Susanne Teutsch / Ramón Mañes: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, afinidades.

Con mi ponencia quisiera utilizar el poema mourez parmi la voix terrible de l’Amour! (verlaine) como enlace entre Jelinek y tres artistas austriacas para, por un lado contextualizar los poemas temporal y temáticamente así como, por otro lado, demostrar la labor intertextual e intermedial del proceso creativo de Jelinek.
En primer lugar me gustaría comenzar con lo que hasta ahora se ha dicho sobre los poemas de Jelinek. La autora es hoy en día más conocida por su obra épica y dramática. Sin embargo, las poesías representan su entrada en la escena literaria a finales de los años 1960. En el ensayo Schreiben müssen („Tener que escribir“) (2003) recuerda Jelinek a Otto Breicha [con motivo de su fallecimiento] – que por aquel entonces era el director de la Sociedad Austriaca Literaria [Österreichischen Gesellschaft für Literatur] –:

Le envié [a Breicha] un paquetito de poemas. Yo, aún desorientada y dando bandazos entre las posibilidades del lenguaje, así y todo había leído lírica expresionista e intentaba imitarla, sobre todo a August Stramm. Breicha supo enseguida detectar esto con esa mirada irónica y burlona suya que sobresalía por encima de la montura de sus gafas. En cualquier caso, debió de ver algo más que Stramm, Ehrenstein y Lasker-Schüler en mis insignificantes poemas (algo que, siendo sincera, yo misma todavía hoy no encuentro. A parte de imitaciones, no veo nada más).

Aunque en esta cita Jelinek menosprecia su obra lírica y la reduce a una burda imitación, al mismo tiempo está declarando el sistema de trabajo que distingue fundamentalmente su obra. Y es que Jelinek parte de la imitación para crear sus juegos inter-textuales, con los que de manera muy variada y original conecta textos, estilos, autoras y autores unos con otros.

21.11.2019

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Alemán: Susanne Teutsch: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, Verwandschaften.

Susanne Teutsch: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, Verwandtschaften.

In meinem Vortrag möchte ich anhand des Gedichts mourez parmi la voix terrible de l’Amour! (verlaine) Bezüge zwischen Jelinek und drei anderen österreichischen Künstlerinnen herstellen, um einerseits die Gedichte zeitlich und thematisch zu kontextualisieren, und andererseits Jelineks intertextuelle und transmediale Arbeitsverfahren zu demonstrieren.
Und ich möchte mit dem beginnen, was bisher über Jelineks Gedichte gesagt worden ist. Obwohl sie heute vor allem für ihr episches und dramatisches Werk bekannt ist, sind ihre Gedichte in den späten 1960er Jahren Jelineks Eintritt in die österreichische Literaturszene. In dem Essay Schreiben müssen (2003) schreibt sie über den damaligen Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Literatur Otto Breicha:

ich hatte ihm [Breicha] einen kleinen Packen Gedichte geschickt, noch total orientierungslos herumtaumelnd in den Möglichkeiten der Sprache, na, immerhin hatte ich expressionistische Lyrik gelesen und versucht, sie nachzuahmen, vor allem August Stramm, das hat mir der Breicha auch gleich nachgewiesen, mit ironisch-amüsiertem Blick über den Brillenrand, aber außer Stramm, Ehrenstein und der Lasker-Schüler muß er wohl noch etwas anderes in meinen armseligen Gedichten gesehen haben (etwas, das ich heute in ihnen nicht sehe, ehrlich gesagt, außer Nachahmungen sehe ich überhaupt nichts in ihnen).

Obwohl Jelinek ihr Werk in diesem Zitat so geringschätzig kommentiert und es auf reine „Nachahmung“ reduziert, benennt sie damit das Verfahren, das ihre Arbeitsweise grundsätzlich kennzeichnet. Die Nachahmung – das Imitieren und Kopieren – entwickelt sie zum intertextuellen Spiel, in dem sie auf vielfältige und originelle Weise Bezüge zu andere Texten, AutorInnen und Formen herstellt.

21.11.2018

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Spanisch: Susanne Teutsch / Ramón Mañes: „vor meiner tönernen tonstimme“ Elfriede Jelinek, afinidades.

