Christina F. Lammer: Lust ist. Auf der Suche nach einer weiblichen Ästhetik mit Hilfe Elfriede Jelineks „Lust“

Diplomarbeit

Viele KritikerInnen beurteilten Elfriede Jelineks feministisch ideologisches Ziel einer Antipornografie des Prosatextes Lust (1989) negativ. In der vorliegenden Arbeit wurde der Diskurs zu Lust deutschsprachiger LiteraturkritikerInnen in Tageszeitungen und Magazinen untersucht. Die Prozesse und Argumente der Rezeption hinsichtlich ästhetisch-sozialer Wertesysteme sollten geklärt werden, um aufzuzeigen wie Jelineks Versuch eines politischen Textes (miss-) verstanden wurde. Es wird erarbeitet wie Jelineks Spiel mit der weiblichen Auto-Erotik (Luce Irigaray) ein politisches Moment (Jacques Rancière) verursachen konnte, wobei die Möglichkeiten eines sprechenden weiblichen Subjekts (Gayatri Chakravorty Spivak) erfasst werden. Zudem wird kurz auf die Rezeption Ingeborg Bachmanns Malina (1971) reflektiert.
In einer komparatistischen Werkanalyse wird erstens gezeigt wie Lust mit dem von Jelinek angewiesenen Gegentext Histoire de l’œil (1928) Georges Batailles ‚kommuniziert’, zweitens wie sich der pornografische Roman Histoire d’O (1954) Pauline Réages von der Antipornografie Jelineks unterscheidet.

17.12.2013

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Uta Degner: Die Erfindung des Unmöglichen. Zur Logik ästhetischer Innovation in deutschsprachiger Prosa des 20. Jahrhunderts (Kafka, Brecht, Jelinek)

Habilitation (Konzept)

Ziel des Projekts ist die Rekonstruktion ästhetischer Innovationslogiken in deutschsprachigen Prosatexten des 20. Jahrhunderts. Anhand dreier Fallstudien – Franz Kafka, Bertolt Brecht und Elfriede Jelinek – sollen die „Erzeugungsformeln“ (P. Bourdieu) der künstlerischen Produktion detailliert analysiert und im Kontext des zeitgenössischen literarischen Feldes verortet werden.
Als methodische Basis dient die vom französischen Soziologen Pierre Bourdieu entwickelte Kultursoziologie, welche es erlaubt, die Eigendynamik künstlerischer Praxis mit dem Status Quo des literarischen Feldes in Beziehung zu setzen. Ihrzufolge ist Innovativität nicht aus sich selbst heraus zu bestimmen, sondern immer nur im relationalen Verhältnis zur Gesamtheit je zeitgleich existierender ästhetischer Positionen. Der dadurch konstituierte ‚Raum des Möglichen‘ stellt die Folie dar, vor und auf der literarische Erfindungen sich allererst konturieren und gegen die sie sich– intentional oder nicht – richten, um sie zu überwinden, um selbst eigene ‚Regeln der Kunst‘ zu definieren und durchzusetzen.
Die behandelten Prosatexte werden genauen „close readings“ unterworfen, um eine möglichst präzise Beschreibung der ästhetischen Verfahrensweisen zu leisten; aber auch außertextuelle Formen autorschaftlicher ‚posture‘ (J. Meizoz) – wie öffentliche Auftritte, Präsenz in den Medien u.ä. – spielen bei der Bestimmung der autorschaftlichen Positionierungen ebenso eine Rolle wie die soziale Feldposition der Akteure.
Am Ende des Projekts soll ein genaueres Verständnis von den Möglichkeitsbedingungen der ästhetischen Spielräume deutschsprachiger Prosatexte im 20. Jahrhundert stehen.

