deutungsverweigerung dankbar abgegriffen werden. Diese Beobachtung interessiert mich sehr. Vergleichend soll der zweite Teil des Aufsatzes die Lücke zwischen Versprachlichung von Schweigen und deren Verkörperung ausleuchten. Ich studiere Dramaturgie im Master an der Goethe-Uni und erwarte mir von der Colloquiums-Gruppe des Instituts bei der Entstehung des Beitrages geringfügige Unterstützung) bei der Behandlung der Fragen:
Wie viel Auflösung verträgt ein zeitgenössischer Text zu einem Ereignis mit höchster politischer Brisanz? Und v.a. wie wird diese Auflösung linguistisch/stilistisch von der Autorin hergestellt? Wie knüpfen die Inszenierungen daran an und welche Transmedialen Abstriche werden dabei erforderlich, welche Störungen / Zwischenräume entstehen?
Noch eine Beobachtung: Vor Gericht, die Strafprozessordnung macht das deutlich, herrscht das Mündlichkeitsprinzip. Das heißt, dass alles, was in dem Prozess des Verhandelns von (was ist) Realität Beachtung finden soll, auch mündlich zutage getreten sein muss. D.i. m.E ähnlich wie der Gedanke der Flachheit (d.i flattnes. s.a. Juliane Vogel) aus den Jelinektexten: Alles was im Verborgenen schlummert, muss an die Oberfläche. Der Schmutz, die Lüge, der Freudsche Versprecher, die Verdrängten, wie die gänzlich unbearbeiteten Traumata. (Kennt Jelinek die Grundzüge der Strafprozessordnung? Was (d.i. das Dispositiv?) interessiert sie daran?). Ich möchte durch ein eingehendes Studium des Textes implizite Reflexionen auf Sprechakt, Diskurstheorie, Machtkritik, Sprachkritik zutage befördern. Theoretische Schützenhilfe suche ich hierfür bei Heidegger, Austin, Benjamin, Martin J. Stone und Anderen. Ich hoffe, die Jungs sind zugänglich. Sonst stehe ich wieder ganz alleine da.
Im letzten Teil werde ich mit Habermas und Mrtin J. Stone die (etwas defätistische) Gegenfrage stellen: Was bringt die Literatur dem Recht ein? Kann/ darf es eine Interferenz geben? Ist das Stück ein Gegen-Prozess, in dem die gleichen oder andere Regeln herrschen? Soll der NSU-Prozess in actu kritisiert werden?

2.7.2018
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Eva Van Daele: The Absence of Traditional Characters in Philippe Manoury’s Thinkspiel „Kein Licht“ (2011/2012/2017)

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

In 2017, Philippe Manoury joined the list of composers who have worked with the writings of Elfriede Jelinek. Philippe Manoury worked with director Nicolas Stemann, known for his open creation process, to create a new genre of music theatre called Thinkspiel, characterised by the „gemeinsames Wirken der Experimentalforschung, des abstrakten Denkens und der „Sprache“ der Kunst“ (Manoury 2017).
Informed by Bärbel Lücke’s discussion of „Wer spricht?“ in Jelinek’s theatre text Kein Licht (2012) and Stefan Drees’s analysis of how composer Olga Neuwirth treats Jelinek’s text and speech (2013), this paper examines how Manoury and Stemann in their Thinkspiel Kein Licht (2011/2012/2017) handle the lack of characters in the texts of Elfriede Jelinek. The allocation of text to the voices and the bodies on the stage and the tension between hearing and not hearing the other voices on the stage is the focus of my musicological analysis of the auditive network that consists of multilingual speech and song, non- textual human and non-human vocal expressions and acoustic and electronic sounds. I will demonstrate that the absence of clearly defined characters does not impede meaningful relationships between the voices and the bodies on the stage and that the resulting hybrid fabric of voices and ideas might be an essential feature of this new genre of Thinkspiel.