Jinsong Chen: From Wagner to Brecht: An Aesthetic Analysis of Elfriede Jelinek´s „Rein Gold“

Elfriede Jelinek’s stage-essay Rein Gold, a contribution to the 200th anniversary of Wagner’s birth, has been brought onto stage twice by the German director Nicolas Stemann: first as a six-hour improvised scenic reading in Prinzregententheater München in 2012 and then as a music theater at the Berliner Staatsoper (in Schillertheater) two years later. In both its literary and theatrical form, Rein Gold communicates strong political and aesthetic affinities with Richard Wagner and Bertolt Brecht. In this paper I will examine Brechtian and Wagnerian references within a postdramatic context and argue that the ultimate goal of both writer and director, while applying Brechtian techniques as a means to dislocate Wagner’s familiar theme and voice of the Ring, is to make them totally “EPIC.”

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19. September 2018

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Bastian Zwölfer: Elfriede Jelinek und der „scharfe jüdische Witz“. Über das Zerlachen des kapitalistischen Unsinns in dem Theatertext „Die Kontrakte des Kaufmanns. Eine Wirtschaftskomödie“

Diplomarbeit

In dieser Arbeit geht es um den „scharfen jüdischen Witz“ und den „jüdischen Tonfall“ dieses Witzes in den literarischen „Textflächen“ von Elfriede Jelinek, welcher anhand des Theaterstücks Die Kontrakte des Kaufmanns gezeigt werden soll. Da es zu diesem Thema noch keine umfangreiche Forschung gibt, soll primär von einigen Interviews ausgegangen und mithilfe der Aussagen der Autorin diesem Witz nachgeforscht werden. Die Interviews selbst werden dabei als eine eigene literarische Gattung angesehen; als eine spezifische Form der jelinekschen Textflächen.
Es wurde bewusst keine Rücksicht auf das Erscheinungsjahr der Interviews gelegt, um zu zeigen, dass der jüdische Witz sowie ihr „übersteigerter Moralismus“ eine konstante Bedeutung zu haben scheinen.
Da sich Jelinek in diesen Interviews oft auf den „jüdischen Witz“ beruft, soll dieser also den Schwerpunkt der Arbeit einnehmen und dann in der Wirtschaftskomödie gezeigt und erklärt werden. Neben den öfteren Hinweisen auf diesen Witz, fällt aber in den Interviews noch Jelineks ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit auf, der hier als die Kehrseite ihrer „scharfen“, „kastrierenden“ Komik angesehen wird. Die Grundüberlegung in diesem Zusammenhang war, dass Jelineks Hass auf die gelebte „Pseudo-Humanität“ (in Österreich) ein enormer Anspruch, eine Sehnsucht nach „wahrer“ Gerechtigkeit innewohnt, die als das Fundament ihrer „atheistisch-religiösen“ Haltung angesehen werden kann. Dies ist auch der Grund, weswegen Jelinek die Alltagsmythen des Kapitalismus „kastriert“ beziehungsweise „zerlacht“. Getragen wird die ganze Arbeit von den Gedanken Paul Feyerabends, der mit seiner „pluralistischen Methodologie“ eine gute Herangehensweise für die Auseinandersetzung mit dem Thema bietet. Des Weiteren wird mit den Überlegungen von Erich Fromm und Michel Foucault gearbeitet.

27.8.2018

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Wafaa Said Zoueid: Über die Écriture feminine am Beispiel von Elfriede Jelineks Romanen „Lust“ (1989), „Gier“ (2000) und „Neid“ (2008). Eine dekonstruktivistische Textanalyse

Dissertation

Abstract

Die geplante Dissertation bearbeitet die Romane der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek Lust (1989), Gier (2000) und Neid (2008) anhand der Theorien der Vertreterinnen der Écriture féminine, Hélène Cixous, Luce Irigaray und Julia Kristeva.
Von Kritikern, aufgrund ihrer Titel als „Todsündenromane“ bezeichnet, werden diese drei Romane als Teil eines Zyklus betrachtet, die die biblischen sieben Todsünden thematisieren. Die Hauptfiguren in den Romanen sind mit besonderen Charaktereigenschaften gekennzeichnet, die als Ursachen von Todsünden zu betrachten sind, hier also Lust, Gier und Neid.
Die vorgeschlagene Arbeit geht der Frage nach, inwiefern die bearbeiteten Romane von Elfriede Jelinek die Ansichten und Konzepte der Literaturtheorie Écriture féminine widerspiegeln. Diese Konzepte sind das weibliche Begehren, die weibliche und die männliche Ökonomie, Subjektivität und Gesellschaft, die Dialektik von Körper, Sprache und Gesellschaft, sowie auch Identität und Selbstidentifikation.
Mit einer einzigartigen Sprache versucht Elfriede Jelinek die patriarchalische Gesellschaft und die starke Macht der ungerechten sozialen Ordnung darzustellen. Ihre Sprache spielt eine besondere Rolle bei der Enthüllung der sozialen Umstände der modernen Zeit und der Darstellung der Unterdrückung der Frau.  Daher werden die Romane anhand der Methode der Dekonstruktion analysiert.

