Zielsetzung
Als vierter Band der Reihe des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums Diskurse.Kontexte.Impulse ist im Jänner 2009 Peter Clars und Christian Schenkermayrs Untersuchung Theatrale Grenzgänge. Jelineks Theatertexte in Europa erschienen. Das Buch befasst sich mit der Rezeption von Elfriede Jelineks Theatertexten im nichtdeutschsprachigen Europa. Untersucht wird, ob und wie die Nobelpreisträgerin in den einzelnen Ländern wahrgenommen wird. Zu welchem Zeitpunkt setzt die Rezeption ein? Weiterlesen
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Thomas Ochs: Die Klavierspielerin – Vom Buch zum Film
Literaturverfilmungen gibt es seit jeher, jedoch hat sich die Theorie und Ansicht darüber wie Literatur verfilmt werden kann im Laufe der Zeit differenziert. Es gilt beispielsweise zu unterscheiden zwischen einer werktreuen Verfilmung und einer Verfilmung der Literatur, die weitaus freier und sicherlich auf einer anderen Ebene stattfinden kann (diesbezüglich lassen sich die Möglichkeiten in zahlreiche Kategorien auffächern; Bsp.: Vier Adaptionsformen von Wolfgang Gast). Weiterlesen
Bärbel Lücke: Brigitte und Elfriede
Wie man sich zum Gespenst macht und die Erzählkunst verquantelt oder wie man von sich selbst und zugleich vom Erzählen als Beobachten erzählt
(Ein Essay zum Kapitel fünf des Internet-Romans „Neid“ von Elfriede Jelinek)
Auf der Homepage von Elfriede Jelinek finde ich nach einer Zeit der Pause, in der nichts mehr zu kommen, der Neid-Roman also tatsächlich Fragment zu bleiben schien, wie die Autorin auch schon einmal als Möglichkeit angekündigt hatte, die ersten drei Teile des fünften Kapitels ihres Internetromans Neid. Privatroman. Weiterlesen
Monika Szczepaniak: „Ich rede und rede.“
Tagungsbericht
Unter dem Titel „Ich rede und rede.“ Elfriede Jelineks theatralische Masken fand am 20. und 21. Oktober 2007 in Bydgoszcz (Polen) ein vom Teatr Polski Bydgoszcz, dem Lehrstuhl für Germanistik der Universität Bydgoszcz und dem österreichischen kulturforum warschau organisiertes Symposium zu Elfriede Jelinek statt. Es war dem Gastspiel des Thalia Theater Hamburg mit Elfriede Jelineks Stück Ulrike Maria Stuart (Regie: Nicolas Stemann) vorangestellt und wurde von der szenischen Lesung des Textes Über Tiere und der Projektion von Fragmenten der Inszenierung von Ein Sportstück begleitet. Weiterlesen
Angelika Rosa Peaston: Jennie Wrights und meine Übersetzungsarbeit zu Elfriede Jelineks „Bambiland“
Jennie Wrights und meine Übersetzungsarbeit zu Elfriede Jelineks „Bambiland“ 2002 hatte ich auf Bitte Konstantin Kaisers hin einen kürzeren (und sprachlich noch viel dichteren) Text, Jelineks Vorwort zu den „Flüchtlingskindern“, einer Autobiografie ihrer leider knapp vor Erscheinen des Buches durch die Theodor-Kramer-Gesellschaft in Amerika verstorbenen jüdischen Tante Claire Felsenburg, ins Englische übertragen. Als ein gutes Jahr später mein morgendlicher Blick auf ein Foto Jelineks auf der Titelseite des „Standard“ fiel, verbunden mit den Zeilen, sie habe, sinngemäß, ein Kriegsdrama über den Irak geschrieben, verspürte ich spontan den starken Wunsch, daß es diesen Text, zumal ja die Sprache der Hauptkriegstreiber, unbedingt auf Englisch geben müsse! Weiterlesen
Christine Gaigg: Bis man sich „fast anspeibt“ (Gespräch)
Auszüge aus einem Gespräch, das Judith Helmer und Martina Ruhsam mit Christine Gaigg führten: über ihre Arbeitsweise, Elfriede Jelinek und den Körper als Symbol.