2.7.2018

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Anna Brod: Chancen und Grenzen künstlerischer Auseinandersetzung mit dem NSU in Elfriede Jelineks „Das schweigende Mädchen“

Teilaspekt des Forschungsprojekts
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

Der Literaturwissenschaftler Andreas Heimann konstatiert in seinem Aufsatz Den Untergrund erzählen, dass in Jelineks Theatertext Das schweigende Mädchen, der
sich auf die Verbrechen der neonazistischen Terrorgruppe NSU (‚Nationalsozialistischer
Untergrund’) und deren juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung im sog. NSU-Prozess bezieht, „die generelle Möglichkeit einer Bewältigung der Geschehnisse in der künstlerischen Auseinandersetzung in Frage“1) gestellt werde. Mein Beitrag für den Nachwuchsworkshop, der ein Teilkapitel meines Dissertationsprojekts und eine Fortsetzung meiner im letzten Workshop vorgestellten Überlegungen darstellt, versteht sich als Widerrede: Auch wenn im Theatertext permanent Wissen infrage gestellt wird, wenn beispielsweise die Figuren ‚Engel’ und ‚Propheten’ sowohl in juristischer als auch in religiöser Hinsicht an ihrer Aufgabe des Bezeugens scheitern oder die Position des Bezeugens wie von der auf die Autorin verweisenden Figur ‚Ich’ gänzlich abgelehnt wird, bedeutet das keine grundsätzliche Absage an das Wirkungspotenzial politischer Kunst. Mein Ziel ist es zu zeigen, dass Jelinek ihrem Theatertext, der für eine Aufführung vor ZuschauerInnen bestimmt ist, vielmehr das Potenzial zuschreibt, als Schauspiel eine Erfahrung des Erschauens zu ermöglichen, die rein diskursive Erkenntnis (ratio bzw. dianoia) überschreiten und eine intuitive Einsicht in größere Zusammenhänge (intellectus bzw. nous) ermöglichen kann. Dazu analysiere ich die intertextuellen Bezüge in Das schweigende Mädchen zu Giorgio Agambens Das unsagbare Mädchen und stelle Elemente aus den beiden Inszenierungen in München und Dortmund vor, die dies Form der Erkenntnis unterstützen können.

Fußnoten
Heimann, Andreas: Den Untergrund erzählen. Textuelle Verfahren der Leerstelle und des Unbestimmten in Elfriede Jelineks Das schweigende Mädchen. In: Kritische Ausgabe. Zeitschrift für Germanistik & Literatur 20 (2016), Nr. 31 Untergrund, S. 7‐11, hier: S. 10.

2.7.2018

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Francesco Albé: „Wir sind die Vergessenen, uns kennt man schon nicht mehr.“ – Forgetting „Otherness“ and Disturbing „Sameness“ in Elfriede Jelinek´s „Die Schutzbefohlenen“

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

This paper explores the mechanisms of construction of ‘otherness’ at both the levels of language and content in Elfriede Jelinek’s text Die Schutzbefohlenen and in its English translation.
Firstly, Lyotard’s critique of Hegel and conception of a politics of forgetting will be applied to the text as a productive tool to enrich a post-modern reading. In Heidegger and the “jews”, Lyotard introduces the “jews” as the unrepresentable excess of our identity, that unconceivable element which needs to be removed, exterminated, forgotten for a sense of unified, pure identity to be secured. Jelinek’s “wir”/“we” in Die Schutzbefohlenen, hovering between being and non-being, untimely beyond time and space, dissolving in water into nothingness, indeed embody the Lyotardian ‘forgotten’ that the West drowns in a desperate attempt to prevent this threat from coming to the surface to be seen, heard and disturb the illusion of an identity.
Secondly, the analysis will incorporate a queer, postcolonial perspective by applying Sara Ahmed’s concept of ‘spatial orientation’ and ‘normalisation of directions’ to highlight the way in which the textual references to movements reveal and challenge totalizing ideals of “sameness” and spatial identity (nationalism).
In this respect, the paper pays close attention to linguistic mechanisms of inclusion and exclusion and to the tension/interplay between patterns of unification and fragmentation. These include: alternations of the particles “ein-“ and “aus-” and the personal pronouns “wir”, “Sie”, “du”, “ihr”; subjectification and objectification; the conflation between an all-encompassing divine and bureaucratic authority; play on words in revealing the hypocrisy of democratic ideals.
These aspects are analysed by comparing the text with the English translation (Charges (The Supplicants)) highlighting potential translation challenges, gains, losses and the way the two languages use their linguistic and cultural specificities in ‘othering’ and ‘queering’.
Lyotard’s forgotten “jews” and Ahmed’s displaced others emerge as productive elements which, applied to the German and English texts, enhance Jelinek’s disruption of any comforting, unifying pattern of identity and of those grand narratives of freedom and humanity that Europe holds dear, exposing their hidden yet dangerous mechanisms of selective inclusion and oppressive exclusion.

