Arati Kumari: In search of an “other” theater with Elfriede Jelinek

Dissertation

Abstract

Jelinek’s theater is a product of the complexity of the present (Gegenwart), which emerges out of human progress in different spheres of knowledge in the vast span of time and space of human history. While drawing from different sources (literature, philosophy, history, news, fiction, discourses, other mediums (like television, radio) etc.), Jelinek makes diverse rhizome, and this research work aims to work around those tubers, which link different territories to each other. This research work, which looks at Jelinek’s theater work, as a “complex whole”, is premised on the idea that Jelinek’s theater works are rhizomatic in nature. If written in a rhizomatic fashion, the writings, as they come into the contact of “other” territory, for instance, Jelinek’s theater texts, as they join the field of performance art, they make more rhizomes and hence expand the territory of a particular theater text as well as the piece of performance, which is based on the particular theater text, further. There is where an “other” aesthetic emerges and this emergence of ‘other’ aesthetics is not one time phenomenon, a new aesthetic emerges each time, the text and the performance field join each other. In other words, the deterritorialization of the territories of the literature and the theater is to be achieved in the “other” theater that Jelinek proposes. This research work aims to study the process of this “deterritorialization” in four chapters:
I. Understanding Performance, its Aesthetics and its Emergence Properties: In the first part of the proposed research work, the focus will be in understanding the theories which can be supportive towards exploration of Elfriede Jelinek’s concept of “other” theater.
II. Reading Theater in Jelinek’s Plays: This chapter will takes into account those tubers from the rhizome that Jelinek’s work creates that appear to be carrying properties for the emergence of other ways of doing theater.
III. Engagement with Elfriede Jelinek’s Texts on Theater: This chapter engages itself with Jelinek’s texts on theater and attempts to conceptualize the theater aesthetic that emerge out of her texts.
IV. Analysis of the performance of the Über Tiere and Begierde und Fahrerlaubnis : First, there will be a reading of the two theater texts, Über Tiere and Begierde und Fahrerlaubnis, which will follow with the analysis of the, performance of the texts, Über Tiere under the direction of Nicolas Stemann in 2007 in Berlin and Begierde und Fahrerlaubnis under the direction of Ulrike Ottinger in 1986 in Graz.

17.7.2017

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Patricia Heide: Die Rhetorik des postdramatischen Raumes

Seminararbeit

Ob geographische Gegebenheiten, urbane oder ländliche Settings, topologische Kulissen, kulturelle Raumvorstellungen, familiäre und öffentliche Räume, ob Literaturräume oder performative Raumkonzepte – Jelineks Die Schutzbefohlenen bietet ein breites Spektrum an multiperspektivischen Raumkonstruktionen und an unterschiedlichen raumtheoretischen Zugängen. Wer hat Zutritt zu einem bestimmten Raum und wem wird dieser verwehrt? Unterliegen Räume und damit einhergehend auch die dort lebenden und existenten Figuren kulturellen Attributionen, gesellschaftlichen Hierarchien und Zuschreibungen? Elfriede Jelinek diskutiert diese Fragen in ihrem postdramatischen ‚Flüchtlingswerk‘ Die Schutzbefohlenen kontrovers und lässt so Aspekte der Mobilität bzw. Immobilität, der Grenzakzeptanz bzw. Grenzüberschreitung, der Inklusions- und der Exklusionsprozesse sowie Aspekte der xenophoben Stimmen und Gruppierungen relevant werden. Sie konstruiert dabei sowohl architektonische, abstrakte als auch exklusive Räume und vernetzt sie geschickt miteinander, sodass Jelinek eine eigene postdramatische Raumkonzeption entwirft, die in Analogie zu den Raumtheorien Hans-Thies Lehmanns und Erika Fischer-Lichtes betrachtet werden kann. Die Arbeit stellt zunächst deren postdramtische Raumkonzepte vor, bevor Analysen des Raumes in Die Schutzbefohlenen hinsichtlich der Architektur, der Abstraktion, der Exklusivität sowie der Intertextualität angestellt werden.