Warum ich die Einladung zu inszenieren angenommen habe? Weil Über Tiere ein beeindruckender Text ist. Wie Elfriede Jelinek einen Sprachfluss und geradezu Sog durch differente Wiederholungen generiert, da sehe ich eine Affinität zu meiner Technik, Bewegungsmodule mit geringen Veränderungen so aneinanderzureihen, dass ein gleichzeitig hypnotischer und analytischer Effekt eintritt. Insofern sehe ich in diesem Projekt eine Kontinuität meiner Arbeit der letzten Jahre. Weiterlesen
Ester Saletta: Die Allegorie „des Sehens“ in Hieronymus Boschs Tafelbild „Die sieben Todsünden“ und in Elfriede Jelineks Fortsetzungs-Roman „Neid“
Als ich das erste Mal Elfriede Jelineks neuen Fortsetzungs-Roman Neid. Ein Privatroman auf der Homepage der österreichischen Nobelpreisträgerin las, habe ich mich nicht geschämt, als Germanistin und Jelinek-Forscherin zu behaupten, daß ich diesmal im Vergleich zu den anderen früheren Werken Jelineks größere Schwierigkeiten hatte, Inhalt und Struktur der Narration mit dem Titel der Arbeit sowie auch mit der Entscheidung der Autorin, Hieronymus Boschs Tafelbild Die sieben Todsünden und die vier letzten Dinge (1475-1480) als Illustrationsmittel für jedes Kapitel zu wählen, zu verbinden. Weiterlesen
Angelika Walser: Sieben Todsünden und acht Laster
1. Vorbemerkung
Als katholische Theologin, zumal spezialisiert auf moralisch-ethische Fragen, ist man/frau den Umgang mit allerlei merkwürdig anachronistisch klingenden Begriffen und Bildern gewohnt. Weiterlesen
Gernot Hausar: Elektronisches Publizieren
Elektronisches Publizieren – The Medium is the Message
„In a culture like ours, long accustomed to splitting and dividing all things as a means of control, it is sometimes a bit of a shock to be reminded that, in operational and practical fact, the medium is the message. This is merely to say that the personal and social consequences of any medium – that is, of any extension of ourselves – result from the new scale that is introduced into our affairs by each extension of ourselves, or by any new technology.“ Weiterlesen
Norbert Bachleitner: Elfriedes Romanblog
Selbstverlag: Die Privatisierung der Literatur
Der neue Roman von Elfriede Jelinek ist laut Untertitel ein Privatroman, das bedeutet, glaubt man der Verfasserin, zweierlei: dass mehr Privates als sonst in den Text einfließt und dass er gewissermaßen im Selbstverlag erscheint. (Interview in der FAZ, 17.4.2007) Die erste Behauptung ist nicht nachzuprüfen, vielleicht wird sich die Philologie in einigen Jahrzehnten auf die Spurensuche machen, wie sie das einst im Fall von Goethe und anderen Klassikern getan hat; bis dahin muss man solchen Beteuerungen einfach glauben (oder auch nicht). Denn, dass eine Erzählerin einmal in Klammern E. J. einfügt (Neid 1,16) und sich ein anderes Mal als Elfriede outet (Neid 1,36), erhöht den Authentizitätsgrad nicht ernsthaft. Selbstverlag ist eine Veröffentlichung im Internet aber allemal. Aus der langen Vorgeschichte dieser Veröffentlichungsform sei nur Klopstock erwähnt, der 1772/73 seine Gelehrtenrepublik auf diese Weise vertrieb. Er erhoffte sich davon Gewinn durch eine hohe Zahl von Subskribenten, die er persönlich anschrieb (und er hatte Erfolg damit). Allerdings muss man auch daran erinnern, dass die Mehrzahl der Subskribenten bodenlos enttäuscht von dem schwer verständlichen und trockenen Buch war. Selbstverlag war immer auch schon Produktion von im regulären Verlagswesen nur schwer oder gar nicht unterzubringenden Texten. Im Internet ruft Selbstverlag dagegen bereits als erste Assoziation die bei mehr oder weniger talentierten Amateuren seit einigen Jahren beliebte Form des blogs hervor. Manche stellen ihre Fotos von der Hochzeit, von familiären Neuzugängen, vom Urlaub, vom neuen Fertigteilhaus und andere atemberaubende news ins Netz, manche nützen das willige Medium, um ihre literarischen Erzeugnisse zu offerieren. Das ist eine Form von ‚Privatisierung‘, die, wie oft hervorgehoben, einen Schritt zur Demokratisierung der Literatur bedeutet. Sie hat zwar den Namen mit der Privatisierung der Pensionsvorsorge, der Kultur, der Wissenschaft usw. – kurz: aller Lebensbereiche, um die sich der Staat früher einmal gesorgt hat, gemeinsam, aber zum Glück geht es hier nicht um die Bekämpfung von Budgetdefiziten von AutorInnen wie zum Beispiel bei Klopstock, im Gegenteil, wie Literatur im Internet generell, kann man Neid kostenlos lesen (und sogar ausdrucken).