2.7.2018

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Katharina Heigl: „Es ist so oft versucht worden, ihnen Menschenfleisch abzugewöhnen, aber sie essen es halt gar zu gern.“ Zum Zusammenhang von Shoah- und Kannibalismus-Tabu in Elfriede Jelineks ‚Die Kinder der Toten‘

Bachelorarbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Shoah-Tabus anhand des Kannibalismus-Tabus in Elfriede Jelineks „Die Kinder der Toten“. Methodisch orientiert sie sich an Jessica Ortners Analyse des Romans, die sich Algirdas Greimas‘ Strukturaler Semantik bedient. Anders als bei Ortner wird hier jedoch dargelegt, dass Jelineks spezifische Schreibweise weniger einer Darstellungsproblematik der Shoah, als vielmehr einer Tabuisierung derselben geschuldet ist.

In einem einführenden Theorieteil wird zunächst der Tabubegriff im Hinblick auf seine kulturfunktionale Bedeutung und im Rückgriff auf Freuds „Totem und Tabu“ eingeführt, anschließend das spezifische Tabu des Kannibalismus unter besonderer Berücksichtigung der sprachlichen und literarischen Darstellungsverfahren näher beleuchtet und abschließend die verwendete Methodik erläutert.

Im dritten Teil der Arbeit wird gezeigt, dass die Repräsentation der Shoah als Metasemie eben jene als grundlegendes Tabu des Romans ausweist, welches aber gerade durch die spezifische Art der Darstellung intakt bleibt. Die konkrete Verknüpfung von Kannibalismus und Shoah erfolgt im nächsten Schritt der Analyse. An ausgewählten Textstellen wird nachgewiesen, dass die fortlaufende Tabuisierung der Shoah im gesellschaftlichen Diskurs sowohl auf Opfer- als auch auf Täter-Seite problematische Folgen hat. Dabei wird auch herausgearbeitet, wie Jelinek über das Kannibalismus-Motiv ihre Gedächtnispolitik zum Ausdruck bringt.

Bachelorarbeit Heigl

25.6.2018

Nicolai Busch: Wut als Text-Kontext Phänomen. Am Beispiel von Elfriede Jelineks Wut (2015)

Masterarbeit

Konzept der Masterarbeit

In ihrem Theatertext Wut widmet sich Elfriede Jelinek 2015 erstmals intensiv jener Emotion, die ihrem Œuvre als produktive Grundstimmung längst eingeschrieben ist. Verfasst in den Wochen nach den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris im Januar 2015, bewegt sich der Text in unterschiedlichsten Diskursräumen internationaler Raserei. Sprachfetzen sprechwütiger Bürger, digitaler Hetzer, Völkermörder aus Ruanda, rechter Ideologen, islamistischer Terroristen und antiker Götter hat die Autorin ihrem kulturellen Erregungsspeicher entrissen und neu angeordnet.