6.8.2018

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Jinsong Chen: Betrug an Mozart Alteritätsdiskurs und Dekonstruktion der Gender-Perspektive in „Raststätte oder Sie machens alle“ (1979)

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

In Form der klassischen Komödie verweist Elfriede Jelineks Theaterstück Raststätte oder Sie machens alle mit parodierenden Elementen auf Mozarts Opera buffa Così fan tutte (Libretto von Da Ponte). Das Stück handelt von zwei Frauen, die mit fremden Männern ein tierisches, sexuelles Abenteuer erleben wollen. Das Treffen mit ihren als Elch und Bär verkleideten Ehemännern auf der dreckigen Toilette der Autobahnraststätte als einem Ort, der die Zivilisation symbolisiert, enttäuscht die beiden jedoch.
In Mozarts Oper verkleiden sich zwei italienische Männer als ausländische Adelige, um ihre Bräute auf ihre Treue zu testen. Ihre Andersheit als ethnische Fremde wird von der ausländischen Verkleidung sowie der Änderung ihrer Namen reflektiert. In Raststätte übernimmt Jelinek die Idee der Entfremdung des Individuums, lässt aber die Männer ihr eigenes Anderes als tierische Gestalt repräsentieren. Dabei konstruiert die Autorin eine Dichotomie von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, um das innere animalische Selbst/ICH der Menschen zu entlarven und die verfremdete Menschheit zu kritisieren. Außerdem ändern sich in Raststätte die Position und die damit verbundenen Rollen der Geschlechter. Im Gegensatz zu Mozarts Frauenfeindlichkeit sind die Frauen bei Jelinek Subjekte ihrer eigenen Lust anstatt erotische Objekte der Männer, während die Männer als entfremdete Subjekte zu den Objekten des aktiven Begehrens ihrer Frauen werden.
Dem Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit liegt vor allem Jelineks Beschäftigung mit Mozart in Bezug auf Fremdenfeindlichkeit und künstlerische Ausgrenzungstendenzen zugrunde, womit sich die Autorin in ihrem kurzen Essay Neujahr (2006) intensiv auseinandersetzt. Mittels eines metatheatralischen Codes versuche ich herauszufinden, wie Jelinek mit der subversiven Sprache, einer feministischen Perspektive sowie komischen Elementen über Mozart in die Gegenwart weist, um ihre politischen, philosophischen und künstlerischen Standpunkte auszudrücken. Dabei steht nicht nur der aus der veränderten Gender-Perspektive entstehende Alteritätsdiskurs im Kontext der Postmoderne im Mittelpunkt, sondern es wird die über den Weg der Sprachkunst/Künstlichkeit vermittelte Xenophobie – Angst vor sich Selbst und Angst vor der Fremdheit –in der österreichischen zeitgenössischen Kultur diskutiert.

24.7.2018

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Xiaohu Sieghard JIANG: Mother-Daughter Relationship in Elfriede Jelinek’s „Die Klavierspielerin“ and Eileen Chang’s „The Golden Cangue“

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

In literature, the female is traditionally depicted as victims suppressed by patriarchal hegemony. However, Elfriede Jelinek’s novel Die Klavierspielerin (1983) and Eileen Chang’s Chinese novella The Golden Cangue (金锁记, 1943) focus on how daughters become victims of their mothers. Though with totally different national and cultural backgrounds, the former in Vienna and the latter in Shanghai, both works depict the despair of daughters whose lives are destroyed by the extreme manipulation of mothers. Nevertheless, while Die Klavierspielerin investigates the mother-daughter tension from the perspective of the daughter’s distorted mindset, The Golden Cangue sheds more lights on the psychological turmoil of the mother. At a more fundamental level, the daughter’s tragedy in Die Klavierspielerin originates from absolutism implemented here by the mother, which is divergent from the traditional representative of father. By contrast, The Golden Cangue attributes tragedies of both mother and daughter to the evil nature of humankind and the vulnerability of women in a Chinese society that was still haunted by feudalism.