Flickering signifiers
Das ist schön, die Veröffentlichungsform hat aber auch einen Haken. Man muss schnell zuklicken, sonst ist der Text vielleicht wieder weg. Es ist beinahe schon ein Gemeinplatz, dass das wichtigste Merkmal von Literatur im digitalen Medium die Flüchtigkeit ist. Die Texte bestehen aus instabilen „flickering signifiers“ (N. Katherine Hayles), die sich keiner permanenten Existenz erfreuen, sondern, je nach Bildschirmqualität, ca. 100 mal pro Sekunde von der Bildfläche verschwinden. Zudem werden sie spätestens bei der nächsten Stromunterbrechung zur Gänze gelöscht. AutorInnen, die für das Netz schreiben, sind sich dieses Umstandes bewusst. Fast regelmäßig kommt es zu selbstreflexiven Auseinandersetzungen mit den Folgen, die die Launenhaftigkeit der elektronisch generiertren Buchstaben für das Schreiben hat. Auch Jelinek weist wiederholt darauf hin. Während die vanitas des elektronischen Textes meist bedauert wird, betrachtet die Autorin von Neid die Vorstellung, ihren Text jederzeit löschen, also zurücknehmen zu können, als tröstlich: „Außerdem behalte ich mir vor, falls ich scheitere oder zu scheitern glaube, den Roman als Torso einfach so stehenzulassen, ihn nachträglich umzuschreiben oder ihn einfach aus dem Netz zu nehmen, falls ich das möchte beziehungsweise falls ich es nicht aushalte, dass er da einfach so steht und blöd aus dem Bildschirm herausglotzt.“ (Interview in der FAZ, 17.4.2007) Im Roman wird mehrmals auf das Transitorische dieses Aufschreibesystems hingewiesen: man sollte den Roman lieber rasch verzehren (Neid 1,51), bevor seine Verfasserin auf die Idee kommt, ihn wieder aus dem Regal zu nehmen. Andererseits kann man ihn selbst sehr leicht beseitigen, indem man auf das kleine Kreuz rechts oben am Bildschirm klickt, was die Autorin sarkastisch mit der Liquidierung von 29 Verwandten anno dazumals vergleicht (Neid 1,60). Weitere selbstreflexive Bemerkungen betreffen die vergleichsweise große Freiheit im neuen Medium, in dem einem niemand etwas zu schreiben verbieten kann (Neid, 1,61), und die Frage des Publikums, das hier erreicht werden kann. Das ist tatsächlich ein interessanter Punkt, der eine empirische Untersuchung wert wäre. Die Quantität der Zugriffe ist einfach zu ermitteln, aber wer sind die online-Leser von Neid? Unterscheiden sie sich von den Jelinek-Buchlesern und -leserinnen? Und wenn ja, inwiefern? Zu denken ist an Jugendliche, die idealtypischen dauersurfenden Internetkids. Aber Jelinek ist wohl zu Recht skeptisch, dass sie dieses Publikum für sich gewinnen kann. (Neid, 1,70)
Eine ungenützte Chance?
Unverständlich ist, warum die Verfasserin nicht die Gelegenheit ergriffen hat, um die Möglichkeiten des Schreibens im Cyberspace zu nützen. Einige unvorgreifliche Ideen: Hyperlinks drängen sich geradezu auf, wenn von der Erforschmaschine Gucki oder der Guckmaschine Wiki die Rede ist (Neid, 1,4 und 7). Außerdem hätten auf diese Weise Referenzen auf den Kontext konkretisiert werden können, zum Beispiel in Form von Links zum Wikipediaeintrag über den heimlichen Helden des Romans, den steirischen Erzberg. Auch wenn es um die Authentifizierung des im Text wiederholt erwähnten Todesmarsches geht (z. B. Neid, 1,24), hätten Links zu allfälligen Dokumenten ihren Reiz, um die Feststellung, dass „das“ ausnahmsweise stimme, zu untermauern. In einem Roman, von dem die Verfasserin zugibt, dass das meiste nicht von ihr stammt (Neid, 1,30), wären solche Verfahren durchaus angebracht. Abgesehen von den Außenreferenzen könnte man sich den Text selbst gut als Hypertext organisiert vorstellen. Die Roman-Handlung ist minimal – ob man etwas früher oder später erfährt, dass Brigitte K. der wohlhabende Geschäftsinhaber von einer Sekretärin weggeschnappt wurde, macht wohl kaum einen großen Unterschied. Und: dem Bildschirm angepasste Textportionen statt siebzig abatzloser Seiten am Stück würden den Lesekomfort stark anheben. Aber wahrscheinlich widerspräche eine solche formale Ausgestaltung der Idee eines nur provisorisch hingeworfenen und jederzeit rückrufbaren ‚Privatromans‘.
21. Mai 2007
Norbert Bachleitner ist Leiter der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien.
Weiterführende Literatur
Christiane Heibach: Literatur im elektronischen Raum. Frankfurt/Main: Suhrkamp 2003 (stw 1605).
Roberto Simanowski: Interfictions. Vom Schreiben im Netz. Frankfurt/Main: Suhrkamp 2002 (es 2247).

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