Vor dem Hintergrund aktueller Emotionsforschung erörtert das Projekt die Emotion ›Wut‹ zunächst als Diskursphänomen und entwickelt anschließend eine Text-Kontext-Theorie zur Analyse ihrer Repräsentationsformen im literarischen Text. Die Art und Weise, wie Jelineks Wut die Kontingenz der Emotion, ihre Unmittelbarkeit, ihre Bildhaftigkeit und ihre religiöse Mythenhaftigkeit dekonstruiert, offenbart sich dem Projekt als selbstreflexive Verhandlung der Möglichkeiten und Grenzen einer literarischen Darstellung von Emotion. Unter der postmodernen Folie Frederic Jamesons erscheint Jelineks ›Wut‹ als ästhetisch und kulturell gleichgeschaltes Phänomen unserer Zeit.

18.5.2018

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Franz Hintereder-Emde: Schneewittchen in der Literatur des 20. Jahrhunderts

Aufsatz

Abstract

Anlässlich des 200-jährigen Erscheinungsjubiläums der Kinder- und Hausmärchen von den Gebrüdern Grimm im Jahr 2012 fand insbesondere Schneewittchen vermehrte Aufmerksamkeit. Im Rahmen eines Projekts zum Thema Hohe und niedere Literatur habe ich mich mit unterschiedlichen Verfilmungen davon beschäftigt. Schneewittchen wurde aber auch in der Literatur bereits früher mehrfach adaptiert.
In meinem Projekt Schneewittchen in der Literatur des 20. Jahrhunderts beschäftige mich mit den unabhängig voneinander entstandenen Schneewittchen-Bearbeitungen folgender Autoren: mit Robert Walser (1878-1956), mit dem Amerikaner Donald Barthelme (1931-1989), mit der amerikanischen Lyrikerin Ann Sexton (1928-1974) und schließlich mit Elfriede Jelinek (1946-).
Ausgangspunkt ist das Dramolett Schneewittchen von Robert Walser, das 1901 in der Zeitschrift die Insel erschienen ist. Hier wird ein reflektierend-argumentierendes Schneewittchen gezeigt, das den Verlauf des Märchens aus der Bahn wirft. Das Novum besteht darin, der stereotypen Prinzessinnenfigur psychische und reflexive Züge zu verleihen. In meinem Projekt, das von meiner Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Yamaguchi gefördert wird, will ich untersuchen, wie die Schneewittchen-Figur im jeweiligen Zeitkontext, vom postmodernen Anti-Märchen Barthelmes über „confessional poetry“ von Ann Sexton bis hin zu Jelineks Gender- und Machtdiskurs in ihren Prinzessinnendramen interpretiert wird.
Geplant ist eine Publikation in japanischer Sprache in der Zeitschrift Hikakubungaku/Journal of Comparative Literature und in deutscher Sprache in der japanischen Zeitschrift Neue Beiträge zur Germanistik.

3.4.2018

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Cornelia Wech: Pushing at Boundaries and Challenging Normativity in the Writing of Elfriede Jelinek, Elisabeth Reichart and Charlotte Roche