3.7.2018
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Sabrina Weinzettl: „wir erschaffen uns eigens selbst“ Zur Alteritätskonstruktion und -dekonstruktion in Jelineks „Wut“

Teilaspekt des Forschungsprojekts
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

Der Beitrag für den Nachwuchsworkshop 2018 widmet sich der Frage nach der Konstruktion und Dekonstruktion von Alterität in Elfriede Jelineks Theatertext Wut.

Mit ihren polyphonen, intertextuell-konzipierten Textflächen hat Jelinek eine Form gefunden, Konstruktionen von Eigenem und Anderem nicht nur auszustellen, sondern sie, durch Verweigerung von eindeutigen Zuschreibungen, zu unterwandern und zu dekonstruieren. Im Wir der Textfläche verbinden sich Stimmen religiöser Fanatiker, rechtsextremer Mobs, Hassposter und Wutbürger zu einem gewaltbereiten Chor, wobei die fließenden, assoziativen Übergänge eine eindeutige Festlegung nicht zulassen. In Wut, einem Theatertext, den Jelinek unter den Eindrücken der Anfang 2015 in Paris verübten Terroranschläge geschrieben hat, befasst sich Jelinek mit unterschiedlichen Phänomen des Fanatismus, der in seiner Extremform, die Vernichtung des Anderen zum Ziel hat, und fragt nach den Ursachen für die daraus resultierenden Gewalt-Eskalationen. Das Thema der Alterität findet sich insofern in Wut verhandelt, als dass sich der Theatertext zentral mit dem Verhältnis von Gewalt und Religion befasst und Religion als Ursache von Gewalt dekonstruiert.

In meiner These gehe ich davon aus, dass Wut Wahrnehmungsstrukturen, die religiöse bzw. auf Ideologien beruhende Gewalt als ein völlig Anderes, außerhalb der eigenen Identität anzusiedelndes Phänomen zeichnen, in der Verschränkung unterschiedlicher Gewalttaten unterwandert. Dafür wird insbesondere Arata Takedas Untersuchung Ästhetik der Selbstzerstörung, der in Bezug auf terroristische (Selbstmord-)Attentate von einer kulturpolitischen Fehlwahrnehmung spricht, herangezogen. Untersucht werden soll, mittels welcher Verfahren Jelinek Formen der Alteritätskonstruktion im Theatertext aufzeigt und demontiert. In Anlehnung an Emile Benvenistes Überlegungen zum Pronomen wir, dem sowohl inklusiver als auch exklusiver Charakter beizumessen ist, werden die Jelinek’schen Sprecherpositionen, v.a. das kollektive Wir, hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Konstruktion von Identität / Alterität in den Blick genommen.

27.9.2018

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Sebastian Weirauch: Mimikry des Fremden: Elfriede Jelineks Werk aus der Perspektive der literarischen Rhetorik