13.12.2013

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Cornelia Wech: Literarische Bezüge zu Franz Schuberts „Die Winterreise“ in Elfriede Jelineks „Winterreise“

Diplomarbeit 

Im Jahr 2011 veröffentlichte Elfriede Jelinek das Theaterstück Winterreise. Der Titel des Texts scheint nicht zufällig gewählt, sondern stellt einen Verweis zu Franz Schuberts Liederzyklus Winterreise dar, welcher wiederum auf Wilhelm Müllers gleichnamigen Gedichtzyklus basiert. Dies ist jedoch nur der erste von vielen Bezügen zu Müllers/Schuberts Werk. Auch wenn Jelinek in ihrem Text aktuelle Themen und Vorfälle bearbeitet, wie beispielsweise den Bankenskandal der Hypo Alpe-Adria oder das Medienspektakel um die Befreiung Natascha Kampuschs, ist ihre Winterreise dennoch von zahlreichen Verflechtungen zu Müllers/Schuberts Winterreise durchzogen.
In dieser Arbeit sollen all jene Verbindungen zwischen Müllers/Schuberts Gedicht-/Liederzyklus und Jelineks Theatertext aufgezeigt und interpretiert werden, um verständlich zu machen, wie viele und enge Verknüpfungen es zwischen dem Werk Müllers/Schuberts und Jelineks gibt. Dazu werden einerseits intertextuelle Bezüge zum Prätext analysiert, welche sich wie ein roter Faden durch Jelineks dramatischen Text ziehen, und andererseits verschiedene Thematiken, die einen Schwerpunkt in Jelineks aber auch in Müllers/Schuberts Winterreise darstellen, aufgearbeitet. Zudem wird auf strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen Schuberts und Jelineks Winterreise eingegangen, denn, auch wenn es sich bei dem einen Werk um ein musikalisches und bei dem anderen um ein dramatisches Stück handelt, weisen die beiden dennoch strukturelle Ähnlichkeiten auf.
Dabei kann festgestellt werden, dass es sowohl in Müllers/Schuberts Gedicht-/Liederzyklus als auch in Jelineks Theatertext weder auf inhaltlicher noch auf struktureller Ebene ein Fortschreiten bzw. eine Entwicklung gibt, sondern eine kreisförmige Bewegung um einzelne Motive und Elemente der Werke gegeben ist. Bei Müller/Schubert drehen sich einerseits die Gedanken des Wanderers nur um sich selbst und andererseits ist auch in Bezug auf den musikalischen Aufbau kein Zustreben auf einen Höhepunkt zu erkennen, sondern die Musik kreist immer wieder um dieselben Themen und Motive und variiert diese. Bei Jelinek gibt es ebenso auf inhaltlicher Ebene keine konventionelle Entwicklung der Handlung, sondern die unterschiedlichen Figuren, welche in den einzelnen Szenen am Wort sind, setzen sich alle mit ähnlichen Themen und Problemen auseinander. Doch auch strukturell gesehen ist in Jelineks Winterreise ein Kreisen um intertextuelle Motive, aber auch um einzelne Wörter zu erkennen, welche immer wieder aufgenommen und im Laufe des Werks variiert werden.
Dieses Kreisen um einzelne Elemente in Müllers/Schuberts und Jelineks Winterreise bringt den Effekt einer Nichtsgewissheit mit sich, den Jelinek zwar nur anderen Künstler/innen zuschreibt, der jedoch auch ihr eigenes Werk definiert. Erst durch die Betrachtung von Müllers/Schuberts Werk und den Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Versionen der Winterreise ist ein Verständnis der Jelinek‘schen Winterreise möglich, welche ein ebenso nichtsgewisses Werk wie die Kompositionen Schuberts darstellt.