Dissertation

Abstract

Diese Dissertation beschäftigt sich mit Normativität im Werk der deutschsprachigen Autorinnen Elfriede Jelinek, Elisabeth Reichart und Charlotte Roche. Obwohl die drei Autorinnen nicht nur unterschiedlichen Generationen angehören, sondern auch verschiedenen professionellen und künstlerischen Hintergründen entstammen, eint ihr Werk die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau und weiblicher Identität in unserer Gesellschaft. Gerade weil sich Jelinek, Reichart und Roche auf unterschiedliche Weise mit der Verbindung zwischen Identität, Sprachgebrauch und Machtstrukturen beschäftigen, verspricht eine komparative Analyse ihrer Werke zu veranschaulichen, wie normatives Denken auf verschiedenen Wegen aufgebrochen werden kann.
Theoretische Grundlage der Dissertation ist die Annahme, dass Gender, Sexualität und Identität keineswegs essentialistische, natürliche Kategorien sind, sondern performativ hergestellt werden und dabei einer ganzen Reihe von sozialen, kulturellen und politischen Normen unterliegen. Nach Judith Butler werden Gendernormen performativ durch sprachliche und körperliche Akte reproduziert, was bedeutet, dass diese wiederum durch genau diese Akte destabilisiert werden können. Verstehen wir Literatur und den einzelnen Text selbst als performatives Medium, kann gezeigt werden, wie literarische Werke Gendernormen sichtbar machen und kritisieren.
Unter der Berücksichtigung von Performativitäts- und Performancetheorie werden daher einerseits ausgewählte Texte der drei Autorinnen analysiert, die sich sowohl thematisch mit gender- und geschlechtsspezifischen Fragen auseinandersetzen, als auch ästhetische Konventionen aufbrechen. Das passiert beispielsweise im Überschreiten von narrativen Grenzen oder in der Schwierigkeit, sie einem bestimmten Genre zuzuordnen. Andererseits wird auf die unterschiedlichen Kontexte der Publikationen und deren Rezeption in Medien und Wissenschaft eingegangen, um nachzuvollziehen, wie die Texte selbst als kulturelle Äußerungen die Realität, in der sie produziert wurden, reflektieren. Hinterfragt wird hierbei zudem, inwieweit sich die Autorinnen in ihrem Werk mit feministischen, psychoanalytischen und literarischen Theorien und Traditionen auseinandersetzen bzw. sich davon distanzieren.
Es wird davon ausgegangen, dass Texte nicht nur den Kontext, in dem sie produziert wurden, reflektieren, sondern auf unterschiedliche Weise Einfluss auf die Leser/innen haben. Ziel dieser Dissertation ist daher, sichtbar zu machen, wie die Werke Jelineks, Reicharts und Roches Normen nicht nur aufzeigen und kritisieren, sondern eine Art Intervention darstellen, die den Leser/innen Raum für Reflektion und Hinterfragen der Normen in ihrer eigenen Realität geben.

19.2.2018

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Kathrin Klöckl: Fragmentieren, Animalisieren und Verdinglichen. Zur Funktion von Körper(de)konstruktionen in ausgewählten Werken Maria Lassnigs und Elfriede Jelineks

Diplomarbeit

Die Schriftstellerin Elfriede Jelinek und die Malerin Maria Lassnig gehören zu den wichtigsten Vertreterinnen ihrer Generation. In dieser Arbeit werden ausgewählte Werke der beiden Künstlerinnen einem intermedialen Vergleich unterzogen und so eine Brücke zwischen Literatur und Malerei geschlagen. Dabei determiniert vor allem Lassnigs und Jelineks spezifischer Umgang mit dem menschlichen Körper – sei es als künstlerisches Motiv, als Komponente im künstlerischen Produktionsprozess oder als Denkfigur im theoretisch philosophischen Diskurs – die Perspektive der Analysen. In der Repräsentation, respektive Konstruktion von Körperbildern greifen beide Künstlerinnen, wie gezeigt wird, auf drei zentrale künstlerische Verfahren zurück: Namentlich das Fragmentieren, Animalisieren und Objektivieren des mehrheitlich weiblichen Körpers. Um die Funktion und die Bedeutung dieser Verfahren offen zulegen, wurde ein Rückgriff auf feministisch-psychoanalytische Theorien – unter ständiger Berücksichtigung des Konzepts der Dekonstuktion – und die Analyse der Werke im Kontext der Tradition von Groteske und Ironie vorgenommen. Dabei zeigte sich, dass die künstlerischen Verfahren des körperlichen Fragmentierens, Animalisierens und Verdinglichens auf den Symbolcharakter des (weiblichen) Körpers referieren und daher in zwei Kontexten gelesen werden können: Erstens, als die Auseinandersetzung beider Künstlerinnen mit der Krise weiblicher Identitätsrepräsentation jenseits einer wie auch immer gearteten Form der Körperreferenzialität, innerhalb einer patriarchal-kapitalistisch geprägten Ordnung und zweitens, als spezielle Ausprägungen von Ironie und Groteske, teilweise Michael Bachtins Konzept des grotesken Leibes travestierend, welche die Praktiken tradierter Körperrepräsentation in Frage stellen und so den Werken der beiden Künstlerinnen ein gesellschaftspolitisch subversives Potential verleihen.

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14.2.2018

Informationen zu Kathrin Klöckl