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1.6.2017

Kathrin Schaber: Haider scheibchenweise oder: Den Trümmern auf der Spur

Bachelorarbeit

Die vorliegende Arbeit fokussiert auf die verschiedenen Teilaspekten, die Jelinek bei
der Sektion der fiktiven Haiderfigur im Lebewohl zum Vorschein bringt. Die Vorlage
des Kärntner Politikers wird dabei als Mythologem für die Mythenkomplexe im
Zusammenhang einerseits mit Heimat und andererseits mit Sexualität gesehen. Ziel
dieser Arbeit ist es, als eine Art Vergrößerungsglas auf den Mythenkadaver Haider
zu blicken und dabei freizulegen, welche Teilebenen Jelinek im Zuge ihrer
dekonstruktivistischen Vorgangsweise im Lebewohl bespielt und welche Strategien
dabei zum Einsatz gelangen. Dabei wird insbesondere Jelineks Verfahren der
Entmythologisierung, das auf Roland Barthes zurückgeht 1), vordergründig betrachtet.
Im Zusammenhang mit den Teilaspekten des Mythos Sexualität setzt sich Jelinek im
Lebewohl mit Aspekten der Verführung auseinander, die sie auf unterschiedliche
Weise an realgeschichtliche Personen und Ereignisse anbindet, um ihren Ersatz-
Haider als Abziehbild eines homophilen Casanovas zu destruieren. Daneben
konstruiert Jelinek (Zerr-)Bilder der Versuchung, die sie letztlich in den Dienst
sexueller bzw. geschlechtlicher Ambivalenz stellt.
Jelinek bemüht im Lebewohl ebenso die Schnittstelle zum Mythenkomplex Heimat
und entlarvt den Monologsprecher als (Un-)Schuldslamm im Wolfspelz. Der
homoerotischen Komponente setzt sie einen ordentlichen Verfechter (r)echter Werte
entgegen und deformiert den Mythos Haider schließlich als reumütigen Heuchler im
Büßerhemd.

1) Vgl. Sander, Margarete: Textherstellungsverfahren bei Elfriede Jelinek. Das Beispiel „Totenauberg„. Würzburg: Königshausen und Neumann 1996. S. 14.

12.5.2017

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Svenja Leymann: Kritik der Vielen. Perspektivenwechsel und dekonstruktive Berichterstattung in Elfriede Jelineks „Rechnitz (Der Würgeengel)“

Bachelorarbeit

In ihrem Theatertext Rechnitz (Der Würgeengel) erschafft Elfriede Jelinek ein diverses Gemenge an Botenfiguren, welche sich in ihren Sprechrollen rapide abwechseln. Die einzelnen Stimmen lassen sich dabei kaum noch unterscheiden und fließen an vielen Stellen zu konträren und widersprüchlichen Aussagen zusammen, sodass weder die Sprecherinstanzen, noch die jeweiligen Perspektiven einer einheitlichen Ordnung unterworfen zu sein scheinen. Somit entsteht in der Ganzheit ein Theatertext, in welchem die literarische Verarbeitung der Geschehnisse des Massakers von Rechnitz im März 1945 offenbar aus verschiedensten Blickwinkeln erwirkt werden sollte.

In der vorliegenden Bachelorarbeit soll versucht werden, durch die Analyse der verwendeten Sprecherinstanzen und Perspektivenwechsel zu belegen, dass dieses Vorgehen von Jelinek als Mittel dekonstruktiver Berichterstattung verwendet wurde, mithilfe welcher die Autorin Kritik an einer subjektiven Geschichtsschreibung üben möchte. Hierzu erfolgt eine zentrierte Konzentration auf die Instanzen „Täterschaft“, „sekundäre Zeugenschaft“, „Medien und Berichterstattung“ sowie „abwesende Opferstimmen“. Diese werden in den Kontext der dekonstruktiven Berichterstattung gestellt und es soll aufgezeigt werden, dass mit deren Verwendung (I) die Divergenz moralischer Instanzen aufgezeigt, (II) Kritik am Anspruch „wahre Geschichtsschreibung“ geübt sowie (III) die Zerstörung einer linearen Zeitauffassung erwirkt werden soll.

