Gerhard Freiinger und Gerhard Niederhofer: Das Eisenerzer Gedenkprojekt

Aber diese eingebundenen Schülerinnen und Schüler haben in ihrem einmaligen großartigen Experiment nicht den See gewählt, sondern den Berg, der Todesmarsch Eisenstraße wurde von ihnen lückenlos dokumentiert, wenn man von den Lücken absieht, die die Toten gerissen haben, egal wo, nicht hier, keinesfalls hier, das steht fest, die waren ja nicht von hier, hier haben wir nur Löcher, keine Lücken, und wir haben die Berge und Seen, und wir haben diese berührende Zeremonie anläßlich einer Denkmalenthüllung am Bichlstein, alles von Schülerinnen und Schülern gebastelt, ein ganzes Denkmal, herrlich, wunderbar, ihr jungen Menschen, ich kann euch gar nicht genug danken, daß ich euch ein paar Zeilen hier bis aufs Blut schinden darf, um nicht von den Geschundenen reden zu müssen, gähn und aus. Erinnerungsarbeit und aus. (Neid 1,25)

Gedenkprojekt Todesmarsch Eisenstraße 1945. Die Stadt Eisenerz errichtet mit Jugendlichen ein Mahnmal am Präbichl

von Gerhard Freiinger und Gerhard Niederhofer

Gedenkprojekt

Impressionen vom Gedenkmarsch zur Passhöhe des Präbichls anlässlich der Mahnmalsenthüllung. In: Halbrainer, Heimo (Hg.): Todesmarsch Eisenstraße 1945. Graz: CLIO Verein f. Geschichts- und Bildungsarbeit 2005.