12.12.2013

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Janina Henkes: Selbstvermarktung von Schriftsteller_innen

Masterarbeit

Selbstdarstellung und Selbstinszenierung sind im literarischen Forschungsdiskurs zu wichtigen Begrifflichkeiten geworden. Die Präsenz und die Öffentlichkeitsarbeit von *Schriftsteller_innen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Masterarbeit Selbstvermarktung von Schriftsteller_innen untersucht das Kunstverständnis und Künstler_innenbild, das sich seit dem Mittelalter geprägt hat. Davon ausgehend sollte herauskristallisiert werden, welches Bild Schriftsteller_innen bedienen müssen, um auf dem Kunstmarkt Interesse für sich zu generieren. Anhand der Autor_innen Elfriede Jelinek und Max Frisch wird demonstriert, wie ihr Leben als Künstler_innendasein hochstilisiert wird und sich eine Spaltung zwischen Bürgertum und Künstlertum darstellt. Eine Vermengung von künstlerischer Arbeit und biographischen Daten findet infolgedessen statt. Ihre politischen Aussagen in Werken ebenso wie in Reden oder auf anderen Publikationswegen führen zu Kontroversen und machen sie zu geeigneten Zielscheiben für diffamierende Polemik. Durch jene Komponenten „ist [es] nur natürlich, dass zwischen dem rechtspopulistischen Politiker Jörg Haider von der FPÖ und der linken, feministischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek ein Streit entfacht. Haider stellt Jelinek als Staatsfeindin an den Pranger.“ (S. 47)
Anhand der beiden genannten Autor_innen werden Strategien der Selbstdarstellung von Literaten in der Öffentlichkeit und in den Medien erörtert. Zur Einordnung und Fundierung sind zunächst einleitend das sich im Laufe der Jahrhunderte wandelnde Bild von Künstler_innen und das dahinter stehende Kunstverständnis geschildert und dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Frage, inwieweit und mit welcher Intention sich Künstler_innen (bzw. Schriftsteller_innen) entweder als Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit exponieren und inszenieren oder sich, im Gegenteil, dem Interesse an ihrer Person zu entziehen versuchen. Diese inhaltliche Fokussierung erweist sich deshalb als sinnvoll, weil im weiteren Verlauf der Arbeit genau dieses öffentlichkeitswirksame (und gleichzeitig öffentlichkeitsscheue) Spiel mit der eigenen Identität und Persönlichkeit bei Frisch (S. 24 ff.) und Jelinek (S. 38 ff.) exemplarisch genauer untersucht wird. Zuvor setze ich mich in einem Zwischenkapitel mit dem Auftreten von Autor_innen in den Medien auseinander und greife dafür nicht nur auf aktuelle Literatur (etwa Lucas/ Meyer/ Sorg, 2013), sondern auch auf ein eigenes Interview mit der Autorin Hanna Lemke (S. 21-23) zurück. Die Arbeit wird mit zusammenfassenden Betrachtungen zu den Selbstvermarktungsstrategien bei Jelinek und Frisch beendet.
Die beiden untersuchten Schriftsteller_innen machen „die Vermarktungsstrategie des ‚Brandings’ als gesellschaftskritische, engagierte, kontroverse Intellektuelle“ (S. 61) für sich nutzbar und können „dadurch eine spezifische Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit“ (ebd.) generieren, die nicht nur zu weiteren Medienauftritten, sondern auch zu Schreib-Aufträgen für die Protagonisten führt: „Die Kunst wird zum Handwerk auch in marketingstrategischer Hinsicht“ (ebd.). Die Schwierigkeiten und Widersprüche, die sich aus dem postulierten Selbstverständnis von Jelinek und Frisch als Literaten einerseits und als politisch denkende, engagierte und sich in öffentliche Debatten einmischende Autoren andererseits ergeben, sind in der Arbeit herausgestellt (vgl. zu M. Frisch S. 36 f., zu E. Jelinek beispielhaft die Inszenierung ihrer Videobotschaft zum Nobelpreis als unübersehbaren Rückzug aus der Öffentlichkeit, S. 40 f.). Autor_innen und Publikum bedienen hier gleichermaßen den Trend, dass bei der Auseinandersetzung mit Literatur zunehmend weniger die Intention und Interpretation des Werks und zunehmend mehr die Identifikation mit dem Autor im Mittelpunkt steht (vgl. S. 15-16).