12.5.2017

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Karolin Baumann: Das gleichzeitige Ungleichzeitige. Verfahren der Geschichtsdekonstruktion in Elfriede Jelineks Botenbericht „Rechnitz (Der Würgeengel)“

Seminararbeit

„Ohne die Geschichte gäbe es die Boten nicht. Ohne Boten, ohne ihr unaufhörliches Sprechen, […] gäbe es die Geschichte nicht.“ 1) In ihrem postdramatischen Botenbericht Rechnitz (Der Würgeengel), 2008 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt, tritt eben jenes dekonstruktivistische Geschichtskonzept Elfriede Jelineks abermals deutlich zutage: Sprache und Sprechen fungieren gleichermaßen als Konstrukteure und Destruenten von Vergangenheit und Erinnerung. Anhand dieses Ausgangspunktes fokussiert die vorliegende Arbeit die These, dass die Autorin die zu Wort kommenden Botinnen und Boten in ihrem Theatertext als Prototypen eines dekonstruktiven Zwischenraums konzipiert. Die reflektierte Fortschreibung einerseits und ironisierte Modifikation der Strategien des antiken Botenberichts andererseits werden dabei zum allegorischen Thema des Textes: Stimmen aus dem Heute und Damals, kalibriert durch die Botenrede, werden als Verweis auf die Unmöglichkeit des angemessenen Sprechens über Kriegsverbrechen und Völkermord variiert. Aus diesen Sprechweisen resultiert nicht nur die Infragestellung von Handlungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der berichtenden Botinnen und Boten, sondern auch die Auflösung eines klassisch-dramatischen Zeitkontinuums und die Verwischung dichotomer Kategorien wie Wahrheit und Lüge, Tugend und Boshaftigkeit, Moral und Verbrechen. Das polyphone Stimmgeflecht aus Täter-, Zeugen- und Nachgeborenenpositionen sowie die Parallelisierung mannigfacher Diskurse aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lassen ein alternatives, resignatives Konzept von Historizität entstehen.

1) Jelinek, Elfriede: Gesprochen und beglaubigt. Dankesrede zur Verleihung des Mülheimer Dramatikerpreises 2009. In: Janke, Pia / Kovacs, Teresa / Schenkermayr, Christian (Hg.): „Die endlose Unschuldigkeit“: Elfriede Jelineks Rechnitz (Der Würgeengel). Wien: Praesens 2010 (= Diskurse.Kontexte.Impulse. Publikationen des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums. Bd. 6), S. 453–455, hier S. 453.

20.4.2017

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Florian Heilinger: Kannibalismus als Motiv und Metapher in „Präsident Abendwind“ von Elfriede Jelinek

Bachelorarbeit

Anthropophagie, also der Verzehr von menschlichem Fleisch, stellt seit Menschengedenken einen der unsäglichsten Tabubrüche abendländischer Gesellschaften dar. Diente der Vorwurf der „Menschenfresserei“ üblicherweise zur Abgrenzung der eigenen, „zivilisierten“ und damit überlegenen Gesellschaft gegenüber den „Wilden“, so kann hinter solch einem bloßen Distanzierungsversuch oftmals noch weit mehr verortet werden. Wenn sich Elfriede Jelinek nun in ihrem Theaterstück aus dem Jahr 1988 in Sachen Handlungsverlauf und Sprachduktus durchaus bemerkenswert an die Vorlage Häuptling Abendwind von Johann Nestroy anlehnt und bereits bei Nestroy das Motiv des Kannibalen und die mit ihm verbundene Verwendung als Metapher nicht zufällig gewählt war, so treibt Jelinek dieses Spiel nochmals auf die Spitze. So offenbaren sich, unter der Prämisse einer historisch-kontextualisierten Betrachtungsweise, unter der „Hülle“ des Kannibalen in Präsident Abendwind und seiner einfältig-polemisierenden Wesensart scharfe Kritik an vorherrschender Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, Wert- und Moralvorstellungen bezogen auf ebenjene und nicht zuletzt auch ein überaus deutliches Unbehagen gegenüber dem Ausgang einer zeitnah zum Erscheinen des Stücks erfolgten Österreichischen Bundespräsidentschaftswahl.

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20.4.2017

 

Ann Schroeder: Das Dilemma der weiblichen Autorin. Elfriede Jelineks öffentliche und literarische Selbstinszenierung

Masterarbeit

Als Nobelpreisträgerin wurde sie ausgezeichnet, als „Nestbeschmutzerin“ in Österreich diffamiert. Ihre Werke, seien es Essays zu politischen Themen, Romane oder Theaterstücke, sind von einer derartigen Sprachradikalität geprägt, dass sie entweder als unlesbar verschrien oder als große Sprachkunst gelobt werden. Neben der umfangreichen Rezeption und den vielen wissenschaftlichen Analysen von Jelineks Werken wird auch immer häufiger ihre öffentliche Präsenz um Untersuchungsgegenstand. Jelineks äußere Erscheinung und ihr Modestil sowie ihre neurotischen Veranlagungen wurden schon des Öfteren, vor allem in kommerziellen Frauenzeitschriften und im Feuilleton, aber auch zunehmend in wissenschaftlichen Untersuchungen, thematisiert. Die soziologische, literatur- und kulturwissenschaftliche Funktion dieser Öffentlichkeitspräsenz als Ritual der Inszenierung bleibt jedoch häufig hinter einer reinen Deskription des Phänomens zurück.