Der Zufall führte Regie: Bei einem Interview über den Todesmarsch der ungarischen Juden mit dem leider verstorbenen Journalisten Bert Breit, dem Landler Chronisten Walter Dall-Asen und Christian Ehetreiber im Jahr 2000 entstand die Idee, der Stadt Eisenerz die Errichtung einer Gedenkstätte zur Erinnerung an diese „vergessenen“ Opfer des NS-Regimes vorzuschlagen.
In den letzten Kriegswochen des Jahres 1945 wurden Tausende ungarische Juden vor der heranrückenden Roten Armee von Ungarn kommend nach Mauthausen deportiert. Am 7. April 1945 verübten Mitglieder des Eisenerzer Volkssturmes am Präbichl einen Massenmord an über 200 ungarischen Jüdinnen und Juden. Der Tod war – frei nach Paul Celan – kein „Meister aus Deutschland“, sondern er fand Gehilfen in Arbeitern aus Eisenerz, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass Morde an den ungarischen Juden in über 150 österreichischen Gemeinden nachweislich verübt worden sind und dass sich die Mehrheit des Eisenerzer Volkssturms nicht am Massenmord beteiligte. Die öffentliche Brisanz des Massenmordes bestand dennoch darin, dass „der Mann von nebenan“ ein Mörder war und die Flucht in die Opferrolle trotz des Mythos der Stunde Null und trotz der Bestrafung der Mörder durch das britische Militärgericht 1946 verbaut war.
55 Jahre lang wagte sich keine Gemeinde der Eisenstraße an dieses Vorhaben heran, und jetzt sollte es plötzlich soweit sein? Gesagt, gewagt: Dall-Asen, Ehetreiber und der Historiker Heimo Halbrainer referierten das Ansinnen dem damaligen Bürgermeister Hermann Auernigg, der es schließlich am 18. Oktober 2000 zu einem einstimmigen Beschluss imn Eisenerzer Gemeinderat führte.
Obwohl die SPÖ in Eisenerz über eine absolute Mehrheit verfügt, holte der Bürgermeister dennoch alle Fraktionen an Bord, um einen konsensuellen Beschluss für die parteiübergreifende Verankerung zu fassen. Diese Konsensfindung ist mühsamer als das „Durchziehen von Projekten“, doch enthebt ein Allparteienkonsens Gedenkprojekte den parteipolitischen Querelen. Der oftmals befürchtete „kleinste gemeinsame Nenner“ als „größtes anzunehmendes Unheil“ den Opfern gegenüber tritt dann nicht auf, wenn sich das Vorhaben auf der Höhe des zeitgeschichtlichen Forschungsstandes bewegt, extern moderiert wird und in der Gemeinde ein ausreichendes Maß an Um- und Durchsetzungskompetenz vorhanden ist, um Kurs zu halten. Diese Bedingungen waren in Eisenerz erfüllt: Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus wurde mit der Prozessmoderation und mit der zeitgeschichtlichen Beratung beauftragt. Die Stadt Eisenerz nominierte mit Mag. Gerhard Freiinger (SPÖ) und Gerhard Niederhofer (ÖVP) zwei Mitglieder der Stadtregierung in das Personenkomitee, das seinerseits durch das gelebte Motto „Erinnern, nicht aufrechnen“ maßgeblich zur Versachlichung des gesamten Dialogprozesses beitrug.
Nichts wurde über das Knie gebrochen: Unter diesem Motto nahmen sich die Akteure des Gedenkprojekts die notwendige Zeit für eine seriöse Erarbeitung der Thematik. In den regelmäßigen Sitzungen des Personenkomitees wurde alsbald die Idee geboren, das Vorhaben als Jugendprojektwettbewerb mit den Eisenerzer Schulen (Hauptschule I und Hauptschule II, Bundesoberstufenrealgymnasium und Bundeshandelsakademie) umzusetzen. Dadurch erhielt das Projekt seinen Aktualitätsbezug für Menschenrechte, Weltfrieden und Demokratie vor dem Hintergrund der historischen Tragödie. Überdies trugen die Jugendlichen das tabuisierte Thema „Todesmarsch“ in die Öffentlichkeit.
Der Jugendprojektwettbewerb brachte 14 hervorragende Modelle für die Gedenkstätte hervor, die von einer Fachjury bewertet wurden. Die SchülerInnen der HS II, der HS II, des BORG und der BHAK Eisenerz hatten unter Anleitung ihrer Lehrerinnen sehenswerte künstlerische Arbeit geleistet, die nicht nur im Stadtmuseum Eisenerz, sondern als Wanderausstellung auch in der Synagoge in Graz, im Museum Arbeitswelt Steyr und in steirischen Gemeinden zu bewundern war.
Die Idee, eine aus Metallkörben bestehende und mit Steinen befüllte Mauer als Träger für die figuralen Darstellungen von stürzenden Menschen zu errichten, stammte vom Architekten DI Horst Gaisrucker, einem Mitglied des Personenkomitees. Die jugendlichen Künstler wurden freilich auch in die Konsensfindung der Umsetzung aktiv einbezogen: Einhellig begrüßten sie die innovative technische Ausführung der Mauer als modular zusammengesetzte, mit Steinen vom Erzberg befüllten Stahlgitterkörben. Die SchülerInnen füllten diese Stahlkörbe eigenhändig mit rund 30t Gestein vom steirischen Erzberg unter der fachkundigen Begleitung von Sebastian Hofer (Firma BTE) und Hauptschuloberlehrer Karl Heinz Schober.

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Mitarbeiter der Firma BTE montieren gemeinsam mit Eisenerzer Jugendlichen die Edelstahlfiguren auf die Stahlkörbe. In: Halbrainer, Heimo (Hg.): Todesmarsch Eisenstraße 1945. Graz: CLIO Verein f. Geschichts- und Bildungsarbeit 2005.