9.12.2013

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Sarah Neelsen: Elfriede Jelineks Essays. Gattung. Bezüge. Singularität.

Disseration

Abstract

In dieser Dissertation wird das Werk der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek (Literaturnobelpreis 2004) von ihren Rändern her besprochen, ausgehend von den „kleinen Texten“, die sie seit 1967 neben ihren Stücken und Romanen verfasst hat. Als Gelegenheitstexte gründen sie auf einem eigenen ästhetischen Paradigma, das in der Dissertation in Hinsicht auf ihre besonderen ursprünglichen Veröffentlichungsbedingungen untersucht wird. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Auftragswerke, die an andere Medien als das Buch gebunden sind (Zeitschriften, Flyers, Programmhefte, Internet), die auf Grund ihrer Zerstreuung im öffentlichen Raum und rapiden Vergänglichkeit eine andere Rezeption implizieren. Die Texte werden auf dem Hintergrund der wichtigen Zäsuren Jelineks Werk im Allgemeinen sowie der österreichischen Literatur nach 1945 zunächst im Überblick präsentiert, indem das persönliche und berufliche Netzwerk der Autorin, sowie ihre Stellung innerhalb ihrer Generation rekonstruiert werden.
Drei Kapitel sind detaillierten Textanalysen gewidmet: zum einen wird gezeigt, wie sich allmählich eine Kernfrage herauskristallisiert hat, nämlich die Möglichkeit der weiblichen Kreativität; zum anderen werden drei grundlegende stilistische Merkmale beschrieben, die sich als Einkreisen, Paradoxon und Verflüssigung bezeichnen lassen; letztens geht es um die Interaktion zwischen Text und Leser, die sich vornehmlich durch Störung und Interferenz vollzieht und eine zeitlang dem Sinnverfall entgegengewirkt.
Zentrale Begriffe der Dissertation sind „Bezüge“ und „Singularität“, die sowohl das ästhetische wie politische Anliegen der jelinekschen Essayistik auf den Punkt bringen, und darüber hinaus auch für einen Teil des Genre im Allgemeinen typisch sind, wie die abschließende vergleichende Untersuchung mit einigen der wichtigsten historischen wie zeitgenössischen Beiträgen zur Essaytheorie belegt (Lukács, Adorno, Roland Barthes, Marielle Macé, Wolfgang Müller-Funk, Georg Stanitzek).

2.12.2013

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Jan-Peter Grönhoff: Zwischen Lärm und Stille. Ästhetiken der „New Economy“ in Theorie und Literatur

Seminararbeit

In dieser Arbeit geht es um die unauflösliche Beziehung, die vermeintliche ökonomische „Wahrheiten“ zu ihrer eigenen Erzählbarkeit unterhalten.
Wirtschaftliche Zusammenhänge, wie der, um den es hier gehen soll ‒ die Zeit der Transformation traditioneller Arbeitswelten in das, was man mit Sennett „flexiblen Kapitalismus“ oder auch New Economy nennen kann ‒, sind nicht der Zugriffsbereich sich wertfrei und neutral gebärender Wirtschaftswissenschaften, sondern vielmehr Produkte diskursiver Praktiken. Diese weisen eine auffallende Nähe zum Bereich der Narration und des Fiktiven, also dem der Literatur, auf.
Es soll nun darum gehen, der Herstellung ökonomischer „Realitäten“ gewissermaßen bei der Arbeit zuzusehen. Dazu werden sowohl theoretische Texte, wie die Studie Das Gespenst des Kapitals des Berliner Literaturwissenschaftlers Joseph Vogl, oder eine Vorlesung Kathrin Rögglas zum Thema Weltmarktfiktion, als auch literarische Beispiele wie Rainer Merkels Start -Up -Portrait Das Jahr der Wunder, Elfriede Jelineks Die Kontrakte des Kaufmanns, sowie Kathrin Rögglas wir schlafen nicht herangezogen.