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

Die Rezeption von Elfriede Jelineks Werk wird von einem selbst bei wohlwollenden Lesern immer wieder aufkommende Lektürewiderstand begleitet. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass das auf Aufklärung zielende Schreiben der Autorin nicht nur eine „politische[] Sprachanalyse“ (Janke 2002: 7) darstellt, sondern mit einer subversiven Rhetorik operiert, die sich ambivalenter ästhetischer Mittel bedient. Zu diesen Mitteln zählen u. a. ironische Täuschungsmanöver, mediale Unverständlichkeit und sprachliche Überwältigung. Zentral für Jelineks mit dem ironischen Konzept der „Ichlosigkeit“ (Jelinek/Treude/Hopfgartner 2000: 23) operierende Rhetorik ist die fortlaufende Mimikry fremden Sprechens und die provokante Identifikation u. a. mit antisemitischen Topoi (Begriffe wie „Parasitärdrama“, Rachefantasie in KdT).
In meinem Aufsatz rekonstruiere ich Jelineks Schreiben und die darin vollzogene Mimikry des Fremden unter Rückgriff auf die literarische Rhetorik (vgl. Traninger 2013) sowie auf phänomenologische Forschungen (vgl. Avanessian 2010; Despoix/Fetscher 2001). Ich zeichne nach, dass Jelinek in ihren Texten Ambivalenzen erzeugt, indem sie eine ständig verschwischende Mehrfachadressierung von Opfern und Komplizen vornimmt (vgl. Despoix/Fetscher 2001: 200). Im Zentrum steht dabei die „persona“ (Traninger 2013: 200) der Ironikerin, deren ichlose Mimikry des Fremden ein durchgängiges Merkmal von Jelineks Texten darstellt. Diese Ironikerin spricht in der Situation eines permanenten „Double-bind“-Dilemmas (Fueß 1983: 19), das sie auf die Leser zu übertragen versucht.
Im Anschluss an meine Überlegungen stelle ich heraus, dass Jelineks Werk als eine produktiv gemachte Aporie lesbar ist: Einerseits dient die ichlose Ironie als Konzept der Aufklärung, andererseits unterwandert sie dieses Vorhaben durch ihre manipulativen und ambivalenten Eigenschaften (vgl. Damiani 2014). Im Hinblick auf Jelineks Entwicklung als Autorin lassen sich zudem verschiedene Strategien ausmachen, um mit dieser Aporie umzugehen – etwa durch einen Metadiskus (z. B. in bukolit.hörroman oder später in Die Kinder der Toten) oder durch den vermeintlichen Bruch mit der eigenen Rhetorik (z.B. in Winterreise. Ein Theaterstück).

3.7.2018

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Informationen zu Sebastian Weirauch

Darius Watolla: Im fremden Blick – die Konstruktion des Andersseins.

Forschungsprojekt
(für den Nachwuchsworkshop 2018)

Im Werk Elfriede Jelineks nehmen Oppositionen eine zentrale Rolle ein. Die Grenzen zwischen gegenübergestellten Gruppen oder einzelnen Figuren verlaufen dabei nicht immer entlang der bekannten gesellschaftlichen Verwerfungen und können auch innerhalb einzelner Figuren entdeckt werden. Eine solche Grenzziehung kann allerdings nicht ohne Konsequenzen für die Konstruktion des Fremden, die Bestimmung des Selbst oder auch für die Sichtbarkeit des Anderen bleiben. Der Fremdheit Einzelner oder ganzer Gruppen steht dabei im Werk Jelineks die Solidarität innerhalb von Tätergruppen gegenüber.
Für die Kategorie des Geschlechts, welche im Werk der Autorin eine überaus wichtige Stellung einnimmt, kann eine hohe Relevanz für die Konstituierung des Fremden sowie für Entfremdungs- und Abgrenzungsprozesse angenommen werden. Die kulturelle und gesellschaftliche Diskriminierung der Frau, die im gesamten Werk Jelineks den Hintergrund bildet1), gipfelt in einer Situation, in der weibliche Figuren ausgegrenzt werden, ihrer Sprache beraubt um eine Daseinsberechtigung ringen und sich selbst fremd sind.2) Die Konstruktion des Fremdseins und der Exklusion wird dabei von Beschreibungen des Sehens und des Gesehenwerdens getragen, welche nicht nur die Position weiblicher Figuren innerhalb eines Figurengeflechts oder eines Raumes veranschaulichen, sondern auch die Zuschreibung der Subjekt- und Objekthaftigkeit realisieren. Eine Auseinandersetzung mit dieser Technik soll ihre zentrale Bedeutung für die Etablierung des Fremden im Werk Jelineks offenlegen und der Frage nachgehen, wie das Verhältnis zwischen Alienisierung und Alterierung in Abhängigkeit dieser Blickrichtungen bewertet werden kann.
Die Untersuchung soll an den Romanen Die Klavierspielerin, Lust und dem Theatertext Über Tiere durchgeführt werden.

Fußnoten
1) Vgl. Gürtler, Christa; Mertens, Moira: Frauenbilder. In: Janke, Pia (Hrsg.): Jelinek
Handbuch. J. B. Metzler, Stuttgart, 2013. S. 273.
2) Vgl. Jezierska, Agnieszka: Nichts ist möglich zwischen den Geschlechtern. Textuelle und gesellschaftliche Grenzen in Jelineks Über Tiere. In: Janke, Pia (Hrsg.): „Die Frau hat
keinen Ort“ Elfriede Jelineks feministische Bezüge. Praesens, Wien, 2012.

3.7.2018

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Informationen zu Darius Watolla