Am 17. Juni 2004 erfolgte schließlich die Enthüllung des Mahnmals am Präbichl mit rund 500 Gästen aus dem In- und Ausland. Das Gedenkprojekt hatte sich längst zu einem Projekt der Eisenstraße entwickelt, mit den berührenden Beiträgen der Eisenerzer Jugendlichen, des BG/BRG Leoben II und der HLW Weyer. Einige steirische Gemeinden hatten sich mit Spenden an der Errichtung des Mahnmals beteiligt, der Stadt Eisenerz zu diesem wichtigen Schritt der Aussöhnung mit den Opfern anerkennende Grußnoten übermittelt und an der Eröffnungsfeier teilgenommen. Ihre besondere Auszeichnung erhielt die Veranstaltung jedoch durch die Anwesenheit der beiden überlebenden ZeitzeugInnen des Todesmarsches, Judita Hruza aus den USA und Bela Budai aus Ungarn.
Ein Gedenkmarsch aller Generationen anlässlich der Denkmalsenthüllung führte entlang der alten Präbichlstraße, auf der vor fast 60 Jahren das unheilvolle Massaker geschehen war. Der SchülerInnenchor der HLW Weyer, die in Diepoldsau seit einigen Jahren ein vergleichbares Gedenkprojekt an den NS-Terror entlang der Eisenstraße betreut, sang das KZ-Lied „Die Moorsoldaten“ als Auftakt zur Eröffnungsfeier. Für die musikalische Einrahmung der Feier sorgte Prof. Clemens Neugebauer mit seiner Band Classic Jazzma.
Nach den berührenden Ansprachen Judita Hruzas und Maria Maunz‘, die mit ihrer Mutter den gepeinigten Juden des Jahres 1945 durch die Gabe von Brot und Kartoffeln beigestanden war – trotz Todesdrohungen des Volkssturrns! -, lag tiefe Betroffenheit über den vielen anwesenden Menschen. Würdevoll reihten sich danach die Reden von Landesrat Dr. Kurt Flecker, Landtagsabgeordnetem Bürgermeister Friedrich Kreisl, Bürgermeister Mag. Gerhard Freiinger, Vizebürgemeister Gerhard Niederhofer, Karen Engel von der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Fritz Inkret für die Opferverbände der vom Nationalsozialismus Verfolgten, DI Horst Gaisrucker für das Personenkomitee und den SchülerInnen Michaela Glatz, Jutta Leis und Armin Bahr in die feierliche Grundstimmung ein.
Bürgermeister Freiinger und Vizebürgermeister Niederhofer überreichten Judita Hruza schließlich ein Bild des Künstlers Albert Ecker. Nach der feierlichen Enthüllung der Gedenkstätte wurde von den SchülerInnen des BG/BRG Leoben neu unter der Leitung von Prof. Wini Hofer das Theaterstück „Wenn die Steine weinen …“ erstaufgeführt, in welchem der Leidensweg Judita Hruzas rekonstruiert wurde.

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Szenenausschnitte des Theaterstücks „Wenn die Steine weinen“. In: Halbrainer, Heimo (Hg.): Todesmarsch Eisenstraße 1945. Graz: CLIO Verein f. Geschichts- und Bildungsarbeit 2005.

Den Schlusspunkt der Eröffnungsfeier bildete der Start von rund 200 Luftballons -ein flüchtiges Gedenkzeichen für die zumindest 200 Opfer – mit Adresskärtchen der Eisenerzer SchülerInnen, um die Botschaft der Enthüllung des Denkmals in alle Welt zu tragen. Einige Wochen nach der Eröffnungsfeier fand eine Semriacher Familie einen Luftballon in einem Wald. Die Finder der Grußbotschaft der Eisenerzer SchülerInnen waren Menschen, die 1945 selbst ins KZ gekommen waren und überlebt hatten!

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Kleine Zeitung (Leoben), 8. Dezember 2001; Eisenerzer Pfarrblatt, 22. Dezember 2001

Gedenkprojekt5

Obersteirische Zeitung, 5. Juni 2004

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Kleine Zeitung, 18. Juni 2004

Aus pädagogischer Perspektive ging es beim Gedenkprojekt darum:

  • aufzuzeigen, zu welchen Grausamkeiten Menschen bereit waren und es leider auch heute noch immer sind.
  • wie wertvoll uns der Frieden sein muss und dass dieser im weltweiten Kontext nicht selbstverständlich ist.
  • dass unsere Demokratie ein überaus wertvolles Geschenk ist, das wir uns selber geben können, um welches wir aber ständig ringen müssen.
  • die historischen Plätze der Grausamkeiten aufzusuchen, die Betroffenheit der

SchülerInnen zu spüren und diese zum Ausgangspunkt für die vertiefende Beschäftigung mit der Eisenerzer Regionalgeschichte zu nehmen.