21.11.2013

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Gloria Höckner: Theater als Verweigerung. Queere Perspektiven in Elfriede Jelineks Theatertext „Über Tiere“

Diplomarbeit

Der theatrale Apparat kann einerseits als Ort der Repräsentation von gesellschaftspolitischen Machtverhältnissen oder als (Re-)Produktionsstätte kultureller Identität aufgefasst werden, andererseits kann das Theater aber auch ein Ort sein, an dem Kritik an diesen stattfindet. Die dieser Arbeit zugrunde liegende Frage ist, welche politischen Dimensionen der theatrale Raum haben, und inwiefern er das Selbstverständnis in den Begriffen des herrschenden Diskurses stören und in Frage stellen kann. Elfriede Jelineks Theatertexte können als ein solcher kritischer Störfaktor, als Gegendiskurs fungieren und das Theater als Ort der Sichtbarmachung nutzen.
Anhand des 2005 entstandenen Theatertextes Über Tiere soll aufgezeigt werden, wie Jelineks ästhetische Strategien eine Dekonstruktion des Einheitssubjekts und die Entmystifizierung von Weiblichkeit und Sexualität leisten. Die im Text verwendeten Fragmente von polizeilichen Abhörprotokollen eines illegalen Frauenhandels-Rings werden als Dokumente einer männlichen Sprache der Begierde einem weiblichen Begehren gegenübergestellt, welches sich in dem Versuch, sein Begehren zu realisieren, aufgeben muss. Am Ende des Stückes wird eine Analogie von Frau sein und „pathologische“ Weiblichkeit hergestellt, indem der reale Fall von Anneliese Michel eingeflochten wird, die 1976 an Unterernährung starb und vor ihrem Tod exorzistischen Methoden unterzogen wurde. Das Stück inszeniert u. a durch das Einbeziehen von „alltagssprachlichen“ Zitaten jene verletzenden Geschlechterdiskurse, die an der Konstitution dichotomer Geschlechteridentitäten beteiligt sind. Wie diese Arbeit zeigen soll, wird der Identifikationsprozess mit den in dem Stück dargestellten Geschlechteridentitäten jedoch unterbunden, da einerseits das Konzept einer einheitlichen Identität durch Jelineks ästhetische Verfahren zertrümmert, und das Identifikationspotential, das die binären Geschlechter-Matrix (vgl. Butler) bereithält andererseits als nicht mehr lebbar und krankmachend aufgezeigt wird. Jelineks radikaler Pessimismus gegenüber dichotomer Geschlechteridentitäten kann als queerer Gegendiskurs aufgefasst werden, da sie das von der heteronormativen, männlichen Definitionsmacht unterdrückte und unsichtbare Skript hervorschreibt. Judith Butlers Theorie der Performativität von Geschlecht sowie die queer-theoretisch Kritik an Identitätspolitiken sollen als theoretischer Überbau dienen, um zu analysieren, inwiefern Elfriede Jelineks Theatertext Über Tiere als subversive Praxis und als queere Strategie der Verweigerung heteronormativer Identitätszuschreibungen verstanden werden kann. Weiters soll untersucht werden, wie das Jelineksche Theater als Ort fungiert, an dem Sprache in ihrer sowohl wirklichkeits-abbildenden als auch realitätsstiftenden Dimension statt hat.