Die vorliegende Untersuchung unterstellt Elfriede Jelinek nicht primär wirtschaftliche, kommerzielle Gründe ihrer Selbstinszenierung, sondern geht davon aus, dass Jelineks Inszenierung auch ein ‚Aufmerksammachen‘ auf hermeneutische Zugänge und Rezeptionsmuster weiblicher Autorschaft ist. Denn die ursprüngliche Idee, Parallelen zwischen Jelineks Selbstinszenierung und ihren Romanfiguren zu erarbeiten, scheiterte an der Erkenntnis, dass Jelinek genau diese Form der Rezeption und Interpretation durch ihre öffentliche Selbstinszenierung zwar fördert, aber nur um sie vorzuführen und zu kritisieren.

Die folgende Arbeit gibt einen Einblick in Jelineks Selbstpräsentation und arbeitet deren Funktionen heraus. Diese lassen sich vor allem als Reflexion der Bedingungen des eigenen weiblichen Schreibens und der Mechanismen des Literaturbetriebs verstehen und erfüllen damit diskursive Funktionen über die Paradigmen moderner weiblicher Autorschaft.

20.4.2017

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Irene Husser: Kunst/Politik nach der Geschichte. Postmoderne Interventionen bei Elfriede Jelinek und Herta Müller (Arbeitstitel)

Dissertation

Abstract

Elfriede Jelinek und Herta Müller zählen zu den prominentesten Vertreterinnen einer politischen Gegenwartsliteratur, die das Verhältnis von Sprache und Macht, Subjekt und Geschichte ästhetisch verhandelt und sich zum aktuellen Tagesgeschehen positioniert. Oben auf der kunstpolitischen Agenda der beiden Autorinnen steht dabei die Frage nach der Möglichkeit der (literarischen) Intervention und Subversion des gesellschaftlichen Status quo. Dass diese Frage eine historische Signatur trägt und ein Symptom wirtschafts-/politischer und soziokultureller Transformationen in der Spätmoderne bezeichnet, die sich in Theorien und Kulturpraktiken der Postmoderne manifestieren und so auch die Entwicklungen des literarischen Feldes prägen, soll in dem Dissertationsprojekt auseinandergesetzt und anhand des Werkes der Autorinnen diskutiert werden.
Dabei soll zunächst erläutert werden, wie sich die Texte von Elfriede Jelinek und Herta Müller in der Thematisierung von Geschichte, Gewalt und Macht zu den zentralen kulturpolitischen und ideologischen Umwälzungen am Ende des 20. Jahrhunderts verhalten, die sich im Zeichen der Postmoderne vollziehen und ein posthistoristisches Ethos der Indifferenz hervorbringen. Ausgehend davon gilt es angesichts der mit der Ökonomisierung und Medialisierung kultureller Differenz verbundenen Reorganisation des literarischen Feldes (vgl. Tommek) darzulegen, wie in ausgewählten Theatertexten Jelineks (u.a. Wolken.Heim., Ulrike Maria Stuart, Das schweigende Mädchen, Die Schutzbefohlenen, Wut) und Müllers Romanen und Essays (u.a. Atemschaukel, Herztier, Der König verneigt sich und tötet) das Problem der strukturellen Unmöglichkeit bzw. Illegitimität einer politischen Gegenwartsliteratur (formal-)ästhetisch und poetologisch reflektiert wird. Das Ziel dieser Studie besteht also darin, das literarische Schaffen von Elfriede Jelinek und Herta Müller einer stringenten Historisierung zu unterziehen, in deren Zuge nicht nur die zentralen Aspekte und Produktionsbedingungen ihrer Texte freigelegt, sondern auch in der Auseinandersetzung mit den beiden Autorinnen eine methodologische Kritik des „Kulturalismus als Zeitgeist“ (Maderthaner/Musner) formuliert werden soll.