Es war nicht mutig, diese Gedenkstätte zu errichten, sondern ein selbstverständlicher Akt der überfälligen Menschlichkeit und Anständigkeit gegenüber den Opfern. Ein Schüler merkte nachdenklich an, dass jeder Stein in den Stahlkörben eine Träne für das erlittene Unrecht an den ungarischen Juden symbolisiere.
Zusätzlich zum Jugendwettbewerb rundete ein fünfteiliger Gedenkzyklus mit Fachtagungen im Rathaus von Bruck an der Mur und in Eisenerz sowie mit der Wanderausstellung der Entwürfe für die Gedenkstätte den breit angelegten Gedenkprozess ab. Die positive mediale Resonanz war ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Schaffung von Akzeptanz.
Das Gedenkprojekt ist mit der Enthüllung des Mahnmals längst nicht abgeschlossen: Im Jahr 2005 gilt es, noch offene gestalterische Fragen zu lösen und eine neue Erinnerungskultur, die Historisches mit Aktuellem verknüpft, entlang der Eisenstraße nachhaltig zu verankern.

(gekürzt) aus: Freiinger, Gerhard / Niederhofer, Gerhard: Gedenkprojekt Todesmarsch Eisenstraße 1945. Die Stadt Eisenerz errichtet mit Jugendlichen ein Mahnmal am Präbichl. In: Halbrainer, Heimo (Hg.): Todesmarsch Eisenstraße 1945. Terror, Handlungsspielräume, Erinnerung: Menschliches Handeln unter Zwangsbedingungen. Graz: CLIO Verein f. Geschichts- und Bildungsarbeit 2005, S. 15-18.

Gerhard Freiinger arbeitet als Direktor der Musikschule der Stadt Eisenerz und als Lehrer an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz; Bürgermeister der Stadt Eisenerz

Gerhard Niederhofer arbeitet als Hauptschullehrer in Eisenerz; Vizebürgermeister der Stadt Eisenerz

Amrit Mehta: Meine Übersetzung von Jelineks Paula auf Hindi

1998 habe ich eine Anthologie zeitgenössischer österreichischer Literatur mit 20 Texten herausgebracht, die u.a. Texte von Ingeborg Bachmann, Marlen Haushofer, Gernot Wolfgruber, Ilse Tielsch, Robert Menasse, Milo Dor und Radek Knapp enthielt. Ich hatte auch Jelineks Paula für diese Anthologie ausgewählt. Frau Jelinek hatte die Lizenzrechte dieser Erzählung. Die österreichische Botschaft in Indien hat damals für die Lizenzrechte aller Texte gesorgt, aber Frau Jelinek war in dieser Hinsicht nicht zu erreichen. Alle Briefe und Faxe an sie blieben unbeantwortet. Ich hatte keine andere Wahl und mußte Paula fallen lassen. Weiterlesen

Renée von Paschen: Translation and Gender: „Die Klavierspielerin“. Elfriede Jelinek’s Creation / Michael Haneke’s Interpretation

Masterarbeit

This thesis is a comparative study of Elfriede Jelinek’s novel Die Klavierspielerin, its English translation The Piano Teacher by Joachim Neugroschel, and the screen adaptation La Pianiste by Michael Haneke with a special focus on gender and perspective. Jelinek’s literary career, political and feminist engagement, and biography are reviewed. Brief considerations of feminist writing and gender are presented according to Butler, Spivak, Cixous, Irigaray, Bourdieu and Lacan. Weiterlesen

Christian Schenkermayr: Ende des Mythos? – Beginn der Burleske?

„Ist der Mythos zu Ende gebracht, wenn er und indem er zur Burleske gemacht, besser: als solche möglich geworden ist?“. Ausgehend von dieser in Hans Blumenbergs Arbeit am Mythos aufgeworfenen Frage wird die Burleske als theatrale Form im dramatischen Werk von Elfriede Jelinek am Beispiel ausgewählter Motive (Ess-, Ausscheidungs- und Geschlechtsakt) einer eingehenden Analyse unterzogen. Weiterlesen

Clemens Kahrer: Schein-Heiliges Theater. „Krankheit oder Moderne Frauen“ zwischen Profanem und Heiligem