31.10.2013

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Kuaige Qi: Dekonstruktion des Mythos. Forschung zu Elfriede Jelineks literarischen Intentionen

Disseration

Abstract

Elfriede Jelinek ist mittlerweile zu einer der wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen geworden. Trotz der ausgewiesenen Leistung liegen, abgesehen von einzelnen Aufsätzen zu ihren einzelnen Texten, in der chinesischen literaturwissenschaftlichen Fachwelt bislang zu Jelinek und ihrem Werk keine umfassenden Untersuchungen vor. So hat die Diessertation auf dem Nullpunkt der Jelinek’schen Forschung in China eingesetzt. Ausgehend von der poetischen Tradition und dem kulturellen Ursprung hat die Arbeit die Entwickung ihrer literarischen Intention ergründet und die Hauptthemen und kulturellen Inhalte ihres Schreibens erforscht und dargelegt.
Die Abeit ist in drei Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel wird zunächst die Schriftstellerin vorgestellt: Das medienwirksame Phänomen Jelinek wird hinterfragt, ihre ästhetischen Ansichten werden im Kontext der Moderne untersucht, und Jelinek wird als eine politische Autorin mit feministischen Gedanken ausgewiesen, deren Anliegen eine Ideologiekritik im marxistischen Sinn ist. Abschließend biete ich einen Überblick über die Rezeption von Jelinek sowohl in der chinesischen Fachwelt als auch in der allgemeinen chinesischen Leserschaft.
Im zweiten Kapitel stehen die literarische und kulturelle Tradition und die Jelinek’sche Rezeption der Mythos-Theorie von Roland Barthes im Mittelpunkt. Es wird ihren im österreichischen Kulturraum verhafteten literarischen Wurzeln nachgegangen. Dabei wird herausgestellt, dass sie die Betonung, Reflexion und Kritik der Sprache auf der österreichischen Literaturtradition aufbaut. Dies führt dazu, dass ihr Schreiben und ihre künstlerische Entwickung ganz im Zeichen eines Misstrauens gegen jene vorgefertigte Sprache stehen. Die Rekurrenz auf das ideologiekritsiche Werk Mythen des Alltags von Roland Barthes ist signifikant für Jelineks Demythologisierungsarbeit, die sie mit ihren Texten betreibt. Diese Arbeitsweise fußt auf den Demythologisierungsgedanken von Barthes, von dem sie wichtige Impulse erhalten hat.
Der dritte Kapitel ist der konkreten Analyse von Die Liebhaberinnen, Die Ausgesperrten und Die Klavierspielerin – gewidmet. Darin wird untersucht, wie die Schriftstellerin die vorgefertigten Mythen dekonstruiert und welche tiefen kulturellen Inhalte die Texte beinhalten. Die Autorin zerreißt den Schleier der Mythen und präsentiert sie als politisch-ideologische Konstruktion, hinter denen Macht, Gewalt und Gewinnsucht stecken. Sie versucht unablässig, Liebe, Familie, Frau, Musik, Sex usw. als Mythen der bürglichen Ideologie aufzudecken.
Jelinek vermittelt ein dunkles Bild gesellschaftlichen Lebens, aber sie ist keine Pessimistin, denn das Ziel ihrer Demythologisierungsarbeit steht im Dienste der Aufklärung, damit sich die Leser von „der Absurdität und zwingenden Macht der sozialen Klischees“ befreien und die Autonomie und freie Entfaltung gewinnen können. Mit dem Ziel dieser Bewusstmachung lagert sie in ihren Texten zur Bekämpfung und Dekonstruktion der Mythen „die natürlichen Stimmen und Gegenstimmen“, die die mythenbildenden Diskurse unserer Medien, von der Reklame bis zur Philosophie, simulieren.

29.10.2013

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Gerlinde Steininger: Die Rezeption der Literaturnobelpreisvergabe an Elfriede Jelinek 2004 in Deutschland