23.11.2016

Informationen zu Irene Husser

Kerstin Bertsch: „Flüchtlinge“ auf der Bühne. Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ in der Inszenierung von Nicolas Stemann und Michael Thalheimer

 

Masterarbeit

Die österreichische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek nahm 2012 die Proteste von Refugees und deren UnterstützerInnen vor und in der Votivkirche in Wien zum Anlass für ihren Theatertext Die Schutzbefohlenen. Diesen hat Jelinek mit Form und Motiven des antiken Dramas Die Schutzflehenden von Aischylos – das lässt bereits der Titel des Stücks erkennen – sowie mit existenzphilosophischen Motiven verschränkt. Nach den Ereignissen vor Lampedusa im Jahr 2013 und zahlreichen medialen Debatten zur Flüchtlingssituation in Europa, hat die Autorin ihre Textfläche mehrmals überarbeitet und erweitert. Im Stück verhandelt Jelinek Asylrechtsmissstände in Europa sowie die mediale Berichterstattung darüber.
Der Fokus der Arbeit liegt einerseits auf der Arbeitstechnik der Schriftstellerin für das Theater, ihrem politischen Schreiben und dem Verhältnis von Theater und Wirklichkeit in ihren Texten und andererseits auf den konkreten Verfahren und Mitteln der Umsetzung für das Medium Theater durch die Regisseure Nicolas Stemann (Uraufführung in Deutschland) und Michael Thalheimer (Heimholung nach Wien). Der Theaterregisseur und Jelinek-Kenner Nicolas Stemann und Michael Thalheimer, Regisseur mit Schwerpunkt auf antiken Dramen, brachten Die Schutzbefohlenen auf ganz unterschiedliche Weise auf die Bühne. Anhand der Schutzbefohlenen lässt sich eine Problematik, die in den Fachzeitschriften der letzten Jahre immer wieder aufgekommen ist, hingegen in einer theoretischen Aufarbeitung vergleichsweise wenig präsent war, diskutieren: Wer spricht? Welche SprecherInneninstanzen gibt es? Und wer (re-)präsentiert am Theater wann wen in welchem Kontext?

8.11.2016

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Informationen zu Kerstin Bertsch

Ingrid Hable: Intertextualität und intradiegetische Schriften in Thomas Bernhards „Der Untergeher“ (1983) und Elfriede Jelineks „Die Klavierspielerin“ (1983)

Diplomarbeit

Die Arbeit unternimmt eine vergleichende narratologische Analyse von Thomas Bernhards Der Untergeher und Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin und gibt Aufschluss über die in diesen Werken transportierte Weltsicht. Insbesondere werden die Aussagen der Texte über die Möglichkeiten und Grenzen sprachlicher Kommunikation und des Wirklichkeitszuganges erschlossen sowie die aus den Texten ableitbaren Sinnkonzepte.
In einem ersten Schritt wird die Erzählstruktur beider Werke im Hinblick auf Erzählinstanzen, Figurengestaltung und die Konstruktion des Raum-Zeit-Gefüges dargelegt. Dabei zeigt sich, dass die erzählerische Vermittlung der Werke durch Indirektheit und Unzuverlässigkeit gekennzeichnet und ihre Erzählstruktur jeweils als Machtstruktur konstruiert ist.
Anschließend wird auf die in beiden Werken vorkommenden Texte im Text in ihrer Eigenschaft als selbstreflexive Elemente fokussiert. Das umfasst einerseits intertextuelle Bezüge, andererseits die von Figuren verfassten intradiegetischen Schriften. Obwohl der Einsatz solcher Texte im Text in den beiden Werken in sehr unterschiedlicher Weise erfolgt, lassen sich ähnliche Folgerungen in Bezug auf die Weltsicht der Werke ziehen: Sprache wird sowohl in ihrer Funktion als Kommunikationsmittel als auch als Instrument der Welterfassung problematisiert, dennoch erweist sich der zugleich schöpferische wie destruktive Akt des Schreibens als überlebensnotwendig. Einem aus der kulturellen Tradition abgeleiteten sinnstiftenden Kanon wird ebenso eine Absage erteilt wie Absolutheitsansprüchen jeglicher Art. Dagegen lassen sich Sinn und Weltbejahung im Überschreiten vorgegebener Normen und Konzepte und in der Akzeptanz des Scheiterns als Bedingung menschlicher Existenz auffinden.

14.10.2016

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