Universitäre Arbeit

Blut ist ein besonderer Saft! Das gilt für die weltliche wie für die religiöse Literatur. Das Profane und das Sakrale müssen aber kein Gegensatz bleiben – für Elfriede Jelinek, die bewusst Grenzen auslotet und außer Kraft setzt. Dennoch müssen beide Pole einmal kontrastiv eruiert werden. „Profan“ und „heilig“ über Definitionen[1] begreiflich zu machen, gestaltet sich nicht einfach. Ein Merkmal des Heiligen besteht ja bereits darin, dass es nicht rational, sondern nur über gefühlsmäßige Erfahrung beschreibbar ist. Weiterlesen

Béatrice Costa: Elfriede Jelinek und das französische Boulevard-Theater des 19. Jahrhunderts (Feydeau – Labiche)

Dissertation

Abstract

Meine Dissertation soll einen Beitrag liefern zu den intertextuellen Bezügen, die Elfriede Jelineks Werk während einer bestimmten Phase ihres Schaffens formen. So befremdlich es anmuten mag, dass zwei Autoren des französischen Boulevard-Theaters einen Einfluss auf die Nobelpreisträgerin ausgeübt haben sollen (Jelinek hat dieses Theater sogar ins Deutsche übersetzt), so ergeben sich – allem postmodernem Anschein zum Trotz – eine ganze Reihe von Parallelen, die es im Rahmen meiner Dissertationsarbeit zu erforschen gilt. Weiterlesen

Christoph Kepplinger: Polyphone Sprachkompositionen: Elfriede Jelineks Hörspiele als Radiokunst

Diplomarbeit

Mit der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, Elfriede Jelineks „akustische Literatur“ in einen literaturtheoretischen Kontext zu stellen, der diese Texte nicht als eine Literatur der Schrift reklamiert, sondern im Gegenteil ihre mediale Offenheit und Durchlässigkeit kenntlich macht. Eine Fokussierung erfolgt über die Begriffe der Partitur, der Realisierung, der Polyphonie und der medienspezifischen Dramaturgie. Als Grundlage für die Hörspielrealisierungen liegen polyphone Multifunktionstexte vor, die aufgrund der ihnen eingeschriebenen Qualitäten für Bearbeitungen im Rundfunk aufgegriffen wurden. Weiterlesen

Monika Hofmann: „Der Mann schaut auf das Nichts, er schaut auf den reinen Mangel“

Seminararbeit

Elfriede Jelinek stellt in ihren Werken, ähnlich wie Richard von Krafft- Ebing in seiner Psychopathia sexualis, anhand der männlichen Sexualität einen Katalog weiblicher Perversionen auf. Sie tut dies aber nicht aus einer Perspektive direkter Weltbeschreibung, sondern in einer Beobachtung zweiter Ordnung: Was von der Psychiatrie, vom männlichen Blick der Wissenschaft auf die Frau, als Inkarnation von fehlgeleiteter Sexualität gesehen wurde. Weiterlesen

Heimo Halbrainer: Zwangsarbeit und Konzentrationslager in Eisenerz

Räumen Sie mal die Reste von 200 verstorbenen Menschen weg, und die sind nicht säuberlich verstorben, die haben ihr Blut um sich herum verteilt, ziemlich rücksichtslos, andrerseits hat es Beschäftigung gebracht, allerdings zu Zeiten, da noch niemand Beschäftigung brauchte, denn damals hat man noch eine ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht […] (Neid 1,30) Weiterlesen

Thomas Ochs: …was Menschen schaffen; was Menschen kreieren; wie sie tanzen können auf allen Vieren…

Über Amstetten zu schreiben, heißt über die Hölle zu schreiben. Es geht mir nicht darum möglichst realitätsnah und faktenreich zu bleiben, sondern dem Geschehen in einer angemessen literarischen Form zu begegnen. Das Essay Im Verlassenen von Elfriede Jelinek steht meiner Herangehensweise Pate und verweist mit einer Undurchsichtigkeit und sprachlichen Künstlichkeit auf die Unbegreiflichkeit dessen, was in diesem oder jenem Kellerverlies vonstatten gegangen ist oder noch vonstatten geht. Weiterlesen