Proseminararbeit

Die Bekanntgabe der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Elfriede Jelinek am 7. Oktober 2004 führte weltweit zu heftigen positiven wie negativen Reaktionen. Die Polarisierungen, die die Schriftstellerin und ihr Werk bereits seit mehreren Jahrzehnten auslösen, kulminierten, wie Pia Janke in Literaturnobelpreis Elfriede Jelinek (2005) festhält, in einem medialen Hype.
Diese Arbeit untersucht als Beispiel dafür die Rezeption in Deutschland. Untersucht werden 46 Artikel aus regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, die in den ersten Tagen nach der Bekanntgabe der Verleihung veröffentlicht worden sind. Geklärt werden soll, ob die Polarisierungen thematisiert beziehungsweise von den LiteraturkritikerInnen selbst (re-)produziert werden, ob und auf welche Art und Weise ihr Werk zur Debatte steht und welche Äußerungen sich zu Jelineks spezifischem Schreibverfahren und ihrer kritischen Spracharbeit finden. Zudem wird herausgearbeitet, welche zentrale Rolle der Kontext Österreich in der deutschen Rezeption einnimmt. Abschließend werden – um auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen – Jelineks Reaktionen auf die negativen Kritiken sowie ihre Erklärungen für die zum Teil problematisch verlaufende Rezeption in Deutschland präsentiert.

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7.10.2013

Eva Przybyla: Das Leben erzählen, wie es wirklich ist. Jelinek reflektiert das Erzählen von Figuren und Wirklichkeit in der Romanverfilmung „La Pianiste“ und in ihrem eigenen Schreiben in einem Essay über Michael Haneke.

Bachelorarbeit

Gerade im Bereich der Soziologie wird Individualität vielfach diskutiert. ForscherInnen nehmen dabei Bezug auf die Arbeiten von Pierre Bourdieu, der schon in den 80ern Kapitalisierungsverhältnisse auf soziale Ressourcen ausweitete. Die Subjektivierungsprozesse verändern das Verhältnis des Einzelnen zu seiner Umwelt und Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Spielern werden in den Hintergrund gedrängt. Elfriede Jelinek sperrt sich gegen diesen Trend und konstruiert Individualität aus der sozialen und ökonomischen Schnittmenge, in der sie eine Figur lokalisiert. Dieser poetologische Ansatz kristallisiert sich in ihrem Essay „Im Lauf der Zeit. Ein Vorwort.“ heraus, der am 4.9.2001 auf ihrer Homepage erstmalig erschienen ist. Aus der Betrachtung von filmischer, subjektivierender und handlungsorientierter Erzählweise arbeitet Elfriede Jelinek die Möglichkeiten einer objektivierenden literarischen Erzählweise heraus. Somit löst sie das Paradox auf, das Figuren „einzigartig [sind], indem sie sind wie alle.“ 1)
Die Bachelorarbeit widmet sich der Frage, wie die Autorin des Romans „Die Klavierspielerin“ in ihrem Essay die Figurenkonstruktion und das Erzählen von Leben in der Verfilmung von Michael Haneke reflektiert und welche Einblicke sie darüber in ihre eigene Poetik gibt. Beantwortet wird diese Frage methodisch sowohl gattungstheoretisch in der Analyse der Textform des intermedialen Essays nach Christoph Ernst, hermeneutisch mittels der Selbstaussagen der Autorin und Michael Hanekes in Interviews als auch eine narratologisch, angelehnt an die Jutta Schlichs Untersuchung des Roman „Lust“. Zu den Schwierigkeiten des Erzählens der Wirklichkeit und des Lebens ziehe ich den biografietheoretischen Ansatz von Pierre Bourdieu in seinem Aufsatz die „biografische Illusion“ heran und verdeutliche damit Jelineks soziologische Perspektive auf Individualität. Die Biografie-Theorie kann im Hinblick auf Jelineks Werke Aufschlüsse über die Schwierigkeiten ihres Erzählens geben, das den hohen Anspruch hat, Realität zu erzählen. Die Betrachtung ihrer Figurenkonstruktion ermöglicht Vergleiche mit den Werken von anderen AutorInnen und könnte die Einzigartigkeit ihres Schreibens literaturhistorisch kontextualisieren.

1) Jelinek, Elfriede: Im Lauf der Zeit. Ein Vorwort. Erschienen auf elfriedejelinek.com. Abgerufen am 19.9.2013.

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30.9.2013